Freitag, 16. November 2018 19:35 Uhr

Rod Stewart in unserem Interview: „Ich brauche drei Outfits pro Tag“

Foto: Universal Music

Rod Stewart sollte heute Abend einen Bambi für sein Lebenswerk als „Legende“ entgegennehmen. Die Reise musste der Fußball-Fan absagen, er hat sich beim Fußballspielen verletzt. Der Popstar schickte aber ein Entschuldigungs-Video  an die Veranstalter. Was noch bleibt ist ein frisches Interview mit dem Meister!

Rod Stewart in unserem großen Interview: „Ich brauche drei Outfits pro Tag“

Foto: Universal Music

Als es Sir Rod Stewart mit anderthalb Stunden Verspätung doch noch in die Suite des Grand Hyatt Hotels in Berlin schafft, hat er seine schöne Modell-Tochter Renee (26) im Schlepptau: „Damit beim Interview alles Fairplay abläuft“, scherzt der 73-Jährige Sänger mit der Struwwelfrisur.

Warum er zu spät ist? Er ist in der Berliner Innenstadt noch seinem großen Hobby nachgegangen – dem Shoppen nämlich. Momentanes Lieblingslabel: „Zara“. Danach hat er sich noch mit einem ausgiebigen Eier-Frühstück gestärkt – so viel Zeit muss schließlich sein. Nun steht er wie aus dem Ei gepellt in weißem Streifenanzug und Gucci-Pantoffeln in Gepard-Optik vor uns. Und das ist der Mann mit der Reibeisenstimme, der weit über 100 Millionen Tonträger verkauft hat, wirklich. Mit klatsch-tratsch.de-Autorin Katja Schwemmers sprach Stewart über seine Tochter, seine Hobbys und seine Lieben.

Rod Stewart: Sorry, ich wollte heute Morgen einfach mal etwas Zeit mit meiner Tochter verbringen, daher die Verspätung.

Sie waren shoppen!
Richtig. Momentan hab ich den totalen „Zara“-Tick. Ich habe dort einen Mantel für 135 Euro für meinen langgedienten Tourmanager gekauft, einige Hoodys und noch ein bisschen Kleinkram. Ich liebe „Zara“.

Reagieren die Leute nicht überrascht, wenn Sie plötzlich im Laden stehen?
Schon, aber noch bevor sich das legt, bin ich schon wieder raus aus dem Laden. Ich habe den Eindruck, dass sich alle immer über meinen Besuch freuen.

Warum erledigen Sie Ihre Einkäufe nicht online?
Ich habe Spaß an dem Erlebnis! Ich liebe den Moment, wenn ich den Laden betrete. Ich besorge mir gerne meine Sachen aus erster Hand. Da bin ich altmodisch.

Haben Sie eine Mode-Regel?
Oh ja, die lautet: drei Outfits pro Tag! Mindestens! So war ich schon immer drauf. Kleidung und Mode hat mich stets fasziniert. Ich sehe sie als Erweiterung meiner Persönlichkeit. Es heißt ja: „Moden kommen und gehen. Aber Stil hat man für immer.“ Das möchte ich auch für beanspruchen.

Rod Stewart in unserem großen Interview: „Ich brauche drei Outfits pro Tag“

Foto: Universal Music

Beim wievielten Outfit sind Sie denn heute?
Beim ersten. Das werde ich wohl noch eine Weile tragen müssen, so viel wie ich heute arbeite.

Begleiten Ihre Kinder Sie oft auf Shoppingtrips in die Metropolen?
Oft, aber ich kann sie nie überzeugen, irgendetwas zu kaufen. Renee ist sehr unmaterialistisch. Ihr Bruder Liam auch. Das ist eine wunderbare Qualität! Und es spart mir eine Menge Geld. Ganz anders ist es übrigens bei den anderen zwei Brüdern von Renee: Die wollen immer alles haben. Aber egal, ich habe einfach tolle Kinder!

Vermissen Sie Ihre Kinder?
Immer! Deshalb hab ich diesmal ja meine Tochter mitgenommen. Ich vermisse auch meine Frau, obwohl ich erst seit gestern von ihr getrennt bin. Ich bin einfach so sehr verliebt. Ich habe mich liebestechnisch nie in einer besseren Position befunden als jetzt. Ich musste erst mal diejenige finden, die ich lieben kann und der ich diese Liebe geben wollte. Das hat echt lange gedauert.

