„Club der guten Laune“: Die Show startet mit Quotendesaster – und daran liegt’s!

Sophia VölkelSophia Völkel | 05.05.2022, 12:45 Uhr
Der "Club der guten Laune"
Im "Club der guten Laune" dürfte nach den Quoten keine gute Laune herrschen.

Foto: SAT.1 / Julian Essink

Vom "Club der guten Laune" erwartete man jede Menge - und wurde vermeintlich heftig enttäuscht. Die erste Folge ist eine Quoten-Katastrophe und man könnte fast vermuten, dass es auch so bleibt.

Es sollte ein würdiger Nachfolger für das Erfolgs-Format „Promis unter Palmen“ werden – und entpuppte sich bereits mit der ersten Folge als Pleite. Am Mittwoch, den 04. Mai 2022 startete „Der Club der guten Laune“ auf SAT.1. Promis wie Julian F.M. Stoeckel. Mark Terenzi, Cora Schumacher und Martin Semmelrogge haben sich praktisch zum Club-Urlaub in einer Hotelanlage versammelt und müssen sich täglich sowohl ihren Mitbewohnern, als auch jede Menge Spielen und Challenges stellen.

Alles schön und gut, klingt ja auch irgendwie nach klassischem Trash-TV, das reihenweise Zuschauer vor die Bildschirme lockt. Falsch gedacht! SAT.1 lieferte mit der ersten Folge eine Quotenpleite seinesgleichen.

Und das, obwohl Joey Heindle noch so gar nicht treffend am Anfang der Sendung formuliert: „Wir sind hier in einem A-Promi-Format gelandet.“




Nur 730.000 sahen zu

Nach diversen Eskapaden in der Vergangenheit, unter anderem schlimmen Mobbing-Attacken und Alkohol-Zusammenbrüchen ist SAT.1 natürlich hoch anzurechnen, dass sie diese Art von Unterhaltung möglichst versuchen einzudämmen. Wenn die Eindämmung allerdings so weit geht, dass Lorenz Büffel fragt, ob ein zweites Bier jetzt „asozial“ rüberkommen würde, fragt man sich doch, inwieweit man die Stars und Sternchen davon abhält, sich auch nur einen einzigen Fehltritt zu leisten.

Club der guten Laune: Vor Jennys Einzug teilt Marc Bett mit Cora

Und sind so ein paar Fehltritte nicht genau das, was das Publikum will? Vielleicht nicht in vollem Umfang und vielleicht auch nicht soweit, dass Menschen seelisch verletzt werden, doch schaltet der geneigte Zuschauer Trash-TV ein, dann erwartet er auch Trash-TV. Und keinen „Club der Langeweile“.

Die Premiere des Retro-Formats „Der Preis ist heiß“ mit Harry Wijnvoord fuhr bei RTL 2,84 Millionen Zuschauer ein.

Nur 0,73 Millionen Menschen verfolgten den SAT.1-Reality-TV-Langweiler, die Show erreichte sagenhaft schlechte 3,2 Prozent beim Gesamtpublikum. Bei den Werberelevanten sicherte sich SAT.1 nur 0,23 Millionen Zuschauer, die für untragbare vier Prozent Marktanteil sorgten. Und wie sah es bei der RTLZwei-Konkurrenz beim „Kampf der Realitystars“ aus? Da waren’s auch nur noch 830.000.

Selbst die fünfzehnminütige unverschämte Joko-und-Klaas-Zumutung um 20.15 Uhr brachte ProSieben immerhin 980.000 Millionen Zuschauer. „TV total“ verfolgten 960.000.

Therapie trifft auf Peinlichkeit

Eigentlich würde schon die Zusammenfassung am Anfang reichen, um das Gefühl zu beschreiben, das einen während des Zuschauens ereilt. Die Frage, die sich wohl viele Leute stellen: schauen wir da eine Kinder-Animations-Show oder erhalten wir gerade einen Einblick in eine psychologische Einrichtung, in der jegliches Seelentrauma medienwirksam verarbeitet wird?

Langeweile trifft Psycho-Klinik – so in etwa könnte man zusammenfassen, was da gestern über die Bildschirme flackerte. Zwischen jeder Menge langweiliger und nicht mal lächerlicher Aktionen bei Tänzen im Sonnenuntergang und peinlichen Wasser-Spielen, werden die bedeutungslosen seelischen und privaten Problemchen der Kandidaten von innen nach außen gekehrt, ob sie nun wollen oder nicht, bzw. ob SAT.1 nun will oder nicht.

