„TV Total“ hat Pufpaff: Doch was macht eigentlich Stefan Raab heute?

Redaktion KuTRedaktion KuT | 01.12.2021, 18:28 Uhr

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16 Jahre lang war Stefan Raab mit „TV Total“ das Aushängeschild seines Heimatsenders ProSieben. 2015 folgte dann der tränenreiche Abschied vom Bildschirm. Doch was treibt Stefan Raab heute eigentlich?

Bei „TV Total“ gaben sich die Stars die Klinke in die Hand. Immer wieder bescherten Raab’sche Showevents wie die „Wok-WM“ ProSieben Quotenerfolge, auch wenn die Quoten von „TV Total“ selbst über die Jahre abnahmen. Jetzt ist die Show zurück, aber ohne Stefan Raab (55). Oder doch nicht?

Die Rückkehr von „TV Total“

Als ProSieben ankündigte, „TV Total“ wiederbeleben zu wollen, war die Freude kurz sehr groß, dann setzte bei vielen die Ernüchterung ein: „TV Total“? Ja. Stefan Raab? Nein.

Aber so ganz stimmt das auch nicht. Raab hält hinter der Kamera weiter fest die Zügel in der Hand. Nur selbst moderieren möchte er nicht mehr. Das übernimmt nun Kabarettist Sebastian Pufpaff (45). Raab hält also an seinem Vorsatz, ab 50 nicht mehr vor die Kamera zu treten, fest.

Doch die Neuauflage trägt, obgleich die TV-Legende nicht selbst moderiert, klar Raabs Handschrift. So sind die Gags sind brachial und albern, testen nicht selten die Grenzen des guten Geschmacks aus. Auch am Studiosetting – bis hin zur Showband, den „Heavytones“ – hat sich kaum etwas geändert.

Die Fans jedoch sind gespalten in zwei Lager. Viele bescheinigen Pufpaff in den sozialen Medien wie Twitter und Facebook, er sei unlustig und könne Raab nicht das Wasser reichen. Andere sind positiv überrascht und erinnern daran, dass die letzten Jahre mit Raab auch nicht mehr so das Wahre gewesen sind. Die Meinungen zur Moderation sind also so unterschiedlich wie die beiden Typen selbst.

Aber was hat Raab zwischenzeitlich überhaupt so getrieben?

Das große Bühnen-Comeback mit „Stefan Raab live!“

Nachdem Stefan Raab 2011 erst seinem heißgeliebten Eurovision Song Contest abgeschworen hatte und dann 2015 in Moderatoren-Rente gegangen war, wurde es tatsächlich zunächst still um den Entertainer.

Nach einigen Jahren der öffentlichen Funkstille bestritt Raab dann im Oktober 2018 sein zwischenzeitliches Bühnen-Comeback mit „Stefan Raab live!“ in der Kölner Lanxess Arena. Mit dabei waren zahlreiche prominente Gäste und einstige Weggefährten: Musiklegende Herbert Grönemeyer (65), Stefans persönlicher Lieblingsclown Helge Schneider (66), seine einstigen Schützlinge Max Mutzke und Stefanie Heinzmann (32), die Comedians Carolin Kebekus (41), Teddy Teclebrhan (38) und Luke Mockridge (32), Rapper Sido (40) und Die Toten Hosen.

14.000 Zuschauer verfolgten das Spektakel vor Ort – und bekamen das, wofür sie mehrheitlich gekommen waren, nämlich ein nostalgisches Comedy-Event mit den bekannten Gags in typischer Raab-Manier. Raab feiere lediglich seine Vergangenheit, hieß es von Kritikerseite, beginnend mit der „TV Total“-Titelmelodie, zu der der Gastgeber Einzug hielt. Auch der Rest war, so die „Welt“, eine reine „musikalische Revue, ein Best-of-Konzert mit manchmal albernen Einlagen und Sprüchen, zwischendurch auch eine kleine Reise in die Vergangenheit.“ Zum krönenden Abschluss spielte seine Band gar noch „Ich liebe Deutscheland“  – die „Raab’sche Nationalhymne“ („Stern“) also.

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Raabs ESC-Ersatz: „Free European Song Contest“

Als zwei Jahre später, 2020, dann der klassische Eurovision Song Contest corona-bedingt ausfiel, schlug die Stunde des ESC-Fans Raab. Mit dem Free European Song Contest rief er ein Ersatz-Programm ins Leben. Dabei repräsentierten bekannte deutschsprachige Musiker mit einem Song ein europäisches Land, zu dem sie einen persönlichen Bezug haben. Den Sieger bestimmten die Zuschauer, wie beim Original-Wettbewerb, per Anruf oder SMS.

Es blieb keine einmalige Sache, auch im Mai 2021 fand der Free European Song Contest wieder statt. Nachdem beim Premieren-Event Nico Santos mit „Like I Love You“ gewonnen hatte, siegte 2021 Rea Garvey mit dem Song „The One“. Auch 2022 soll der Free European Song Contest wieder ausgetragen werden.

Moderatoren waren in den Vorjahren Conchita Wurst bzw. Steven Gätjen – Raab selbst produzierte lediglich, eine Rolle, auf die der Tausendsassa sich in den Jahren seit seinem TV-Aus fast vollständig zurückgezogen hatte.