Auf Ihrer neuen Platte sind aber auch viele Songs über vergangene Beziehungen, oder?
Gar nicht mal so viele. Die Leute denken immer, man muss verliebt sein, um einen Love-Song zu schreiben und entliebt, um einen Herzschmerzsong hinzukriegen. Überhaupt nicht! „You’re In My Heart“ ist ein wundervolles Liebeslied, das ich 1977 schrieb, als ich niemanden an meiner Seite hatte. Es ist also nicht biografisch. Wenn man sich „Cold Old London“ vom neuen Album anhört, ist das kein persönlicher Song über mich, aber er könnte es sein. Denn ich war schon ein Playboy in meiner umtriebigsten Zeit. Es ist doch nichts trauriger, als wenn jemand älter wird und nicht die Liebe findet, die er haben sollte. „Rest Of My Life“ ist inhaltlich genau das Gegenteil: Es ist ein Lied über einen Typen, der die Liebe sehr spät in seinem Leben findet. Er sitzt erst nur auf dem Sofa seiner Mutter und isst Pizza. Und als sie ihn vor die Tür setzt, findet er jemanden. Ich mag solche Geschichten, auch wenn sie nicht viel mit meinem Leben zu tun haben.

Gibt es Hits von Ihnen, die Ihnen heute peinlich sind?
Nicht wirklich. Aber es gibt Videoclips, bei denen ich mich ducken muss. „Tonight’s The Night“ zum Beispiel. Da trage ich so viel Make-Up. Oder „Da Ya Think I’m Sexy?“.

Rod Stewart in unserem großen Interview: „Ich brauche drei Outfits pro Tag“

Foto: Universal Music

Es heißt, Sie hätten ein Duett-Album mit der anderen Reibeisenstimme Bonnie Tyler aufgenommen. Stimmt das?
Nein, das ist nur ein Gerücht. Wir haben einen einzigen Song zusammen eingesungen, das war alles. Der wird demnächst auf ihrem Album erscheinen. Ich wollte unbedingt mal mit ihr singen, ich habe sie immer bewundert, und ich glaube, sie mich auch. Aber es ist nur ein Song. Also lassen Sie uns diesen Mythos schnell beerdigen.

Mit „Farewell“ haben Sie einen Beerdigungssong geschrieben.
Es ist mein erster Song, der wohl auf Beerdigungen gespielt werden dürfte. Es fühlt sich gut an, Menschen so die letzte Ehre zu erweisen. Ich habe das Lied für einen sehr guten Freund von mir geschrieben, der vor vier Jahren verstorben ist. Er kannte mich schon in den Sechzigern, bevor ich berühmt war. Wir sind zusammen aufgewachsen. Er war immer ein Held für mich.

Früher waren Sie für die Öffentlichkeit der Weiberheld. Aber irgendwie erinnern Sie an einen schwulen Mann in einem heterosexuellen Körper.
Ja, da haben Sie absolut Recht. Ich liebe die Welt der Schwulen. Ich mag das Theater daran, das Drama, die Charaktere. Es ist wundervoll. Ich habe einen schwulen Manager. Ich bin mein ganzes Leben lang von schwulen Männern umgegeben gewesen. Vielleicht hat das abgefärbt.

Inwiefern?
Ich mag Mode, ich habe keine Scheu, mit schönen Servietten am Tisch zu sitzen. Und ich liebe es, Shoppen zu gehen mit meiner Frau. Ich bin stolz auf meine feminine Seite. Aber genauso stolz bin ich, wenn ich auf dem Bolzplatz den Fußball kicke und danach mit meinen Kumpels einen trinken gehen kann. Ich stehe auf beide Enden der Skala und genieße das Beste der zwei Welten. Und die Schwulen lieben mich!

Wie erklären Sie sich das?
Ich habe 1976 das Lied „The Killing Of Georgie“ geschrieben, in dem es um die wahre Geschichte eines Homosexuellen geht, der in New York umgebracht wurde und der ein Freund meiner früheren Band Faces war. Für die damalige Zeit war das Lied gewagt. Die BBC verbannte es aus ihrem Programm. Aber es ist mir jetzt schon oft passiert und gibt mir jedes Mal einen großen Kick, wenn Schwule zu mir kommen und sich für den Song bei mir bedanken: „Ich habe es so sehr gebraucht, glauben zu können, dass jemand auf meiner Seite ist“, sagte neulich einer. Jemandem damit geholfen zu haben, bedeutet mehr für mich als alles andere.

Haben Sie sich jemals mit einem Mann ausprobiert?
Denken Sie, wenn ich es ausprobiert hätte, würde ich es Ihnen sagen? (lacht) Nein, nein, nein, kein Mann war in der Nähe meines Hinterns.

Aber Berührungsängste mit Männern haben Sie auch nicht.
Überhaupt nicht. Ronnie Wood (von den Rolling Stones, Anm. d. Red.) ist einer meiner besten Kumpels. Wenn wir uns sehen, gibt es immer Küsse und innige Umarmungen. Ich liebe ihn zutiefst.

