Boxer Tom Schwarz bricht Ex-Freundin den Kiefer: Mehr zum skandalösen Richterurteil

Sebastian GrünbergerSebastian Grünberger | 12.11.2021, 13:00 Uhr

IMAGO / Christian Schroedter

Was kostet es, als Profi-Boxer seiner Ex-Freundin den Kiefer zu brechen? Offensichtlich 2.500 Euro und einen gutgemeinten Ratschlag des Richters — das konnte man beim Prozess gegen Boxer Tom Schwarz miterleben.

Es ist ein Gerichtsurteil, das in einem Rechtsstaat wie Deutschland im Jahr 2021 geradezu surreal wirkt — aber nicht nur das Urteil, sondern auch die Argumentation des Richters machen einen stutzig. Am 9. November 2021 stand Profi-Boxer Tom Schwarz (27) vor dem Amtsgericht Burg. Der Grund: Er hatte seiner Ex-Freundin Tessa S. 2020 bei einem Streit den Unterkiefer mehrfach gebrochen.

Darüber, wie es zu dem Streit kam, gibt es Unstimmigkeiten — fest steht, dass es zu einer Eifersuchtsszene zwischen seiner Ex-Freundin und seiner damaligen Verlobten (und heutigen Ehefrau) und zu einem daraus resultierenden Streit mit dem Sportler und seiner Ex gekommen war. Das Urteil: Das Verfahren wird gegen eine Summe von 2.500 Euro vorerst eingestellt.

Das sagt der zuständige Strafrichter

Es ist nicht so, dass eine derartige Gewalttat gegenüber Frauen und ein derartig mildes Urteil nicht schon schockierend genug wären  — so richtig erschreckend wird es erst beim Schuldspruch von Strafrichter Winfried Leopold. Der sah die Schuld nämlich nicht nur beim Täter, sondern auch beim Opfer. „Es lag ein Fehlverhalten auf beiden Seiten vor. Er ist eben der Meister der fliegenden Fäuste und nicht der Meister des gesprochenen Wortes“, urteilte er.

Der wahre Eklat aber war, als Richter Leopold argumentierte, dass Schwarz anders zuschlagen hätte müssen. „Der Schlag hätte anders ausgeführt werden können und müssen und als Profiboxer muss man in der Lage sein, das dosieren zu können.“ Dann folgte auch eine Täter-Opfer-Umkehr: Auch seine Ex-Freundin habe sich „nicht mit Ruhm bekleckert“.

IMAGO / Christian Schroedter

Boxer Tom Schwarz: „Bis aufs Blut gereizt worden“

Auf eine Anfrage des Hamburger Magazins „Der Spiegel“ reagierte der Pressesprecher des Gerichts, Richter Michael Steenbuck vom Landgericht Stendal, ähnlich. Schwarz sei von seiner Ex-Partnerin „bis aufs Blut gereizt worden“. Und auch wenn manche Formulierungen des Gerichts vielleicht etwas unglücklich formuliert wären — das räumte Steenbuck zumindest ein – so habe beim Fall ja keine gefährliche Körperverletzung vorlegen, schließlich sei das Opfer nicht bewusstlos am Boden gelegen und es habe keine Lebensgefahr bestanden!

Außerdem habe Schwarz dadurch berufliche Nachteile erlitten — der Sportler wurde von seinem Boxstall SES suspendiert.

Schockierte Reaktionen

Eine Ex-Partnerin des Boxers, Sängerin Annemarie Eilfeld, erklärte gegenüber der „Bild-Zeitung“: „Diese Entscheidung ist eine Schande. 2500 Euro für einmal Gesicht zertrümmern. Sie hat so viele Schmerzen erlitten. Und er bekommt nichts mehr als einen Klapps auf die Finger“. Eilfeld selbst habe seinen Hang zur Gewalt am eigenen Leib erfahren müssen: „Ich habe teilweise meine blauen Flecken mit Jeansjacken bei Musik-Videodrehs versteckt. Als ich jetzt im Prozess saß, dachte ich mir die ganze Zeit, na das hättest du sein können, irgendwann.“?  Auch auf Twitter zeigt man sich schockiert.