Soloprojekt des Madsen-SängersSebastian Madsen hat sich seinen Liebeskummer „von der Seele gesungen“

Sebastian Madsen macht mit seinem Album "Ein bisschen Seele" einen Solo-Ausflug. (tae/spot)
Sebastian Madsen macht mit seinem Album "Ein bisschen Seele" einen Solo-Ausflug. (tae/spot)

Joris Felix

SpotOn NewsSpotOn News | 29.09.2022, 16:30 Uhr

Sebastian Madsen hat mit seinem ersten Soloalbum seinen Liebeskummer verarbeitet. "Ich habe mir alles von der Seele gesungen", sagt der Madsen-Sänger im Interview. Dennoch hält er fest: "Musik hilft einem nicht aus allem raus."

Sebastian Madsen (41) ist vor allem als Sänger der Indie-Rockband Madsen bekannt. Nun hat er einen Solo-Ausflug gestartet. Auf seinem ersten eigenen Album „Ein bisschen Seele“ tritt er eine Reise in die Welt des Soul an und lässt in seinen Songs „die Hose runter“, wie er im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news sagt. Denn er singt offen über seinen Liebeskummer im Winter 2021, der für ihn „der schlimmste der Pandemie“ war. Er verrät unter anderem, wie ihm seine Musik geholfen hat, über den Liebeskummer hinwegzukommen, und warum er sich von Trends wie Achtsamkeit, Selbstfindung und Selbstliebe „bedrängt“ fühlt.

Wie ist das Gefühl, sein erstes Soloalbum zu veröffentlichen? Da gehört ja auch viel Mut dazu.

Sebastian Madsen: Ja, das stimmt. Meine Brüder und ich haben schon immer parallel zu Madsen viel anderes Zeug aufgenommen. Aber das meiste haben wir nie veröffentlicht oder nur als Quatsch-Projekt etikettiert und rausgebracht. Wirklich ernsthaft etwas abseits von Madsen zu machen, ist auf jeden Fall neu. In der Pandemie ist dann tatsächlich etwas Seriöses entstanden. (lacht)

Ich habe das Album mit meinem Bruder Johannes zusammen bei uns im Wendland aufgenommen. Als dann die Idee aufkam, das Ganze wirklich zu veröffentlichen, habe ich ein bisschen Angst bekommen. Zumal das ein sehr intimes Album ist, das ganz explizit von meinem Liebeskummer handelt. Ich lasse da die Hose runter und musste mir überlegen, ob ich das möchte. Aber jetzt freue ich mich einfach drauf, da wird nichts mehr hinterfragt.

Die ersten Reaktionen auf die neuen Songs waren durchweg positiv, oder?

Madsen: Meine Stimme ist meine Stimme und deswegen gibt es natürlich auch einen Wiedererkennungswert. Das ist auch sehr schön. Bisher habe ich einen positiven Eindruck. Aber die Madsen-Fans sind sowieso sehr tolerant. Das merken wir immer, wenn wir Konzerte spielen und die Support-Acts auf die Bühne gehen. Unsere Fans hören immer erst mal zu und nehmen sie wohlwollend auf. Wir als Band Madsen versprühen aber auch Harmonie und ein Gefühl von Zusammenhalt. Das zahlt sich dann aus, wenn man mal neue Wege gehen will, dass es nicht nur von den Bandkollegen, sondern auch von den Fans ein solches Vertrauen gibt.

Das Album „Ein bisschen Seele“ ist – wie der Titel erahnen lässt – vom Soul inspiriert. Wie kam es dazu?

Madsen: Der Winter 2021 war für mich der schlimmste der Pandemie. Ich habe die Zeit im Wendland verbracht, meine Freundin als Ur-Berlinerin hat sich in Berlin wohler gefühlt. Mir waren in Berlin zu viele Menschen, ihr im Wendland zu wenig. Durch diese ganze Anspannung haben wir uns ein bisschen auseinandergelebt. Ich war einsam und habe angefangen, viel Soulmusik zu hören. Diese Musik gibt einem Kraft in schwierigen Zeiten, mir hat das sehr geholfen.

Ich habe an diesen Winterabenden zugeschneit im Wendland gesessen und mir viele Platten angehört: Curtis Mayfield, Donny Hathaway, Marvin Gaye und Amy Winehouse – oder auch Manfred Krug, was zwar keine Soulmusik ist, aber dennoch ein wichtiger Einfluss war. Ich habe dann ganz intuitiv angefangen, mich davon inspirieren zu lassen und selbst etwas aufzunehmen. Da mein Bruder Johannes auch die ganze Zeit da war, hat er mir geholfen. Mit dem neuen Projekt hatten wir jeden Tag eine Konstante. Ich habe mir alles von der Seele gesungen.