Rod Stewart in unserem großen Interview: „Ich brauche drei Outfits pro Tag“

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Ist der Macho Rod Stewart also eine Fehlinterpretation?
Ja, absolut. Ich denke sogar, weil ich im Einklang mit meiner femininen Seite stehe, macht es aus mir einen viel besseren Partner. Es lässt mich Frauen verstehen. Es mag eine lange Zeit gebraucht haben, sie zu verstehen, aber ich weiß heute, wie sie ticken.

Mussten Sie dennoch Beziehungen zu Frauen überdenken, nachdem die #MeToo-Debatte aufkam?
Ich habe mich nie auf eine Frau draufgeschmissen, mich nie aufgedrängt oder sie genötigt, etwas zu machen, was sie nicht will. Auf meiner neuen Platte gibt es sogar ein Lied darüber. Mit „Look In Her Eyes“ sage ich den Typen: „Tretet einen Schritt zurück und nehmt euch Zeit. Nur weil eine Frau dir ein Augenzwinkern schenkt, heißt es nicht, dass Sex zwingend passieren muss. Es bedarf immer eines tiefen Blicks in die Augen einer Frau.“

Sie haben in den letzten Tagen Ihren Unmut über Trumps herzlose Reaktion auf die Waldbrände in Kalifornien kundgetan. Aber eigentlich sind Sie doch befreundet, oder?
Wir leben in derselben Straße in Palm Beach eine halbe Meile voneinander entfernt. Ich ging früher immer zu all seinen Partys. Aber momentan wird nicht mehr viel gefeiert: Er ist viel zu beschäftigt. Als Freund hat er mich immer mit größtem Respekt behandelt, ich kam sehr gut mit ihm klar. Als Präsident, nun, was soll ich da Neues erzählen? Wir wissen ja, was er so macht und dass er nicht wirklich agiert, wie es eines Präsidenten würdig wäre. Wir leben in Angst einflößenden, tragischen Zeiten – da ist so viel Spaltung. Wir haben den Westen und wir haben China und Russland. Russland am einen Ende – das ist absolut spaltend für die Gesellschaft. Aber egal, ich will hier nicht den Politiker geben. Ich wurde auch schon so oft falsch zitiert, dass das in meinem Bewusstsein ist, wenn ich darüber rede.

Ist Ihre Platte deshalb so gar nicht politisch?
In der Musik brauche ich das nicht. Aber ich bin ein überaus politischer Mensch und begeisterter Nachrichten-Zuschauer – damit starte ich in den Tag. CNN ist so anti-Trump, es ist lächerlich. Dann schalte ich um auf Fox, um die andere Seite zu hören. Und die goldene Mitte ist CNBC, die dir eine faire Darstellung davon geben, was gerade vor sich geht. Glauben sie mir: Ich bin wirklich weit davon entfernt, in einer Blase zu leben und nicht zu wissen, was um mich herum passiert.

Im Oktober 2016 wurden Sie von Prinz William zum Ritter geschlagen. Ist es nicht sonderbar, vor einem anderen Mann in die Knie zu gehen?
Nein, das fühlte sich überhaupt nicht komisch an. Das war ein denkwürdiger Tag. Die Sache hat mein Leben zwar nicht großartig verändert, ehrlich gesagt sogar überhaupt nicht. Aber es ist schon toll, wenn ich in ein Hotel komme und sie mich begrüßen mit „Sir Rod“. Wem würde das nicht Spaß machen?

Am Freitag werden Sie mit dem Bambi als „Legende“ ausgezeichnet. Was kommt denn als nächstes: Ihr eigenes Biopic?
So wie Freddie Mercury und bald auch Elton John? Ich glaube, der Film über mich muss warten, bis ich im Himmel bin. Das ist hoffentlich noch in weiter Ferne. Es gab mal eine Zeit, da wollte ich mit Freddie und Elton eine Supergroup gründen – wussten Sie das?

Foto: Universal Music

Nein.
Das war in einer feuchtfröhlichen Nacht, es muss in den späten Achtzigern gewesen sein. Wir tranken und kamen auf die Idee, uns zu einer Band namens Hair, Nose und Teeth zusammenzuschließen. Es gibt auch eine Aufnahme des Queen-Songs „Let Me Live“ mit meinem Gesang. In dem Moment meinten wir das jedenfalls echt ernst. Ich sollte die Nase sein, Freddie die Zähne und Elton die Haare.

Sind Sie sich da sicher mit den Haaren?
Ja, so war das. Man hätte ja noch jonglieren können, ob Elton besser die Nase gibt.

