Linda Zervakis: So hoch ist das Gehalt der Ex-„Tagesschau“-Moderatorin

Linda Zervakis: So hoch ist das Gehalt der Moderatorin
Linda Zervakis: So hoch ist das Gehalt der Moderatorin

IMAGO/ Stefan Schmidbauer

Redaktion KuTRedaktion KuT | 10.08.2021, 11:09 Uhr

„Guten Abend, meine Damen und Herren
“. Die Moderatoren der „Tagesschau“ gehören zu den AushĂ€ngeschildern ihrer Haussender – doch welches Gehalt bekommen Linda Zervakis und ihre Kollegen eigentlich fĂŒr ihre TĂ€tigkeit?

Man möchte meinen, als berĂŒhmte Moderatorin klingelt die Kasse. Schließlich war Linda Zervakis (46) nicht einfach nur Sprecherin bei der „Tagesschau“, sondern Galionsfigur und waschechter Star. Doch tatsĂ€chlich ist das Gehalt, das Linda Zervakis und ihre Kollegen bei den Öffentlich-Rechtlichen beziehen, laut Medienberichten alles andere als ĂŒppig. Zumindest im Vergleich zu den Gagen, die andere Sender ihren Zugpferden zahlen


Vielleicht auch einer der GrĂŒnde, warum Linda Zervakis kĂŒnftig fĂŒr ProSieben vor der Kamera stehen wird?

Linda Zervakis oder Jens Riewa: Die „Tagesschau“ zahlt Honorar statt Gage

Die „Tagesschau“ mag mittlerweile etwas Rost angesetzt haben, aber dennoch gilt sie hierzulande immer noch als das wichtigste Nachrichtenformat. Junge Gesichter wie das von Linda Zervakis haben in den vergangenen Jahren dabei geholfen, die „Tagesschau“ fĂŒr die Zuschauer frisch zu halten – oder besser gesagt: zu verjĂŒngen.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von Linda Zervakis (@lindazervakis)

Wenn man sich jedoch einmal anschaut, was der Verdienst der „Tagesschau“-Sprecher ist, kann man schon ins Stutzen kommen. ZunĂ€chst einmal erhalten Linda Zervakis, Dagmar Berghoff, Judith Rakers und Co. gar kein monatliches Festgehalt, sondern lediglich eine Gage pro Sendung. Die Moderatoren des Formats sind nĂ€mlich nicht fest angestellt beim Sender, sondern arbeiten freiberuflich.

Wie hoch die konkrete Gage wirklich ist, hat kĂŒrzlich Ex-Nachrichtensprecher Jan Hofer verraten.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von Linda Zervakis (@lindazervakis)

Jan Hofer: „Reich wird man davon nicht“

Jan Hofer war eines der Nachrichten-Urgesteine im deutschen Fernsehen, doch im Dezember 2020 beendete Mr. Tagesschau dieses Kapitel und verließ die Öffentlich-Rechtlichen, um sich neuen Herausforderungen zu stellen. Im GesprĂ€ch mit dem „Hamburger Tageblatt“ verriet er anschließend, wie viel Geld man als Chefsprecher so verdienen kann: „Das höchste Honorar gibt es fĂŒr die 20-Uhr-Sendung, es liegt bei etwa 260 Euro“, verriet er der Zeitung.

Nun könnte man meinen, dass 260 Euro fĂŒr eine Viertelstunde Arbeit eine ganz schöne Menge Geld sind. Allerdings darf man nicht vergessen, dass die Moderatoren dafĂŒr wesentlich mehr tun, als nur Nachrichten vom Teleprompter abzulesen.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von Jan Hofer (@janhofer)

So war zum Beispiel Linda Zervakis schon zu Anfang ihrer Moderatoren-Karriere immer auch redaktionell eingebunden – sei es in ihrer Zeit beim Radiosender N-Joy oder beim NDR, wo sie erste regionale Formate gestaltete und moderierte, bevor sie 2013 dann die Hauptausgabe der „Tagesschau“ als Sprecherin ĂŒbernehmen durfte.

Doch selbst wenn man davon ausgeht, dass die Moderatoren der „Tagesschau“ gar nicht so viel selbst recherchieren und erarbeiten mĂŒssen, sondern sich auf ein Redaktionsteam verlassen können: Es bleibt immer noch eine ganze Menge Arbeit abseits des reinen Vorlesens von News. Meetings, Maske, Vorbereitungs- und Einarbeitungszeit vor jeder Sendung, zum Beispiel.

Video News

Linda Zervakis, eine „gut bezahlte Angestellte“?

Jan Hofer bilanziert dementsprechend: „Insgesamt kann man von den Einnahmen als ‚Tagesschau‘-Sprecher ordentlich leben, reich werden kann man nicht. Es entspricht dem Gehalt eines gut bezahlten Angestellten.“

Auch darf man nicht vergessen, dass Angestellte weder ihre Krankenkassen- noch die RentenbeitrĂ€ge komplett selbst zahlen mĂŒssen. Freiberufliche Moderatoren dagegen sehr wohl.

Wenn man nun allerdings einmal ĂŒberschlĂ€gt, dass Linda Zervakis im Wechsel mit ihren Moderatoren-Kollegen im Wochenverlauf vielleicht drei Hauptausgaben der „Tagesschau“ und ebenso viele „Tagesthemen“ moderiert hat, ergĂ€be sich ein Verdienst von 1.560 Euro – pro Woche! Also: 6.240 Euro im Monat.

