Nach Kontroverse um Gil Ofarim: Jüdischer Zentralrat erhält vermehrt Hassbotschaften

Sebastian GrünbergerSebastian Grünberger | 25.10.2021, 20:13 Uhr

IMAGO / Future Image / C. Niehaus

Die Antisemitismus-Kontroverse um Gil Ofarim und ein Leipziger Hotel trägt merklich zu einer Verschärfung des sozialen Klimas bei.

Dass der Streitfall um Gil Ofarim (39) und ein Hotel, dem der Musiker mit jüdischen Wurzeln Antisemitismus vorwirft, die Gemüter erhitzt, ist bekannt. Wie groß (und negativ) der Effekt aber wirklich ist, erklärte nun der Präsident des Zentralrats der Juden.

Das Statement des Zentralrats der Juden

Gegenüber der „Bild am Sonntag“ berichtete der Präsident des Zentralrats des Juden, Dr. Josef Schuster (67), von einer Flut an Hassbotschaften, die die jüdische Gemeinde erhalte. „In den vergangenen Tagen ist eine Vielzahl an Hassnachrichten und antisemitischen Kommentaren über uns hereingebrochen. Die Skepsis, die von vielen Seiten an dem aktuellen Fall geäußert wird, darf nicht zu einem Mehr an Antisemitismus führen“, so Schuster.

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Aufruf zu Zivilcourage

„Menschen, die von Antisemitismus betroffen sind, dürfen nicht das Gefühl bekommen, dass sie die Vorfälle nicht melden können und allein gelassen werden“, appelliert Schuster weiter.

Sowohl die Politik als auch die Gesellschaft müssen weiterhin Zivilcourage zeigen und sich auf die Seite der Betroffenen stellen.

Der Fall Gil Ofarim

Ofarim hatte einem Hotelmitarbeiter Anfang Oktober vorgeworfen, ihn aufgrund seiner Davidsternkette nicht drangenommen und verbal attackiert zu haben. Der betreffende Mitarbeiter wurde vorübergehend suspendiert und von Ofarim verklagt, reichte aber selbst Klage gegen den Musiker wegen Verleumdung ein.  Wenig später kamen allerdings Zweifel an Ofarims Version der Geschehnisse auf — Zweifel, die gestärkt wurden, als Überwachungsvideos von diesem Abend den Sänger ohne sichtbar getragene Kette zeigten. Dieser änderte einige Details der Geschichte zwar ab (unter anderem erklärte er später, es sei nicht der Hotelmitarbeiter, sondern ein Hotelgast gewesen, der ihn wegen seiner Kette ansprach).

Ofarim beharrte aber darauf, die Kette getragen zu haben — und das Opfer, nicht der Täter zu sein. Eine vom Hotel in Auftrag gegebene Untersuchung kam zum Ergebnis, dass kein Fehlverhalten des Mitarbeiters vorlag. Mittlerweile wurde seine Suspendierung wieder aufgehoben, Ofarim steht indes im Kreuzfeuer der Kritik. (Redaktion KuT)

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