Wie ist denn die Stimmung zwischen Elton John und Ihnen, nachdem Sie seine Abschiedstour als PR-Trick kritisiert haben?
Wir sind noch nicht wieder Freunde geworden, aber die Zeit läuft uns ja nicht weg. Elton ist nun erst mal beschäftigt und für ein paar Jahre auf Pensionstour.

Sie wissen nie, wie viel Zeit bleibt.
Das sagt meine Frau auch immer! Es ist schon traurig, wie viele Legenden uns in den letzten Jahren verlassen haben. Da ist so viel Mysterium um die Tode. Ob der Abschied von der Bühne oder der Abschied vom Leben – bei mir wird es jedenfalls keine großartigen Inszenierungen geben. Meine Asche soll die Toilette runtergespült werden. Das ist nett und geht schnell.

Haben Sie bis dahin noch Wünsche, die Sie sich erfüllen möchten?
Ich hatte ein wundervolles Leben. Ich kann mir nichts anderes wünschen, als Gesundheit und Glück für meine Kids, und natürlich will ich auf der Erde bleiben, so lange ich kann. Okay, ein Triple für den Celtic Glasgow wäre ein Fußballwunsch von mir. Und mehr Zusammenhalt auf der Welt und Verständnis für einander wären schön, denn momentan scheint alles auseinanderzufallen. Ob ich das alles noch erleben werde, liegt bis zu einem gewissen Punkt auch in meinen Händen.

Wie meinen Sie das?
Männer sind verschrien dafür, nicht zu Ärzten zu gehen und sich zu wenig um sich selbst zu kümmern. Ich bin genau das Gegenteil davon. Ich genieße alle Vorteile der modernen Medizin. Da gibt es so viel technisches Gerät, das du heutzutage dafür einsetzen kannst, um sicher zu gehen, dass du okay bist. Ich gehe ständig zur Blutabnahme. Das ist fast schon ein Tick von mir. Wenn jemand all diese Möglichkeiten ignoriert, macht er das auf eigene Gefahr.

War Ihre Schilddrüsen-Krebserkrankung im Jahr 1999 ausschlaggebend dafür?
Das war eine schlimme Zeit für mich. Ich dachte auch, ich würde nie wieder singen können. Aber ich habe immer schon sehr auf mich geachtet. Den Tumor haben die Ärzte ja überhaupt erst gefunden, weil ich damals bei der Vorsorgeuntersuchung war.

Und im Bezug auf Ihre Karriere sind Sie wunschlos glücklich?
Ich erwarte nicht, dass ich Trillionen von Exemplaren von der neuen Platte verkaufe. Ich hatte meine Zeit, mit „Blondes Have More Fun“ zum Beispiel, davon habe ich 50 Millionen verkauft. Aber wenn die neuen Songs auch ein paar Wellen schlagen, freut mich das natürlich.

Basteln Sie eigentlich immer noch an Ihrer Modelleisenbahn herum?
Nein, die ist nun fertig, und ich plane auch keine neue. Es hat 23 Jahre meiner Zeit verschlungen. Es ist das beste Hobby überhaupt. Ich liebe es. Nun geht es nur noch um die Instandhaltung, um sie Leuten zu zeigen. Es wird bald eine Dokumentation darüber im Fernsehen zu sehen sein. Alle meine Kinder werden darin vorkommen – und ihre Gedanken zu meinem Hobby. Als Renee klein war, hat sie die Jalousien, Vorhänge und Klimaanlagen in den Hochhäusern der Anlage angebracht, obwohl sie so kurz war, dass sie kaum ranreichen konnte. Ich habe ihr 20 Dollar die Stunde dafür gezahlt. Aber das ist lange her.

Es heißt, Sie versteigern gerade einiges an Rock’n’Roll-Mobiliar aus Ihrer Villa.
Nur die Möbel. Die waren so lange im Lager untergebracht. Und ich hänge an solchen Dingen nicht. Bei Möbeln ist es doch so: Du verliebst dich in ein Teil und dann entliebst du dich wieder. Wir haben also eine Auktion eingerichtet; das meiste Geld wird der Wohltätigkeit zu Gute kommen. Nicht alles, aber das meiste. Meine Sammlung viktorianischer Malereien, die ich Anfang der Achtziger begonnen habe, bleibt davon jedoch unberührt.

Die bedeutet Ihnen zu viel?
Oh, ja. Ich habe mittlerweile 120 Ölgemälde in verschiedenen Häusern hängen. Und nun hinterlasse ich diese meinen Kindern. Renee fragt mich immer: „Dad, warum kaufst du immer alle diese Gemälde?“ Aber die werden im Wert durch die Decke gehen, meine Kinder werden also davon etwas haben. Und die darauf abgebildeten Damen sind so wunderschön, wie sie so da liegen und ihnen die Brüste raushängen. Sehr romantisch.

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