 

Als der ESC 2020 ausfiel, sorgte Stefan Raab kurzerhand für Ersatz

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Showproduktionen „made by Raab“

Seinen kreativen Output immerhin hat Stefan Raab keineswegs zurückgefahren, seit er in Moderatoren-Rente gegangen ist, auch wenn er nur noch im Hintergrund die Strippen zieht.

Als 2018 die Banijay Group die Produktionsfirma Brainpool aufkaufte, verkaufte auch Stefan Raab seine 12,5 % der Anteile. Dafür hält Raab aber seither auch 10 % der Unternehmensanteile der Banijay Germany GmbH. Brainpool und Raabs eigene Produktionsfirma Raab TV sind Tochterfirmen der Banijay Group.

Mit eben diesen Produktionsfirmen wurden und werden zahlreiche Formate in Deutschland produziert, einige davon quasi durch Raab als Produzent und zumeist Mitschöpfer.

Zum einen wären da die Nachfolgeformate von Raabs einstigen Shows: Allen voran sind das „Schlag den Henssler“, „Schlag den Besten“ und „Schlag den Star“, die alle auf dem Konzept von „Schlag den Raab“ basieren, das als „Beat your Host“ auch ins Ausland verkauft wurde.

Weitere Showformate, bei denen Raab seit seinem Weggang von der Arbeit vor der Kamera im Hintergrund die Fäden zieht und zog, wären: „Das Ding des Jahres“, die „Headis Team-WM“ und „FameMaker“. Ferner produzierte er zwei Shows mit Teddy Teclebrhan: „1:30“ und „Teddy gönnt dir“.

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Das Erbe von „TV Total“

Was jedermann aber wirklich von Raab wollte, war die Rückkehr von „TV total“. Zunächst erarbeitete er mit RTL interactive ein Konzept für eine Late-Night-Show, die er selbst als Nachfolger der Kultshow „TV Total“ anpries: „Täglich frisch geröstet“. Die startete im November 2020 beim Streamingdienst TVNOW, war aber kein wirklicher Erfolg.

So kam es dann, wie es kommen musste: Das echte „TV total“ kehrte zurück, und auch wenn jetzt Sebastian Pufpaff vorne die Witzchen reißt, steht hinter den Kulissen weiter Stefan Raab und produziert die Neuauflage seines erfolgreichsten geistigen Kindes.

„TV total“ ohne Raab vor der Kamera? Funktioniert besser, als man dachte

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Wer ist eigentlich dieser Stefan Raab?

Und: Wer ist eigentlich dieser Stefan Raab? „Ein Entertainer, der sein großes Nussknackermaul immer viel zu voll nimmt“, werden die Hater sagen. „Eine Art Gott des deutschen Fernsehens“, werden die Fans sagen. Was wir meinen, ist aber: Wer ist der Mensch hinter dem Fernsehclown? Raab hat sein Privatleben stets, so gut es eben ging, aus der Öffentlichkeit herausgehalten. In Interviews reagiert er auf Fragen zu seiner Familie ausweichend.

Was trieb TV-Legende Stefan Raab privat in den letzten Jahren?

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Raabs Anfänge

Einige Fakten aus Raabs Vita sind allgemein bekannt. So ziemlich jeder weiß von seiner Metzgerlehre. Auch seine enge Verbundenheit zu seiner Heimatstadt Köln ist kein Geheimnis. Schon etwas weniger Leute dürften wissen, dass er seine Metzgerlehre im Betrieb seines Vaters Konrad machte und mit der Bewertung „sehr gut“ in der Gesellenprüfung abschloss, womit er im Jahrgang 1990 Bezirksbester der Handwerkskammer Köln war.

Stefan Raab hat aber nach dem Grundwehrdienst bei der Flugbereitschaft BMVg in der Luftwaffenkaserne Wahn auch studiert: fünf Semester Jura in Bielefeld. Abgeschlossen hat er das Studium nicht. Eines hat er sich, nachdem er, als er in der 6. Klasse war, von seinem Vater ein Schlagzeug geschenkt bekommen hat, selbst beigebracht: das Spielen verschiedener Instrumente.

Die Musik wurde ab 1990 mit dem Erstellen von Werbejingles auch sein täglich Brot. Sie waren aber auch das Karrieresprungbrett für seine Moderatorentätigkeit bei Viva.

Stefan Raab startete einst bei Viva durch

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Stefan ganz privat

Stefan Raab lebt heute nach wie vor in Köln. Seit 2008 ist er mit seiner Frau Nike verheiratet. Zugegeben, es entbehrt nicht einer gewissen Komik, dass die Frau des Mannes, der verbissen wie kein zweiter im deutschen Fernsehen stets nach dem Sieg strebte, eine Frau geheiratet hat, die Nike heißt. Schließlich ist „Nike“ ist das altgriechische Wort für „Sieg“ und der Name der griechischen Siegesgöttin.

Das Paar hat zwei Töchter, 17 (Fiona) und 15 Jahre alt. Der Name der jüngeren Tochter ist ebenso wenig bekannt wie das Alter von Nike Raab. Die Familie hat zwei Hunde. Auch deren Namen kennt die Öffentlichkeit nicht, wau.

2021 starb Raabs Vater Konrad. Von diesem Schicksalsschlag abgesehen könnte Raab, der angeblich über ein geschätztes Privatvermögen von 110 Millionen Euro verfügt, eigentlich den Ruhestand genießen. Doch die Füße stillhalten konnte der Entertainer noch nie. Allein mit dem „TV Total“-Comeback dürfte er mittlerweile wieder gut beschäftigt sein.