Ulla Kock am Brink: Warum sie mit ihrem TV-Comeback ein Zeichen setzt

Josephine SchirmannJosephine Schirmann | 26.02.2022, 21:30 Uhr

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Lange war es ruhig um Ulla Kock am Brink, die als Moderatorin in den 1990er Jahren große Erfolge feierte. Die inzwischen 60-jährige sieht Frauen der Babyboom-Generation in der Unterhaltungsbranche im TV so gut wie nicht vertreten – und will das ändern.

Scheinbar können Männer im deutschen Unterhaltungsfernsehen munter vor sich hinaltern, Frauen werden dagegen irgendwann aussortiert. Langsam dreht sich der Wind aber, denn immer mehr Frauen ab 40 sollen das Publikum durch große Abendshows führen. Jüngstes Beispiel ist Ulla Kock am Brink, die mit der „100.000 Mark Show“ nun ihr Comeback hat.

„In Deutschland gibt es dieses seltsame Phänomen, dass gestandene Frauen ab 50 offensichtlich nur als Moderatorinnen von Talkshows akzeptiert werden. Alles ist auf jung und gleichförmig ausgelegt.“, sagte sie in einem Interview mit der „Bild“-Zeitung.

Gerade sie selbst oder Linda de Mol (57) hätten den Verantwortlichen aber gezeigt, dass Frauen hier nicht zurückstehen müssen.

Die Moderatorin Ulla Kock am Brink in der Kulisse der 100.000 Mark Show, eine Spielshow bei RTL die von 1993 bis 2000 gesendet wurde

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In anderen Ländern gibt es keine solchen Altersgrenze

In anderen europäischen Ländern ist es gang und gäbe, dass Frauen im gesetzteren Alter „wie selbstverständlich Quizformate und Unterhaltungsshows moderieren“, stellt Ulla Kock am Brink fest. „Ich glaube fest daran, dass meine Generation – gut im Futter, finanz- und kaufstark – im Fernsehen abgebildet sein muss.“

So hat etwa Michelle Hunziker (45) im italienischen Fernsehen mit „Michelle Impossible“ kürzlich eine eigene TV-Show bekommen, in der sie nicht nur moderiert, sondern auch an Gesangs- oder Tanzprüfungen teilnimmt. In Deutschland tritt das Multitalent vor allem als Co-Moderatorin in Erscheinung.

Ulla Kock am Brink will Authentizität: Egal, ob „dick, dünn, alt, jung, hässlich“

Männliche Moderatoren ab 40, 50 sind im deutschen Unterhaltungsfernsehen dagegen kein Problem, das zeigen Günther Jauch (65), Jörg Pilawa (56), Kai Pflaume (54) oder Daniel Hartwich (43). Frauen sollen indessen eher für Glitter und Glamour sorgen.

Für Ulla Kock am Brink ist dieser Zustand ein absolutes No-Go: „Deshalb plädiere ich dafür, dass man diese Schranken – dick, dünn, alt, jung, hässlich – endlich fallen lässt. Das deutsche Fernsehen besetzt am Zuschauer vorbei, der will diese Püppchen doch gar nicht sehen“.

Bei Retro-Sendungen kann die ganze Familie zusammenkommen

Im Zuge des aktuellen Retro-Trends im Fernsehen feiern Thomas Gottschalk (71) mit „Wetten, dass..?“, Jörg Draeger (76) mit „Geh aufs Ganze!“ oder Sebastian Pufpaff (45) mit „TV Total“ beachtliche Erfolge. Gefragt sind Sendungen für die ganze Familie.

Nun rücken aber Frauen wie Barbara Schöneberger (47) nach, welche „Verstehen Sie Spaß?“ von Guido Cantz (50) übernimmt. Nach längerer Pause bekommt Birgit Schrowange (63) neben „Birgits starke Frauen“ zwei weitere Formate.

Wer kennt noch den Geldkoffer und den heißen Draht?

Ulla Kock am Brink ist wie geschaffen dafür, den Frauen ihrer Generation im Fernsehen eine Stimme zu geben – und zu unterhalten. Sie hat Lebenserfahrung, kennt die Höhen und Tiefen der Branche und spricht sich auf ihrem Youtube-Kanal „Da geht noch was“ für Selbstliebe aus.

Die Rückkehr „100.000 Mark Show“ könnte erneut ein Quotenhit werden. Wir fiebern auf jeden Fall mit, wenn die Frau mit dem Geldkoffer die Bühne betritt und es beim heißen Draht wieder zum Showdown um hohe Summen kommt. Egal, ob D-Mark oder Euro.