Samstag, 10. März 2018 21:51 Uhr

Moby: Das große Interview zum neuen Album

Elektronik-Pionier Moby über Donald Trumps Glatze, seine Verwicklung in die CIA, sein neues Hobby-Album, Tierrechte, kopfschüttelnde Nachbarn und seine Hoffnung auf einen besseren Planeten.

Moby: Das große Interview zum neuen Album

Foto: Embassy Of Music

Moby ist wütend. Auf seinem Facebook-Account setzt sich der US-amerikanische Musiker, Elektronik-Producer und Aktivist beinahe täglich für Tierrechte und Flüchtlinge ein oder wettert gegen Donald Trump und seine Befürworter. Auf seinem neuen Album „Everything Was Beautiful, And Nothing Hurt“ hält er es hingegen weniger politisch, auch wenn er darauf durchaus nachdenkliche und dunkle Töne anschlägt. Im Interview mit klatsch-tratsch.de-Autorin Katja Schwemmers erzählt der 52-Jährige, warum ihm Musikpreise nicht mehr wichtig sind, und wieso ihn seine Nachbarn für ziemlich durchgeknallt halten.

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Moby: Das große Interview zum neuen Album

Foto: Embassy Of Music

Moby, welchen Stellenwert hat Musik heutzutage in Ihrem Leben?
Aktivist für Tierrechte zu sein, ist mein Job und Musikmachen betrachte ich als mein Hobby und etwas, was ich liebe.

Das war mal genau andersrum, als Sie mit Ihrem Album „Play“ Ende der Neunziger zum internationalen Star aufstiegen, oder?
Schon, aber in der Welt, in der wir heute leben, empfände ich es als egoistisch, wenn ich mich wie früher vorrangig um meine Karriere als Musiker kümmern würde. Das ist so unwichtig verglichen mit den großen Problemen und den Herausforderungen, denen wir Menschen gegenüberstehen. Ich finde es sogar ziemlich lächerlich, wenn Leute ihre Karriere priorisieren. Das macht für mich einfach keinen Sinn mehr.

Wann ist Ihnen das klar geworden?
Mit diesem Denken bin ich eigentlich schon aufgewachsen. Ich wurde aufgezogen von sehr progressiven Hippies und Akademikern. In den frühen Achtzigern landete ich in der Punkrockszene in New York. Irgendwie war die Idee, ein Aktivist zu sein und sehr bewusst zu leben, immer Teil davon. Aber als ich Musik dann als Karriereziel verfolgte, habe ich das bedauerlicherweise eine Zeit lang aus den Augen verloren. Vor etwa zehn Jahren wurde mir dann klar, umso mehr ich dem Ruhm und selbstsüchtigen Dinge hinterherhechelte, umso mehr Schuldgefühle hatte ich und umso weniger zufrieden fühlte ich mich. Das ist das Paradoxe: Du machst dich unglücklich, indem du zu viel an dich selbst denkst. Selbstlose Dinge zu tun, kann dir indes Zufriedenheit und Sinn im Leben geben.

Also ist der Moby von heute glücklicher als der, der mit zig Preisen und Goldenen Schallplatten ausgezeichnet wurde?
Glücklicher auf die Art, dass ich das Gefühl habe, für etwas Besseres zu arbeiten als für mich selbst. Denn wie wir wissen, ist die Welt, in der wir leben, eine Katastrophe! Ich kann mich eigentlich keine Minute mehr gut fühlen, wenn 100 Milliarden Tiere jedes Jahr getötet werden und unser Klima außer Kontrolle gerät. Und das alles unter der Agenda von unzurechnungsfähigen Politikern, die die Welt ruinieren.

