Linda Zervakis: Fakten, Kritik und Vorwürfe zu ihrem Podcast „Gute Deutsche“

Linda Zervakis: Darum ist ihr Podcast „Gute Deutsche“ trotz aller Kritik so hörenswert
Linda Zervakis: Darum ist ihr Podcast „Gute Deutsche“ trotz aller Kritik so hörenswert

IMAGO/ Future Image

10.08.2021 16:05 Uhr

Seit Juni 2020 erscheint jeden Montag um 00:01 Uhr Linda Zervakis’ Podcast „Gute Deutsche“ bei Spotify. Hier präsentiert die ehemalige „Tagesschau“-Sprecherin mit ihrer humorvollen und authentischen Art ihre eigenen Erfahrungen als Deutsche mit griechischen Wurzeln. Dabei kommt nicht nur sie selbst in ihrem Podcast zu Wort, sondern auch andere prominente Persönlichkeiten aus Deutschland, die aus ihrem Leben mit Migrationshintergrund berichten.

Gleich nach Folge eins gab es deutliche Kritik am neuen Podcast von Linda Zervakis. Die Idee zu „Gute Deutsche“ sei geklaut, Spotify benutze ein bereits erfolgreiches Format. Nicht damit die Inklusion vorangetrieben wird – sondern damit die Kasse klingelt. Aber von vorne…

Von 2013 an führte Linda Zervakis (46) uns viele Jahre regelmäßig durch die „Tagesschau“ und die „Tagesthemen“. Im April 2021 verließ sie zwar den NDR, doch war sie bereits davor mehrgleisig unterwegs gewesen. So können wir die in Hamburg aufgewachsene Nachrichtensprecherin seit Juni 2020 in ihrem Podcast „Gute Deutsche“ hören. Als Tochter griechischer Gastarbeiter musste sie sich schon in jungen Jahren mit Vorurteilen auseinandersetzen. Heute möchte sie mit ihrem Podcast auf die Situationen von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland aufmerksam machen.

Worum geht es in Linda Zervakis’ Podcast „Gute Deutsche“?

Bislang hat das „Spotify Original“ 17 Episoden, in denen sich Linda Zervakis mit den Themen Gleichberechtigung, Diversität und Inklusion auseinandersetzt. Ihr sei bewusst, dass viele ihrer Hörerinnen und Hörer nicht wissen, wie es sich anfühlt, zwischen zwei Stühlen zu stehen – oder besser gesagt zwischen zwei Welten zu leben: Auf der einen Seite die Kultur der eigenen Eltern, auf der anderen Seite die Heimat Deutschland.

Genau aus diesem Grund beschreibt Linda Zervakis eindringlich jene Probleme, mit denen sich viele Menschen mit zwei Nationalitäten hierzulande tagtäglich konfrontiert sehen. In welchen Situationen kommt es vor, dass man auf die Herkunft der Eltern reduziert wird? Und könnte es sein, dass dadurch vielleicht Vorurteile überhaupt erst entstehen? Dies sind nur einige Inhalte, mit denen sich Linda Zervakis in ihrem Podcast „Gute Deutsche“ beschäftigt.

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Der Hintergrund des Podcasts

Egal ob an einem Kiosk in einer Millionenmetropole wie Berlin oder im Restaurant in einer Kleinstadt irgendwo in Deutschland, immer wieder kommt es vor, dass Menschen Linda Zervakis sie nach ihrer Herkunft fragen. Also nach ihrer „eigentlichen Herkunft“. Denn schließlich sehe sie ja anders aus als „normale Deutsche“. Vielen Menschen mit Migrationshintergrund gehen solche Fragen gehörig auf die Nerven, denn sie vermitteln das Gefühl, nicht wirklich dazuzugehören.

Linda Zervakis kennt das. In Deutschland sehen die Menschen sie als „die Griechin“. Im Heimatland ihrer Eltern wird sie von ihrer Familie stattdessen als „Alman“ wahrgenommen. Doch was ist sie denn nun? Deutsche oder Griechin?

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Woher stammt die Idee zum Podcast-Titel „Gute Deutsche“?

Mit dem Namen „Gute Deutsche“ möchte Linda Zervakis provozieren. Für sie selbst sind „Gute Deutsche“ prinzipiell zunächst Menschen, die in Deutschland leben. Doch nicht nur das, darüber hinaus sollten solche „guten“ Menschen auch weltoffen und charakterlich integer sein.

