ABBA lange Zeit verschmäht – aber Punkrocker Sid Vicious stalkte Agnetha und Frida

Paul VerhobenPaul Verhoben | 27.10.2021, 23:10 Uhr
ABBA lange Zeit verschmäht - aber Punkrocker Sid Vicious stalkte Agnetha und Frida
ABBA lange Zeit verschmäht - aber Punkrocker Sid Vicious stalkte Agnetha und Frida

IMAGO/ Everett Collection/ IMAGO/ Allstar

Der große Erfolg in den 1970en war vor allem ein internationaler. ABBA sollen in Schweden während ihrer Blütezeit wie "Feinde" behandelt worden sein. Während die Kritiker erst ein Jahrzehnt danach vor Ehrfurcht erstarrten, outete sich Sex-Pistols-Bassist schon früh als Megafan.

Die ikonische Popgruppe, zu der die Musiker Agnetha Faltskog, Bjorn Ulvaeus, Benny Andersson und Anni-Frid Lyngstad gehören, wurde von der „progressiven Bewegung“ in Schweden nicht gemocht, als sie zum ersten Mal auf der Bühne auftauchten.

ABBA waren schon immer eine äußerst erfolgreiche Band, allerdings jahrelang von der Kritik verschmäht. Und niemand nahm an, dass sie jemals ein Leben nach dem Tod haben würden. Die Zeiten haben sich gewandelt.

ABBA lange Zeit verschmäht - aber Punkrocker Sid Vicious stalkte Agnetha und Frida

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„Es war uncool ABBA zu mögen“

Björn Ulvaeus erinnert sich an die Anfänge und das Ende in den 1970ern und Anfang der 1980er Jahre und erklärte in einem Gespräch mit dem britischen „Guardian“: „Anfang der 80er Jahre, als wir mit den Aufnahmen aufhörten, fühlte es sich so an, als ob Abba komplett fertig wären und es kein Gerede mehr darüber geben würde. Die Band war eigentlich tot. Es war so uncool, Abba zu mögen.“

Hinzu kam, dass ihre Heimat ihnen die liebe zunächst entzog. „Wissen Sie, in Schweden gab es diese progressive Musikbewegung und wir waren die Feinde.“ Allerdings machte sich die Band keine allzu großen Sorgen über die Reaktion in Schweden, da sie längst zu einer der beliebtesten Popgruppen der Welt wurden. Björn fügte hinzu: „Ich persönlich habe das alles nicht beachtet – das bedeutete mir gar nichts, auch wenn sie uns hassten. Weil wir so viel Resonanz von der ganzen Welt bekommen haben. Von Anfang an hatten wir zeitgenössische Kollegen, Musiker, denen gefiel, was wir machten.“

Sid Vicious verfolgte Agnetha und Frida

Björn und Benny leben immer noch gerne in Schweden, das Star-Sein schien nie so ihr Ding. „Ich glaube, es hat geholfen, in Schweden zu leben; schwedisch zu sein hat geholfen“, so Benny Andersson in dem großen Interview mit dem „Guardian“. „Hier gab es kein Aufsehen. Die Leute haben uns erkannt, das tun sie immer noch, jeder tut das, aber sie haben uns nie belästigt – keine Hysterie, nichts dergleichen. Es ist cool. Wir haben hier immer arbeiten können.“

Unvergessen diese Anekdoten: Die Sex Pistols verrieten mal, dass ihre Single „Pretty Vacant“ auf dem ABBA-Hit „SOS“ basierte, und ein völlig hysterischer Sid Vicious, Bassist der Punk-Band, verfolgte Agnetha und Anni-Frid einmal durch den Stockholmer Flughafen, sehr zum Leidwesen der beiden weltberühmten Damen.

Wie sich das Ansehen der Band seit den 1990ern wandelte

Dennoch: Mastermind und ABBA-Komponist Benny Andersson gab auch zu, dass er bis heute nicht verstehen konnte, wie sich die Wahrnehmung der Gruppe im Laufe der Jahrzehnte so stark verändert hat. Er dachte lange über die sich ändernden Ansichten der Kritiker nach und verriet: „Es ist schwer zu ergründen, weißt du, das verstehe ich wirklich nicht.“

Aber wahrscheinlich ist genau das hier das Geheimnis für den Erfolg seit den 1990er Jahren: Eine Generation, die als Kleinkinder mit der Musik von ABBA aufgewachsen waren, in einem Alter, in dem die angebliche Coolness oder das Gegenteil von kommerzieller Musik Einfluss auf den Zeitgeist zu haben schien, war einfach erwachsen geworden.

Damit hatte sich auch die Meinung der Kritiker grundlegend geändert. Das Werk von Ulvaeus und Andersson wurde nicht mehr belächelt wie früher, sondern mit Ehrfurcht als das Werk der größten Pop-Songwriter ihrer Zeit betrachtet.

ABBA „Voyage“ als Abschluss einer einzigartigen Weltkarriere

ABBA waren vor kurzem mit ihrem lang erwarteten neuen Album „Voyage“ ins Rampenlicht zurückgekehrt.

Es ist das erste Album seit 40 Jahren: Zehn neue Songs, die die ursprüngliche Band zum ersten Mal seit der Trennung, die durch die Scheidung der Eheleute herbeigeführt worden war, wieder im Studio zusammenbrachten. Und nicht nur das, es sollte auch ein neues „Live-Erlebnis“ in einer extra gebauten Halle in London geben. Erstaunlich, dass über mehrere Jahre niemand den im Internet veröffentlichten Bauantrag bemerkt zu haben schien! Die Pläne zum Comeback wurden schließlich 2016 schon ausgeheckt und die ersten neuen Songs waren auch schon 2017/2018 fertiggestellt.

Wie dem auch sei: Alles dreht sich in den bisher noch nie dagewesenen Spektakel um die futuristischen, nicht gealterten „Abbatare“, die eine möglicherweise nie wieder enden wollende Reihe von weiteren Shows in vielen Ländern der Welt nach sich ziehen werden. (Bang/KT/The Guardian)