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Ist Ihr neues Album deshalb so dunkel und stimmungsvoll?
Ich denke schon. Es ist schwer, Musik oder Kunst zu machen, die nicht den Kontext oder die Umgebung reflektiert, in der sie entstanden ist. Auf dieser Platte richte ich den Blick speziell darauf, wer wir als Spezies sind, was uns von dem Göttlichen und dem Universum, das uns ausgespuckt hat, trennt. Es geht um die Frage, warum wir weiterhin so schreckliche Entscheidungen treffen.

Das Album heißt „Everything Was Beautiful, And Nothing Hurt“. Ist dieses schöne Szenario also bloß eine Utopie?
Es ist die absolute Utopie! In dem Titel schwingt viel Traurigkeit mit, denn die Zeile könnte ja zutreffend sein. Wir hätten die Fähigkeit, eine Welt zu kreieren, in der alles wunderschön ist und niemand verletzt wird. Denn die Welt ist quasi in unserem Besitz. Für mich ist es entsetzlich und unverzeihlich, dass es immer noch eher die Hölle auf Erden ist. Uns wurde ein Paradies an die Hand gegeben. Und alles, was wir tun ist, es zu zerstören. Wir fangen Kriege an, wir benutzen Erdöl-Produkte, wir töten Tiere, wir töten uns gegenseitig, wir fällen weiterhin schreckliche Entscheidungen. Und es wäre so einfach, all das zu stoppen. Das frustriert mich am meisten. Wenn jeder Mensch auf dem Planeten morgen aufwachen und sich ändern würde, wäre das Paradies wieder machbar.

Sind Sie trotzdem optimistisch?
Ich wäre gerne optimistisch. Aber Menschen ändern sich erst, wenn sie wirklich ein Problem haben. Sie hören auch erst mit dem Rauchen oder Burger-Essen auf, wenn ihnen der Arzt sagt, sie hätten nur noch fünf Jahre zu leben. Momentan führen wir uns eher auf wie ein Drogenabhängiger, der gerade erst realisiert hat, dass es nicht gesund ist, fünf Mal am Tag Crystal Meth zu rauchen. Ich bin ein trockener Alkoholiker mittleren Alters. Es wäre natürlich wundervoll gewesen, wenn ich jede Nacht hätte trinken könnte ohne Folgen oder Hangover. Aber so läuft das nicht. Es muss wohl erst zur Katastrophe kommen. Und das werden in diesem Fall die Konsequenzen aus der Klimaveränderung sein, die wir noch viel stärker als bisher zu spüren bekommen werden. Die Ironie ist, dass uns das dann an den Punkt zurückbringen wird, haarlose Affen zu sein, die befürchten müssen, zu verhungern oder selbst gegessen zu werden.

Haben Sie noch Respekt vor Menschen?
Manchmal. Es gibt ja auch viele wundervolle Dinge, die Menschen tun: Wenn sie Tiere retten oder sich umeinander kümmern. Wir brauchen nur mehr davon: mehr Liebenswürdigkeit, mehr Mitgefühl, mehr Offenheit. Das klingt wie Old-School-Hippie-Talk, aber nur das kann unsere Spezies retten.

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Gehören Sie zu der Gruppe von Menschen, die sagt: Tiere sind die besseren Menschen?
Sie kreieren auf jeden Fall weniger Probleme als wir. Den Tieren ging es gut, bevor die Menschen kamen. Tiere ruinieren auch nicht ihr eigenes Zuhause – so blöd sind nur Menschen. Tiere können zwar auch brutal sein, aber nicht, weil sie schlecht sind, sondern weil sie überleben wollen.

Wie schwer ist es für Sie, den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden?
Ach, ich mache auch schreckliche Dinge. Wenn es kalt ist, stell ich die Heizung an. Aber ich bemühe mich: Ich fahre ein elektrisches Auto, ich lebe vegan, ich kaufe mir so wenig neue Sachen wie möglich. Ich bin natürlich immer noch ein Mann aus dem Westen im 21. Jahrhundert und trage zur Misere bei. Es gab Zeiten, wo ich versucht habe, 100 Prozent ethisch korrekt zu leben. In den Neunzigern wollte ich die Erdöl-Industrie nicht unterstützen, als hörte ich auf, heiße Duschen zu nehmen. Aber kalte Duschen in New York im Februar bekommen mir nicht. Ich bin also auch ein Heuchler.