Das wĂ€re ein stattliches Angestellten-Gehalt. Und ihre Moderationen fĂŒr die Öffentlich-Rechtlichen sind nicht die einzigen Quellen, aus denen sich
Linda Zervakis’ Vermögen speist


Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von Linda Zervakis (@lindazervakis)

Linda Zervakis verdient auch sonst ganz gut

Linda Zervakis hat durch die „Tagesschau“ Bekanntheit erlangt, sie ist aber auch anderweitig umtriebig. PopulĂ€r ist etwa ihr Podcast „Gute Deutsche“ fĂŒr Spotify, der ihr allerdings kein Vermögen einbringen dĂŒrfte, schließlich zahlt der Streaming-Riese nur ca. 0,0028 EUR pro Abruf.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von Linda Zervakis (@lindazervakis)

Wesentlich profitabler waren sicher ihre Buchveröffentlichungen. So erschienen bei Rowohlt die autobiographisch gefĂ€rbten BĂ€nde „Königin der Bunten TĂŒte“ (2015) und „Etsikietsi – Auf der Suche nach meinen Wurzeln“ (2020).

Letzteres war ein „Spiegel“-Bestseller und sollte daher mindestens 100.000 Mal ĂŒber die Ladentheke gegangen sein. Wenn Linda Zervakis zu 12 Prozent an den Einnahmen beteiligt sein sollte (was recht recht viel, aber ihrem Promi-Status angemessen wĂ€re), hĂ€tte sie bei einem Nettoladenpreis von ca. 14 Euro pro Buch etwa 1,70 Euro pro verkauftem Exemplar erhalten.

Da, wie spekuliert, wohl mindestens 100.000 Exemplare verkauft worden sind, dĂŒrfte Linda Zervakis allein mit „Etsikietsi“ um die 170.000 Euro reicher geworden sein.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von Linda Zervakis (@lindazervakis)

Nicht möglich ist Sprechern der „Tagesschau“ allerdings die Aufbesserung der BezĂŒge mit WerbevertrĂ€gen. ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke erklĂ€rte im GesprĂ€ch mit „W&V“: „Mitglieder des ‚Tagesschau‘-Sprecherkollegiums machen grundsĂ€tzlich keine Werbung. Obgleich sie im Status eines freien Mitarbeiters fĂŒr ARD-aktuell tĂ€tig sind, achten sie generell bei anderen TĂ€tigkeiten darauf, dass das Image der Tagesschau keinen Schaden nimmt.“

Linda Zervakis’ Ende bei der „Tagesschau“: War es eine Frage des Geldes?

Es ist der Traum vieler Medienschaffender, ein so großes Publikum wie das der „Tagesschau“ zu erreichen – und sobald man als Sprecher etabliert ist, kommt dies bei der ARD und anderen Sendern einer Jobgarantie gleich. „Diese Sicherheit, bei der ‚Tagesschau‘ alt werden zu können, hat fĂŒr die Sprecherinnen und Sprecher etwas sehr Beruhigendes“, so Hofer.

Das allein reicht aber offenbar nicht, um Moderatoren die komplette Karriere ĂŒber zu binden. So ist Jan Hofer nach seinem „Tagesschau“-Abschied nicht, wie ursprĂŒnglich gedacht, in „Rente“ gegangen, sondern widmet sich einer neuen Herausforderung: Pikanterweise bei RTL. Denn hier wird er neben Pinar Atalay das neue Nachrichtenformat „RTL direkt“ ĂŒbernehmen, das ab dem 16. August 2021 parallel zu den „Tagesthemen“ laufen soll.

Auch Linda Zervakis hat im April 2021 nach sieben Jahren bei der „Tagesschau“ das Handtuch geworfen, und auch sie wechselt zu einem Privatsender, der sie sicher höher entlohnen wird.

Auf ProSieben soll sie ab Herbst 2021 neben Matthias Opdenhövel die Sendung „Zervakis & Opdenhövel“ moderieren, ein Infotainment-Format, bei dem Interviews und Reportagen im Fokus stehen werden.

Zwar werden sich ihre BezĂŒge dafĂŒr nicht in den SphĂ€ren eines GĂŒnther Jauch bewegen, der Branchenkennern zufolge 125.000 Euro pro Sendung kassiert – mehr als 260 Euro pro Einsatz dĂŒrften dennoch dabei rausspringen.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von Linda Zervakis (@lindazervakis)

Dennoch haben sicher noch andere GrĂŒnde als die reine Bezahlung Linda Zervakis dazu bewogen, die Fronten zu wechseln. Sogar von Zoff zwischen Zervakis und dem NDR war die Rede.

Linda Zervakis und der Traum von der Entertainment-Karriere

„Tagesschau“-Sprecherin zu werden war keinesfalls schon immer die Wunschvorstellung von Linda Zervakis. Vielmehr schwebte ihr eine Karriere im Entertainment-Segment vor. Bereits in jungen Jahren, als sie noch im Kiosk ihrer Eltern aushelfen musste, trĂ€umte sie davon, einmal fĂŒr MTV oder VIVA als Moderatorin vor der Kamera zu stehen.

Auch in den letzten Jahren war die „Tagesschau“ nicht ihr einziges Steckenpferd – so schlugen etwa ihre Auftritte in Musikvideos (u.a. von Deichkind und Die Ärzte) hohe Wellen.

Insofern erfĂŒllt sich fĂŒr Linda Zervakis mit ihrem Engagement bei ProSieben vielleicht auch ein Kindheitstraum – ein Vermögen wird sie nun jedenfalls eher verdienen können als beim NDR, fĂŒr den sie seit 2010 loyal tĂ€tig war