Erstes StatementNach „Winnetou“-Debatte: Wird „Cowboy und Indianer“ von Schlagerstar Olaf Henning nun auch verboten?

Olaf Henning auf der Bühne
Olaf Henning äussert sich zur Rassismus-Debatte.

IMAGO / Revierfoto

Tim GriemensTim Griemens | 26.08.2022, 19:36 Uhr

Nachdem der Ravenburger Verlag die Kultfigur Winnetou aus seinem Sortiment verbannt hat, fürchten viele um den Schlagersong „Cowboy und Indianer“ von Olaf Henning. Wird auch dieser bald verboten werden?

Vor wenigen Tagen wurde in Deutschland wieder eine Rassismus-Debatte losgetreten. Im Mittelpunkt steht diesmal das Kinderbuch „Der junge Häuptling Winnetou“, das der Ravensburger Verlag kurzerhand aus seinem Sortiment gekickt hat. Für viele Menschen ist das unverständlich, da das Buch für sie ein fundamentaler Bestandteil ihrer Kindheit und der deutschen Kultur ist.

Doch indigene Gruppen sehen das Wort „Indianer“ als rassistisch an – und so könnte es nun auch dem Schlagerhit „Cowboy und Indianer“ von Olaf Henning an den Kragen gehen.

Ist „Indianer“ rassistisch?

Für viele zählt das Wort „Indianer“ zum allgemeinen Sprachgebrauch, über das Wort selbst haben viele sicherlich noch nicht viel nachgedacht. Doch tatsächlich sehen viele den Begriff als rassistisch an. Somit hat der Ravensburger Verlag das Buch „Der junge Häuptling Winnetou“ vom Markt genommen, und auch die Sängerin Isabel Varell sorgte bei „Immer wieder sonntags“ beinahe für eine ausgewachsene Rassismus-Diskussion. Bei einem Spiel wollte sie den Begriff „Indianer“ nicht verwenden, worauf sie böse Blicke von Stefan Mross erntete.

Tatsächlich steckt hinter den Rassismusvorwürfen bezogen auf den Begriff „Indianer“ sehr viel Geschichte. „Indianer“ ist nämlich eine Sammelbezeichnung für die indigenen Völker Amerikas, die durch Christopher Columbus geprägt wurde. Dieser wollte eigentlich nach Indien, landete jedoch in Amerika. Somit ist diese Bezeichnung nicht nur fehlerhaft, sondern auch mit Vorurteilen behaftet, da Christoph Kolumbus und seine Kameraden die indigenen Völker als barbarisch, wild und unzivilisiert ansagen.

Mehr zum Winnetou-Skandal gibt es hier!

Dementsprechend wurden sie gejagt, verskalvt und ermordet, und sind auch heute noch von Ausgrenzung Ungerechtigkeit und Klischees betroffen. Die Nachfahren der Ureinwohner Amerikas lehnen den Begriff Indianer entschieden ab und setzen sich dafür ein, dass auf die rassistische Bedeutung des Wortes aufmerksam gemacht wird.


„Winnetou“ von Ravensburger Verlag verbannt

Besonders in den letzten Jahren und in Korrelation zur „Black Lives Matter“-Bewegung wurde auf den „Indianer“-Bergiff immer wieder aufmerksam gemacht. Umso überraschender war es für viele, als plötzlich eine Neuverfilmung von „Der kleine Häuptling Winnetou“ angekündigt wurde. Der Trailer strotzt nur so vor Stereotypen und rassistischen Elementen – und hat dementsprechend mit harter Kritik zu kämpfen.

Mehr zu den Vorwürfen gibt es hier!

Aus diesem Grund hat auch der Ravensburger Verlag das Buch zum Film vom Markt genommen, um auf diese Rassismusvorwürfe zu reagieren. In ihrem Statement hieß es: „Die Entscheidung, die Titel zu veröffentlichen, würden wir heute nicht mehr so treffen. Wir haben zum damaligen Zeitpunkt einen Fehler gemacht und wir können euch versichern: Wir lernen daraus!“

Auch ARD wirft Winnetou raus

Doch nicht nur der Ravensburger Verlag hat sich gegen Winnetou entschieden – auch bei den öffentlich-rechtlichen ist der Indianer jetzt erst mal weg vom Fenster. Die ARD hat zum Beispiel verkündet, dass sie für die Zukunft keine Lizenz-Käufe für Winnetou mehr planen und dass sich einige Journalisten bei ihnen bereits gegen die Verwendung des Wortes stellen.

Der BR hingegen möchte weiterhin „besondere Filmklassiker“ zeigen. „Im Einzelfall wird bei allen Filmen stets geprüft, ob der jeweilige Film in unser Programm passt“, so eine BR-Sprecherin.

Wie sieht’s mit „Cowboy und Indianer“ von Olaf Henning aus?

Eine ziemlich angespannte Diskussion, die da aktuell geführt wird. Die beiden Seiten, die den Begriff „Indianer“ entweder rassistisch oder nicht rassistisch finden, scheinen sich regelrecht im Netz zu zerfetzen – und so könnte auch der Schlagersong „Cowboy und Indianer“ von Olaf Henning bald dran glauben müssen. Darf man den Song noch spielen, wenn der Begriff „Indianer“ so emotional aufgeladen und rassistisch ist?

Der Schlagerstar selbst nimmt die ganze Debatte jedoch mit Humor und will, dass seine Fans nach dem Motto „jetzt erst recht“ den Song umso mehr hören und singen. Wenn es nach ihm geht, kann der Song gerne verboten werden – schließlich hätte das ja auch sehr gut mit dem Ballermann -Hit „Layla“ funktioniert. Dieser wurde vor wenigen Wochen stark kritisiert und sogar in einigen Bundesländern verboten, da er frauenfeindliche und unsägliche Themen behandelt. Für den Song war diese Diskussion eine kostenlose Marketingkampagne, die ihn zum Sommerhit 2022 befördert3.

Olaf Henning sieht also kein Problem mit dem Wort „Indianer“ und meint: „Wer mit Karl May und Winnetou aufgewachsen ist, sollte das Wort ‚Indianer‘ so oft er will, in den Mund nehmen.“

Mit dieser Meinung steht er aber immer öfter alleine da.