Der Podcast „Gute Deutsche“ soll vor allem Deutsch-Deutsche erreichen, die sich gar nicht bewusst sind, was es bedeutet, einen multinationalen Hintergrund zu haben. Der Podcast soll zum Nachdenken anregen und gleichzeitig das Anderssein sowie die Gemeinsamkeiten feiern, um Stereotypen aufzubrechen.

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Podcast „Gute Deutsche“ – humorvoll und authentisch

In jeder Folge hat Linda Zervakis einen anderen Gast bei sich, um über die Themen Gleichberechtigung, Diversität und Inklusion zu sprechen. Dabei stellt ihr Redakteur Michalis, der ebenfalls griechische Wurzeln hat, zu Beginn jeder Ausgabe den Social Media Account der Gäste der jeweiligen Folge vor. Auf Basis der Posts und Bilder macht er sich einen ersten Eindruck von den Promis. Im Laufe der Folge werden diese Eindrücke dann entweder bestätigt oder widerlegt.

Die Gäste selbst dürfen ihre selbst gewählte „Perle aus der Ferne“ mitbringen. Dabei handelt es sich um einen Gegenstand, den sie mit ihrer Herkunft verbinden. Im Rahmen des Podcasts wird dieser Gegenstand den Zuhörerinnen und Zuhörern dann vorgestellt.

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Zwischendurch wird zur Auflockerung nicht nur Musik eingespielt, sondern auch Fakten zur gemeinsamen Geschichte von Deutschland und dem jeweiligen Herkunftsland vermittelt. Dieser Teil der Sendung entsteht in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut.

Außerdem kommen auch Passanten, die auf der Straße befragt wurden, zu Wort. So können sie im Rahmen des Podcasts ihre Gedanken und Assoziationen zu dem jeweils im Fokus stehenden Land teilen.

Welche Promis waren schon bei Linda Zervakis zu Gast?

In Linda Zervakis’ Podcast kommen Promis zu Wort, die die ehemalige Nachrichtensprecherin selbst interessant findet. So konnten sich Hörerinnen und Hörer beispielsweise über Choreograf und Model Jorge Gonzáles freuen. Im Alter von nur 17 Jahren floh er aus seiner Heimat Kuba in die Slowakei, da er aufgrund seiner Homosexualität um seine Sicherheit fürchtete.

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Auch der „Zeit“-Chefredakteur und Halb-Italiener Giovanni di Lorenzo war bei „Gute Deutsche“ zu Gast. Er selbst musste während seiner Schulzeit in den 1960er Jahren ausländerfeindliche Kommentare über sich ergehen lassen. Auch die Lehrer, so di Lorenzo, seien „Alt-Nazis“ gewesen, „feindselig und bösartig“.

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Daneben waren auch die Moderatorin Salwa Houmsi, Musiker Megaloh und Ex-Fußballprofi Gerald Asamoah im Podcast zu Gast. In den verschiedenen Gesprächen hat Linda Zervakis herausgefunden, dass sich viele der Gäste ihres Podcasts in ihrem Leben besonders anstrengen mussten. Grund dafür waren und sind nicht nur die gesellschaftlichen Umstände, sondern manches Mal auch Eltern, die wollten, dass ihre Kinder mehr geben als die deutschen Kinder, um ja nicht negativ aufzufallen.

Alles nur geklaut? Linda Zervakis’ Podcast in der Kritik

Linda Zervakis sah sich auch Kritik für ihren Podcast ausgesetzt. So wurde schnell der Vorwurf laut, „Gute Deutsche“ kopiere das Konzept von Frank Joungs Podcast „Halbe Katoffl“. Auch in der Sendung des Berliner Journalisten geht um das Leben als Deutscher mit ethnisch diversem Hintergrund, und ebenso wie bei „Gute Deutsche“ werden dazu passende Gäste als Gesprächspartner eingeladen. 2018 wurde der Podcast für einen Grimme Online Award nominiert.

Allerdings kommen bei „Halbe Katoffl“ Unbekannte zu Wort, während bei „Gute Deutsche“ Promis im Fokus stehen.

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Die „taz“ wiederum störte sich in ihrer kritischen Besprechung am Wording und dem unkreativen Ansatz von „Gute Deutsche“. Die Sendung vermittle lediglich „migrantisch light“. Wenigstens moderiere Zervakis souverän und sympathisch – so wie man sie aus ihrer Zeit bei der „Tagesschau“ kennt.