Tränenreiche Beichten und unterirdische Spiele

Bereits bei „Promis unter Palmen“ waren die Spiele eher eine unangenehmes Beiwerk, im „Club der guten Laune“ würden sich aber vermutlich sämtliche Urlaubs-Animateure beschämt wegdrehen. So wälzten sich Theresia, Martin und Co. in Hundekostümen über den vertrockneten Rasen, um Gegenstände mit dem Mund oder eben mit der Schnauze, ins Körbchen zu befördern. Kein Wunder, dass am Abend die Emotiönchen hochkochen. Nach so einem dämlichen Spiel muss man sein gesamtes Sein wohl noch einmal überdenken.

„Club der guten Laune“: Sendezeiten, Kandidaten und alle Infos zur Show

Theresia tut das auf jeden Fall unter Tränen, Cora zieht nach. Beide liegen sich weinend in den Armen, nachdem die eine darüber trauert, dass sie nicht gut genug sei und die andere darüber, dass sie keine wahren Freunde im Leben hat. Wovon reden die?

Und so gibt es zumindest noch ein wenig privates Drama, an dem sich die Zuschauer ergötzen können. Also natürlich auch an dem Tanz von Iris Abel (in türkisem BH und einem schockierend kurzen Rock, der mehr freilegte, als er zu verdecken versuchte)  – der sie aber leider auch keine Runde weiterbrachte, denn die Ehefrau von Uwe Abel schaffte es im Gegensatz zu ihrem Mann (der wurde bei „Promi Big Brother“ 2020 Zweitplatzierter) nicht sehr weit im Reality-TV und schied in der ersten Folge aus.

Nur einer ist hier wirklich prominent

Der Einzige, der vermeintlich genau das erkannt hat, was sich einige denken („Woher kenne ich dich jetzt?“) ist Film-Kultfigur Martin Semmelrogge. Der Schauspieler kennt scheinbar niemanden in der illustren Runde, dafür kennen natürlich alle ihn. Mehr muss man zum Thema Star-Appeal der anderen Kandidaten auch nicht mehr sagen. Neben der Leinwand-Ikone verblasst zumindest der Promi-Status seiner Mitbewohner – außer der von Murmeltier Herbert natürlich.

Ausblenden sollte man trotzdem die Szenen, in denen Semmelrogge sich in seinem täglichen, sagen wir mal hochgerechnet 5-minütigem Fitness-Programm, konditionsmäßig so austobt, dass aus seinem Körperinneren lediglich ein enorm kränkliches, tiefes Husten ertönt und eine Spuckattacke ins Nirgendwo nach sich zieht. Wir lieben dich trotzdem Martin.

Das sagt das Netz

Im Internet wird sich währenddessen über den „Club der guten Laune“ köstlich amüsiert. Ein User schreibt: „Seit 45 Minuten wird eingezogen. Meine Laune sinkt.“

Ein anderer kommentiert: „‚Club der guten Laune‘? Wohl eher ‚Club der schlechten Quoten'“. Wieder ein anderer User stellte klar: „So geil wie alle Clubbis sagen ‚Club der guten Laune ist ein Format, sowas gab es im deutschen Fernsehen noch nicht!‘ – ehm doch.“ Und zwar um einiges besser!

Abschließend können wir sagen: Nein lieber Julian F.M. Stoeckel, wir müssen dir leider ganz klar widersprechen, wenn du sagst „Das ist der beste Cast, den ich seit vielen Jahren im deutschen Fernsehen gesehen habe.“ Und was wir uns noch fragen: Warum tut sich Martin Semmelrogge das an?…

Unser Fazit

Problem eins: Friede, Freude, Eierkuchen will einfach keiner sehen. Ohne etwas Häme und Schadenfreude geht’s halt eben doch nicht. Problem zwei: Die Premiere gegen „Kampf der Realitystars“ zu setzen ist unclever, wo doch deren Fans dieser Show wissen wollen wie es nach fünf Wochen weitergeht.

Und drittens: Die Zuschauer haben offensichtlich allmählich genug von den immer gleichen Formaten mit denselben Gesichtern und gleichen Konzepten.