Fakt oder Fake?Das muss man gesehen haben: Die Schummelcamper aus dem Internet

Jungle Survival
Jungle Survival

@JungleSurvival/Youtube

Redaktion KuTRedaktion KuT | 22.05.2022, 21:41 Uhr

Leben im Dschungel und dann noch mit eigenem Häuschen? Geht nicht? Zwei Männer aus Kambodscha wollen beweisen, dass es scheinbar gar nicht so schwer ist. Man muss bei den Ausgrabungen nur Geduld mitbringen...

In den Weiten des Internets findet man immer wieder beeindruckende neue Dinge, unfassbare Ideen und irrsinnige Projekte. Eines davon ist unter anderem auf dem YouTube-Kanal „Jungle Survival“ zu finden. Das ist quasi die Luxusvariante des Dschungelcamper. Wozu Pritschenlager wenn’s auch mondäner geht?

Dieser folgt zwei Männern in Kambodscha, die aus dem Erdboden heraus atemberaubende Bambushäuser, ganze Villen und sogar Tunnelschwimmbäder zaubern. Jede dieser Behausungen besteht angeblich vollständig aus natürlichen Materialien, die im Wald gefunden und mit bloßen Händen verarbeitet werden. Von Werkzeugen weit und breit keine Spur. Häm?

Ein Mann baut ein Haus mitten in der Wildnis
Hier entsteht ein Gebäude mitten im kambodschanischen Dschungel

Foto: youtube / Jungle Survival

Haus mit Pool gefällig?

Es existieren noch weitere YouTube-Channels von überaus begabten Häusle-Bauer – die Clips gingen ebenfalls viral. Auf „Primitive Survival Tool“ oder „Promitive Survival“ laden kambodschanische Handwerker-Jungs ebenfalls Videos hoch, die sich mit dem Prozess der Herstellung von Gebäuden, egal in welcher Größe und Form, beschäftigen. Meist wird noch eine riesige Bambusschale gebaut, in die dann klares, sauberes Dschungelwasser eingefüllt wird. Am Ende der Videos sind jedes Mal beeindruckende, kleine Eigenheime entstanden,  bei denen man kaum glauben mag, dass sie wirklich so dort stehen.

5,67 Millionen Abonnenten folgen den beiden mit offenstehenden Mündern auf ihrem YouTube-Kanal – und relativ oft kommen neue Videos. Scheinbar rackern die kambodschanischen Arbeiter mit dem längsten Geduldsfaden der Welt dafür regelmäßig – und anscheinend sehr sehr hart.

Die Wunderbauer aus dem Dschungel

Die Aufnahmen über die wochenlange Plackerei sind natürlich im Zeitraffer aufgenommen, dennoch ist deutlich zu sehen, wie viel Arbeit die Männer investieren. Sie graben, schleifen, modellieren kunstvolle Formen und Säulen und lassen ganze Häuser aus Baumstämmen entstehen.

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Sogar unter der Erde entstehen gemütliche Behausungen – dafür gräbt manchmal auch nur einer der beiden Männer metertief, mit bloßen Händen und lässt unter der Erde ein einen richtigen Raum mit Kerzen in den Wänden entstehen. Unfassbar, wie ganz Wohnparadiese aus dem Boden gestampft werden! Und das nur innerhalb eines Monats!

Es gibt inzwischen Hunderte solcher Videos und Dutzende von konkurrierenden Kanälen auf Youtube, die scheinbar versuchen, sich mit noch ausgefalleneren „handgemachten“ Gebäuden, ja ganzen prunkvollen Wohnanlagen, zu übertreffen. Die 15-minütigen Zeitraffer zeigen in der Regel ebenfalls ein oder zwei oberkörperfreie Männer in der Wildnis (gerne auch mal in Designer-Shorts) die so lange graben und hacken, bis sie einen phantasie- und kunstvollen Miniatur-Wasserpark oder eine paradiesische Luxus-Villa mitten im Dschungel geschaffen haben – wohlgemerkt, angeblich zu zweit.

Doch die Nachmacher-Clips sind oftmals reines Clickbait, meist mit Photoshop stark bearbeitet – aber natürlich mit einem Endergebnis, das jeden YouTube-Zuschauer vom Hocker fallen lässt.

Warum Zweifel bleiben

In den sozialen Netzwerken häufen derweil sich Videos von Youtubern, sowie echten Pool-Bauern, die das Ganze als Fake entlarven wollen. Letztendlich ist die Meinung, zumindest zu den zwei „originalen“ kambodschanischen Handwerkern ,aber eher eine respektvolle, denn was die Männer da augenscheinlich an harter Arbeit leisten, findet immer mehr Anklang in der Social-Media-Welt. Kann doch das Leben so wunderbar einfach sein…

Aber: Genügend Skepsis scheint aber stets zu bleiben – sei es nun, dass die Vorstellung einer Villa mit Pool mitten im Dschungel doch ziemlich unrealistisch ist und es auch zweifelhaft wirkt, dass die Männer das Ganze wirklich nur zu zweit stemmen. Die Macher der jungen „Funk“-Gruppe nennen das dann ziemlich treffend „Schummelcamp“. Denn mit den millionenfachen Klicks dieser wundersamen Häuslebauern lässt sich vor allem ordentlich Kohle machen.

… und so wird bei den Schummelcampern nachgeholfen

Wer genauer hinsieht findet nämlich zum Beispiel Spuren von Baggern und anderen technischen Errungenschaften der Neuzeit in den aufwändig produzierten Clips, enthüllten u.a. die besonders investigativfreudigen Macher des Online-Content-Netzwerk der ARD und des ZDF. Und an anderen Stellen finden sich unlogische Feinheiten der schnell geschnittenen Szenen, die hier Seiten füllen würden.

Fazit: Die Videomacher sind einfach nur clever. Bei einem erbärmlichen Monatsverdienst von um die 100 Euro in Kambodscha kommt man nicht weit. Mit einem Fakevideo dieser Art kann man schon mal mindestens 500 Euro machen. Hat man rund 1 Millionen Klicks allein auf ein Video macht man damit schon mal zwischen 3.200 und 38.000 Euro…

Eine Gruppe der kambodschanischen Schummelcamper haben gegenüber einem Gesprächspartner von Funk bestätigt, dass sie pro Monat schon über 10.000 Dollar verdienen! Das erklärt somit die zunehmende Schwemme von Videos dieser Dschungel-Häuslerbauer …