„Squid Game“: Daher stammt die Idee zu dem Netflix-Hit

Tony PolandTony Poland | 26.10.2021, 21:29 Uhr
Idee zu„Squid Game“ stammt aus Leben seines Schöpfers
Idee zu„Squid Game“ stammt aus Leben seines Schöpfers

Foto: IMAGO / ZUMA Wire

Seit Wochen ist der südkoreanische Netflix-Hit „Squid Game“ in aller Munde. Der Thriller um Leben und Tod bescherte dem Streamingriesen als erfolgreichste Serie überhaupt gigantische Einnahmen. Teile der Story hat Regisseur Hwang Dong-hyuk übrigens aus seiner eigenen Vergangenheit.

Das Konzept von „Squid Game“ ist schnell erklärt. Hoch verschuldete Menschen treten in tödlichen Kinderspielen gegeneinander an. Und der Gewinner streicht ein Preisgeld von umgerechnet 33 Millionen Euro ein.

So reich ist Drehbuchautor und Regisseur Hwang Dong-hyuk (50) zwar nicht, aber zum Leben reichte es – bislang. Das war bei dem Südkoreaner nicht immer so. Dong-hyuk hat harte Zeiten durchlebt. Einige Erfahrungen haben den Weg in sein mit Easter Eggs gespicktes Meisterwerk gefunden.

Eigene Erfahrungen in „Squid Game“ verarbeitet

Los ging alles 2009 nach der weltweiten Finanzkrise. Besonders Südkorea war davon damals hart getroffen. „Ich war finanziell sehr angespannt, weil meine Mutter von der Firma, für die sie arbeitete, in den Ruhestand ging. Es gab einen Film, an dem ich arbeitete, aber wir bekamen keine Finanzierung. So konnte ich etwa ein Jahr lang nicht arbeiten. Wir mussten Kredite aufnehmen – meine Mutter, ich und meine Großmutter,“ erzählt der Erfolgsautor im Interview mit „The Guardian“.

Parallelen zur „Squid Game“ sind durchaus zu erkennen. Serienheld Seong Gi-hun wohnt bei seiner hart arbeitenden Mutter, beide kommen gerade so über die Runden. Außerdem ist er pleite und verliert seine wenige Kohle beim Pferdewetten. Zudem ist Gi-hun hoch verschuldet. Sein einziger Ausweg? Die Spiele um Leben und Tod – und um viel Geld.

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Was würdest du tun?

Die damalige Zeit war schwer für Hwang Dong-hyuk. Viel Trost gab es nicht, Ablenkung fand er in den Comic-Cafés von Seoul.  „Ich las „Battle Royal“ und „Liar Game“ und andere Überlebensspiel-Comics. Ich fühlte mit den Menschen darin mit, die verzweifelt nach Geld und Erfolg strebten. Das war ein Tiefpunkt in meinem Leben,“ gestand er.

Der Hit-Macher ertappte sich dabei, wie er sich eine alles entscheidende Frage stellte. „Wenn es so ein Überlebensspiel in der Realität gäbe: Ob ich dann mitmachen würde, um Geld für meine Familie zu verdienen? Mir wurde klar, dass ich als Filmemacher dieser Art von Geschichten meinen eigenen Stempel aufdrücken konnte.“ Und schon war der Anfang des Storyboards für „Squid Game“ gefunden.

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Held Seong Gi-Hun kämpft um Leben und Tod

Foto: IMAGO / ZUMA Wire

Kritik am modernen Kapitalismus

Die Phase während des Schreibens und der Regiearbeit kostete Don-hyuk viele Nerven, durch den Stress verlor er sechs Zähne. „Es war körperlich, geistig und emotional anstrengend. Ich hatte ständig neue Ideen und überarbeitete die Episoden während der Dreharbeiten, so dass sich die Arbeit vervielfachte.“

Besonders die vielen Gewalttaten, ständig werden Teilnehmer:innen erschossen, schrecken auf. Das Leben eines Einzelnen scheint nichts wert. Soziale Normen werden außer Kraft gesetzt, das menschliche Leben erscheint böse, kalt und kurz. Hätte es hier nicht auch eine sanftere Lösung gegeben?

„Ich habe versucht, eine Botschaft über den modernen Kapitalismus zu vermitteln. Wir kämpfen unter sehr ungleichen Bedingungen um unser Leben. Ich wollte etwas schaffen, das nicht nur für die koreanische Bevölkerung, sondern für die ganze Welt interessant ist. Wir leben in einer Squid-Game-Welt“, erklärte der Erfolgsschöpfer seinen Ansatz. Wohlwissend, dass nicht jeder für Geld und materielle Dinge über Leichen geht.

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„Squid Game“ ist auf Netflix die erfolgreichste Serie überhaupt!

Foto: IMAGO / ZUMA Wire

Wann kommt Staffel zwei?

Logisch, dass alle Welt fieberhaft auf einen Nachfolger wartet. Die Spekulationen, wie eine zweite Staffel aussehen könnte, schießen längst ins Kraut. Immerhin bietet das Ende von Staffel eins auch genug Potential für einen Nachfolger. Sicher ist aber noch nichts.

„Natürlich gibt es Gerüchte. Ich habe ein sehr ausgefeiltes Bild im Kopf, aber ich werde nicht sofort daran arbeiten. Denn zunächst will Dong-hyuk noch einen Film drehen. Das Schlusswort zu einem hoffentlich baldigen Teil zwei macht aber Hoffnung. „Ich ziehe es in Betracht. Ich werde mit Netflix sprechen. Hoffentlich werden sich beide Seiten am Ende einig. (TP)