Umstrittener Podcast-SuperstarPodcaster Joe Rogan unter Beschuss: Der umstrittenste Mann der USA?

Sebastian GrünbergerSebastian Grünberger | 09.02.2022, 22:20 Uhr

IMAGO / MediaPunch

Wegen Joe Rogan sorgt Spotify derzeit für eine heftige Kontroverse — und macht sich vielerorts unbeliebt. Wer aber ist Rogan — und was macht ihn zu einer so wichtigen Figur?

Joe Rogan (54) tut auf Spotify das, was Abermillionen andere Podcaster auch tun: Sie sitzen vor einem Mikrofon, laden Gäste ein — und plaudern stundenlang über verschiedene Themen. Mit einem Unterschied: Rogan ist so beliebt, dass ihm der schwedische Streamingdienst 100 Millionen Dollar für die Vertriebsrechte an seinem Blog zahlte — und sich jetzt im Kreuzfeuer der Kritik wiederfindet.

Meister Propper mit berühmten Gästen

Joe Rogan sieht aus wie einer, mit dem man sich nicht anlegen möchte. Sowohl seine Frisur als auch seine Statur ähneln jener von Meister Propper — da machte es schon Sinn, dass der Stand-Up-Comedian auch Kampfsportler ist und als Kommentator im UFC-Ring arbeitete. In erster Linie ist Rogan aber eines: Podcaster — und das seit 2009. Damals startete er seinen Podcast „Joe Rogan Experience“ — und dessen Erfolgsgeschichte ist bemerkenswert. Alleine im Oktober 2015 wurde sein Podcast 16 Millionen mal heruntergeladen. Rogan ist längst in puncto Berühmtheit auf Augenhöhe mit seinen Gästen. Er kiffte in der Sendung mit Elon Musk (50), was den Aktionären des Tesla-Chefs nicht schmeckte. Er fachsimpelte mit Kanye West (44), politisierte mit Bernie Sanders (80) und auch Sportler wie Mike Tyson (55) und Lance Armstrong (50) gaben sich in seinem Podcast die Ehre.

Kontroverse Meinungen rund ums Impfen

Die Themen seiner Sendungen sind vielfältig — und Rogans Selbstbewusstsein ist zweifellos nicht gerade klein. Bei ihm kommen gerne Meinung und (angebliche) Wissenschaft zusammen. Er befürwortet Marihuana und psychedelische Drogen zur Bewusstseinserweiterung. Er geht gerne jagen – und kann das auch ganz schlüssig argumentieren. Nur manchmal verstrickt sich Rogan in seinen Meinungen – beim Thema Impfen zum Beispiel.

Dass er sich nämlich kritisch zur Corona-Impfung äußerte (und bezüglich medizinischer Fakten recht beratungsresitent zeigte), stieß nämlich nicht nur auf Jubel bei rechten Impfskeptikern — sondern auch auf massig Kritik der anderen Seite. Der erste, der mit dieser ernst machte, war die kanadische Rockikone Neil Young (76), der seine Musik aus Protest von Spotify nahm. Zuvor hatte er Spotify vor die Wahl gestellt: Er oder Rogan. Spotify entschieden sich, wenn auch nicht in dieser Formulierung, eindeutig für den Podcaster. Etliche weitere Musikerkollegen und Kolleginnen taten es Young gleich. Young erklärte jüngst, dass allerdings nicht Rogan der Hauptfein sei – sondern Spotify-Chef Daniel Ek (38).

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Und Rogan selbst?

Rogan selbst sieht sich definitiv nicht im rechten Eck angesiedelt — sondern galt eigentlich als libertär bis teils sogar links. Das bedeutet aber nicht, dass er von der US-Linken besonders geschätzt wird — dafür sorgen etliche verbale Entgleisungen und transphober beziehungsweise rassistischer Äußerungen.„ In den alten Folgen des Podcasts gab es eine Menge Mist, von dem ich wünschte, ich hätte ihn nicht oder anders gesagt“, schrieb er selbst auf Instagram. Auch wenn Spotify entschied, Rogan treu zu bleiben, so wurden etliche Folgen des Podcasts offline genommen, in denen Rogan das abfällige „N“-Wort benutzte. Rogan zeigt sich zwar reumütig und geht auch in puncto Neil Young nicht auf Konfrontationskurs sondern zeigt sich diplomatisch. Glaubwürdig finden das jedoch nicht alle — und die Kontroverse dürfte noch lange nicht zu Ende sein.