Aber Sie leben eher bescheiden?
Ich bin Minimalist. In meinem Wohnzimmer steht nichts außer einem Klavier. Aber ich habe auch einen Raum in meinem Haus, wo ich schlechtes Fernsehen, die Zeichentrickserie „Family Guy“ oder Netflix-Serien gucken kann. Es ist also nicht so, dass ich nur in einem leeren Raum lebe. Aber er hilft mir oftmals, die Aufmerksamkeit auf meine Gedanken und mein Atmen zu legen.

Sie haben jetzt sogar Ihren Swimmingpool aus Ihrem Garten in Los Angeles entfernen lassen.
Ja, der wird gerade zerstört. Das Wasser und die Energie, um ihn zu betreiben, will ich künftig einsparen. Stattdessen werde ich ein Zuhause für Bäume und Pflanzen schaffen, denn die produzieren Sauerstoff. Meine Nachbarn halten mich übrigens für total durchgeknallt – und nicht nur die. Ich kann ihnen nicht mal widersprechen.

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Gehen Sie auf Facebook gerne Leuten auf die Nerven? Da regen sich ja viele über Sie auf.
Es gibt zwei Dinge, wie man an Kommunikation auf soziale Netzwerke rangehen kann: Die Eine ist, vorsichtig zu sein, um seine Karriere zu schützen. Das lehne ich ab. Ich will keine Karriere. Die Idee, dafür Kompromisse bei meinen Überzeugungen zu machen, fühlt sich für mich unethisch an. Ich will die Leute nicht anpissen oder verprellen, denn dann hören sie gar nicht mehr zu. Aber viele Wahrheiten sind nun mal unbequem.

Haben Sie deswegen Donald Trump öffentlich geraten, sein schütteres Haar nicht mehr von einem Toupet zu verdecken?
Jemand muss es ihm ja sagen! Glatzköpfigkeit ist nicht sein Problem. Wenn alternde Männer versuchen, diese zu verbergen, dann ist es ein Problem! Deshalb mein Tipp an Trump: Mach dir ’ne Glatze! Ich trage meine schon seit 24 Jahren.

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Moby, Sie haben behauptet, von aktiven und ehemaligen CIA-Mitgliedern zu wissen, dass die Akte von Trumps Verbindungen nach Russland im Kern wahr sei. Was können Sie dazu sagen?
Während meiner jahrelangen Touren habe ich einige Freunde gefunden, die tatsächlich bei Geheimdiensten überall auf der Welt arbeiten. Außerdem war der Vater einer Ex-Freundin von mir ein Vize-Direktor bei der CIA. Ich selbst bin kein Mitglied des CIA, ich bin kein CIA-Agent – so witzig das auch wäre. Aber ich habe gute Kontakte dorthin, und ab und zu, wenn ich etwas Politisches poste, versuche ich, etwas von ihren Bedenken und Ansichten weiter zu geben. Die eigenartigste und verstörendste Annahme, die immer wieder durch die Kreise der Geheimdienste schwebt ist, dass Donald Trump ein ausländischer Spion ist. Und wenn man dafür Beweise sucht, muss man sich nur aktuell ansehen, wie jüngst das Repräsentanten-Haus und der Senat mit einer überwiegenden Mehrheit Sanktionen gegen Russland beschlossen haben, gegen die Trump schließlich ein Veto eingelegt hat. Das ist das Handeln von einem Menschen, der von einer fremden Nation geleitet wird. Und unsere Demokratie ist nicht vorbereitet darauf, einen Präsidenten zu haben, der für einen ausländischen Staat arbeitet.

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