Rammstein: Ist die martialische Sinfonie „Zeit“ eine Anspielung auf Putins Krieg?

Redaktion KuTRedaktion KuT | 11.03.2022, 12:30 Uhr
Rammstein Screenshot aus dem Video "Zeit"
Rammstein Screenshot aus dem Video "Zeit"

Screenshot aus dem Video Zeit/Rammstein

Liefern Rammstein mit ihrem Video zu „Zeit“ ein Statement zu Russlands Angriffskrieg in der Ukraine ab? Wir werfen einen Blick auf einige aufschlussreiche Szenen.

Mit „Zeit“ veröffentlichten Rammstein soeben die erste Single ihres kommenden, gleichnamigen Albums. Wer einen stampfenden Rockkracher á la „Deutschland“ erwartet hat, wurde überrascht.

„Zeit“ ist ein melancholisches, schleppendes Kleinod, dass sich zu Klavier- und Streicherklängen mit dem Thema Vergänglichkeit und Tod beschäftigt, um mehr Lebenszeit fleht — ehe langsam aber sicher die E-Gitarren von Richard Kruspe (54) und Paul Landers (57) ins Spiel kommen und sich das Stück zu einer martialischen Sinfonie aufbäumt.

Rammstein: Neues Album „Zeit“ erscheint Ende April

Da bei Rammstein auch der visuelle Aspekt stets im Zentrum steht, ist das Musikvideo wenig überraschend ein absolutes Spektakel geworden. Opulent, cineastisch und vor allem: extrem beklemmend. An vielen Strecken scheint es so, als spielten Rammstein ganz konkret auf Putins Krieg in der Ukraine an. Ist „Zeit“ also ein Statement zur Invasion des Kreml-Tyrannen und Kriegsverbrechers?

Rammstein: Spektakuläre Aufnahmen

Den Beginn von Zeit machen spektakuläre Unterwasseraufnahmen, in denen man die weltbekannte Berliner Band als Wasserleichen dahintreiben sieht. Die Zeit läuft in die andere Richtung, die Männer werden im Rückwärtsgang aus den Wellen in ein hölzernes Ruderboot, zurück ins Leben getrieben — ehe sie einer mystisch-gespenstischen Gestalt, nämlich der personifizierten Zeit gegenüber stehen.

Eine Szene, die man eben als Metapher auf die Vergänglichkeit und das Flehen nach mehr Lebenszeit verstehen kann. Dann folgen jedoch beklemmende Bilder, die eindeutig als Bestandsaufnahme der Jetztzeit gelesen werden können.

Man sieht Till Lindemann (59) mit Gewehr, seine Kleidung erinnert an jene des Zweiten Weltkriegs. Es folgt eine Kriegszene im Wald. Soldaten kämpfen gegen Zivilisten „Zukunft kann man nicht beschwören“, singt Lindemann — dann werden aus den Soldaten und den Zivilisten (oder Partisanen) Kinder. Eine Gruppe Kinder steht mit Baumästen als Gewehre einer Gruppe von bewaffneten, gleichaltrigen Soldaten in Uniform gegenüber.

Man sieht eine Babypuppe, die von der mystischen Gestalt der Zeit an sich gerissen wird. Man sieht schreiende Mütter, wie sie Kinder gebären. Es ist wie ein eindeutiger Verweis auf die Ukraine, dem Tod von unschuldigen Kindern, dem russischen Bombardment einer Kinderklinik — und auch ganz besonders dem Einsatz von gerade mal volljährigen Soldaten (auf beiden Seiten).




Der Tod im Kornfeld

Anschließend sehen wir Rammstein als Bauern in einem Kornfeld — auch hier kann man wieder den Querverweis auf die Ukraine, die Kornkammer Europas sehen. Auch hier nimmt die Zeit wieder ein Kind an sich, Bassist Oliver Riedel (50)zu  hält weinend ihren Körper in den Händen.

Furioses neues Video – und alles über das neue Rammstein-Album „Zeit“!

Natürlich: Dass sich das aufwändig produzierte Video auf die Ereignisse der letzten zwei Wochen bezieht, ist gar nicht möglich — schließlich dauert die Produktion eines solchen Musikfilms Monate. Dennoch passt Rammsteins neue Single bedrückend gut in diese schreckliche Phase.

Rammsteins Statement zum Ukraine-Krieg

Wie Rammstein selbst zum Ukraine-Krieg stehen, haben sie am 4. März 2022 auf ihrer Website (auf Deutsch, Russisch und Ukrainisch) klargemacht: „Rammstein möchten ihre Unterstützung für das ukrainische Volk zum Ausdruck bringen, das sich gegen den schockierenden Angriff der russischen Regierung wehrt. Wir empfinden in diesem Moment besonders Trauer über das Leid der Ukrainer“, so die Band.

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Und weiter: Jedes Mitglied der Band hat unterschiedliche Erfahrungen mit den beiden Ländern; alle Musiker haben Freunde, Kollegen, Partner und Fans in der Ukraine und in Russland. Uns ist die Verzweiflung bewusst, die viele russische Fans angesichts der Handlungen ihrer Regierung empfinden, und wir möchten an die Menschlichkeit erinnern, die russische und ukrainische Bürger teilen.“

Neues Album kommt Ende April

Am 29. April 2022 erscheint das neue Rammstein-Album „Zeit“. Exakt drei Jahre nach dem unbetitelten Multiplatinum-Album legt die international erfolgreichsten deutsche Band aller Zeiten einen Nachfolger vor.

Zwei Jahre haben Till Lindemann (Gesang), Paul Landers (Gitarre), Richard Z. Kruspe (Gitarre), Flake (Keyboard), Oliver Riedel (Bass) und Christoph Schneider (Schlagzeug) an den elf Songs des neuen Albums gearbeitet. Zur Seite stand ihnen erneut der Berliner Produzent Olsen Involtini. Aufgenommen wurde „Zeit“ in den La-Fabrique-Studios in St. Rémy de Provence, Frankreich.