Hat Ihnen Ihre eigene Musik dabei geholfen, Ihren Liebeskummer zu verarbeiten?

Madsen: Das hat auf jeden Fall geholfen. Es gab dadurch auch eine Brücke zu meiner Freundin, weil ich gerne mit ihr Musik mache. Ich habe ihr die Songs geschickt und sie hat mir beim Texten geholfen. Auch wenn es sonst zwischen uns schwierig war: Das hat funktioniert. Als das Album dann fertig war, habe ich gemerkt, dass es mir zwar geholfen hat, mich besser zu fühlen. Aber es rettet natürlich keine Beziehung.

Ich dachte auch lange, ich würde auf einer einsamen Insel problemlos nur mit mir und einer Gitarre klarkommen. Aber das reicht mir natürlich nicht. Musik hilft einem nicht aus allem raus. Was ich aber durch Soulmusik gelernt habe: Es ist gut zu kommunizieren und der anderen Person zuzuhören. Wir haben auch wieder zueinander gefunden.

Das war für Sie eine sehr emotionale Reise. Diese persönlichen Songs auf der Bühne zu singen, stelle ich mir nicht so leicht vor.

Madsen: Ja. Das ist aber okay, weil Lisa ja fast immer mit auf der Bühne steht. Außerdem habe ich die Phase voller Zweifel, ob ich das wirklich möchte, hinter mir gelassen. Wir haben viele Songs auch schon live gespielt. Bei Madsen ist es genauso: Ich vergesse zwar nie die persönlichen Bindungen, die ich zu den Liedern habe, aber sobald ich sie einmal hinausgetragen habe, gehören sie allen. Alle Menschen da draußen hatten schon mal Liebeskummer. Ich glaube nicht, dass die Leute das hören und dann versuchen, mich zu analysieren. Sie beziehen die Stücke auf sich. Und dafür ist Musik ja auch da: Ich erzähle meine Geschichte und hoffe, dass sie andere Menschen in schwierigen Situationen tröstet.

Auf dem Album findet sich auch der Song „Immer nur am Handy“. Ist das etwas, was Sie an Ihren Mitmenschen nervt?

Madsen: Auf das Handy-Thema wäre ich selbst nicht unbedingt gekommen. Max Richard Leßmann, einer meiner besten Freunde, hat den Text geschrieben. Mit ihm habe ich während der Pandemie und sonst auch sehr viel telefoniert. Er checkt ganz intuitiv meine Emotionen und kann sie in Worte verpacken. Die ständige Handynutzung nervt mich nicht nur in meinem Umfeld, sondern auch bei mir selbst. Es muss ja nicht sein, dass einem die Realität so schwerfällt.

Ich finde es bedenklich, dass jeder ständig sein Handy in der Hand oder Tasche hat. Wenn ich zum Beispiel mal Urlaub habe, klemme ich mich hinter ein Buch, und schaue dann nur morgens und abends auf mein Handy. Das ist immer total befreiend. Über diese Sucht, die es auf der ganzen Welt gibt, werden viel zu wenige Lieder geschrieben.

„Sei nur du selbst“ hinterfragt aktuelle Trends wie Achtsamkeit, Selbstfindung und Selbstliebe. Setzen Sie sich privat mit diesem Thema auseinander?

Madsen: Das beschäftigt mich schon. Über das Thema reden ja vor allem viele Leute aus der Öffentlichkeit, die selbst zumindest äußerlich abgeklärt, cool und schön sind. Ich fühle mich da bedrängt. In einer Situation, in der es einem selbst nicht gut geht, ist es dann besonders angreifend, wenn einem jemand sagt: Sei nur du selbst.

Das ist ja schön und gut, aber wenn man wirklich nicht weiß, wie das geht oder wer das ist, dann ist das schon fast beleidigend. Da denke ich mir oft: Macht das für euch, aber behaltet eure Lebensweisheiten für euch. Das geht dann oft stark in Richtung Kalenderspruch. Es ist ja auch in Ordnung, wenn man sich mal nicht mag. Dann will man einfach nicht man selbst sein.

Das Album „Ein bisschen Seele“ erscheint am 30. September.