FilmChris Hansen fällt vernichtendes Urteil über ‚Primetime‘

Chris Hansen at Crime Watch Daily event for Built - Getty - May 2017
Chris Hansen hat ‚Primetime‘ inzwischen selbst gesehen – und ist nicht begeistert.
Mit dem Film, in dem Robert Pattinson eine an ihn angelehnte Figur spielt, kann der frühere TV-Moderator offenbar wenig anfangen. Der neue A24-Film greift Hansens Arbeit für die NBC-Sendung ‚To Catch a Predator‘ auf. Das Format lief von 2004 bis 2007 und dokumentierte verdeckte Aktionen gegen erwachsene Männer, die sich zu sexuellen Kontakten mit vermeintlich Minderjährigen verabreden wollten.
Hansen hatte das Projekt bereits vor der Veröffentlichung kritisiert. Nachdem er den Film nun gesehen hat, bezeichnete er ihn in einem rund 20-minütigen YouTube-Video als „bizarr“. „Es bewegte sich ständig zwischen Realität und Fiktion hin und her“, erklärte der 69-Jährige. Natürlich könne er nicht vollkommen objektiv sein, schließlich basiere die Hauptfigur auf ihm. Dennoch sei die Darstellung „so weit von der Realität“ und seinen tatsächlichen Erfahrungen entfernt, dass er sich frage, „was der Sinn davon war“.
Besonders scharf kritisierte Hansen Regisseur Lance Oppenheim. Seiner Ansicht nach habe dieser von Anfang an eine bestimmte, düstere Vorstellung von der Geschichte gehabt und sei nicht daran interessiert gewesen, sich mit positiven Auswirkungen von ‚To Catch a Predator‘ auseinanderzusetzen. Oppenheim habe einen horrorartigen Film mit einer bestimmten Bildsprache machen wollen und sich seine Sichtweise durch nichts anderes „trüben lassen“ wollen, behauptete Hansen. Er selbst sieht seine damalige Arbeit völlig anders. Das Format habe einen gesellschaftlichen Dialog angestoßen und Aufmerksamkeit für ein Thema geschaffen, das zuvor deutlich weniger öffentlich diskutiert worden sei. „Und trotzdem machen sie ihn zum Bösewicht“, sagte Hansen über die an ihn angelehnte Figur. Er kritisierte zudem, dass weder er noch langjährige Mitglieder seines damaligen Teams für das Projekt kontaktiert worden seien. Nach Hansens Angaben haben 13 frühere Kollegen den Film inzwischen gesehen. Einige hätten die filmische Umsetzung durchaus positiv bewertet, sich von der Geschichte nach etwa 30 Minuten aber gelangweilt gefühlt.
Auch Pattinsons Interpretation seiner Person überzeugte Hansen nicht. Er bezeichnete die Figur als „so weit von der Realität entfernt, so durchgedreht, so düster, so unsympathisch“. ‚Primetime‘ wird als von wahren Ereignissen inspirierter Film präsentiert. Hansen behauptet allerdings, „fast jede“ Szene habe sich im wirklichen Leben nie ereignet. „In gewisser Weise ist es ein Verriss von mir und der Serie“, sagte er. „Was seltsam ist.“ Ursprünglich hatte Hansen bereits an einer Vorabvorführung teilnehmen wollen. Nach eigener Darstellung verließ er die Veranstaltung jedoch noch vor Beginn, weil er aufgefordert worden sei, ein juristisches Dokument zu unterschreiben, mit dem er bestimmte Persönlichkeitsrechte abgetreten hätte.
Pattinson selbst macht Hansen für seine Unzufriedenheit ausdrücklich nicht verantwortlich. „Ich habe kein Problem mit Robert Pattinson“, stellte er gegenüber ‚The Hollywood Reporter‘ klar. „Ich halte ihn für einen großartigen Schauspieler und einen netten Kerl.“ Pattinson habe sich in öffentlichen Äußerungen über ihn zudem freundlich gezeigt. Hansen kritisierte stattdessen die Entscheidung der Verantwortlichen, den Schauspieler eine an ihm orientierte Figur verkörpern zu lassen, ohne zuvor Kontakt mit ihm aufzunehmen. Seine eigene Erklärung dafür fällt deutlich aus: „Ich glaube, das liegt daran, dass das Studio und der Regisseur die Wahrheit nicht wissen wollten.“







