Neue Netflix-Serie: Die irre Geschichte von Hochstaplerin Anna Sorokin

Sophia VölkelSophia Völkel | 07.02.2022, 22:07 Uhr
Neue Netflix-Serie: Die irre Geschichte von Hochstaplerin Anna Sorokin
Neue Netflix-Serie: Die irre Geschichte von Hochstaplerin Anna Sorokin

© Aaron Epstein/Netflix © 2021

Anna Sorokin brachte mehrere Unternehmen, Geschäftsleute und sogar ihre eigenen Freunde um viel, viel Geld. Die Geschichte der Hochstaplerin, die eigentlich Anna Delvey heißt, wird nun in einer Netflix-Serie thematisiert.

Eine junge Frau aus Deutschland geht nach New York um den großen Traum von einem luxuriösen Leben zu verwirklichen. Sie schafft das, was sich viele nur erträumen: teure Essen, Reisen zu den schönsten Orten der Welt, Aufenthalte in den glamourösesten Hotels. Doch womit finanziert sich das Mädchen aus Eschweiler diesen Luxus? Es sei so viel gesagt: nicht mit ihrem eigenen Geld.

Der Fall Anna Sorokin sorgt für weltweites mediales Interesse. Sie wurde bekannt als die wohl dreisteste Hochstaplerin der letzten Jahre – nun wurde ihre Geschichte auch noch verfilmt. Die Netflix-Miniserie „Inventing Anna“ beleuchtet die Geschehnisse rund um das Mädchen, das alle betrog.

Neue Netflix-Serie: Die irre Geschichte von Hochstaplerin Anna Sorokin

Foto: Netflix

Der Beginn ihres Wahnsinns-Betrugs

Delveys Betrug wurde zum ersten Mal weitläufig bekannt, als ein viel gelesener Artikel von Jessica Pressler aus dem New Yorker Magazin 2018 erschien. Er dokumentiert detailreich, wie Anna Sorokin New Yorker Unternehmen und auch ihre engsten Freunde um insgesamt 275.000 US-Dollar erleichterte.

Trailer: Netflix-Serie über russisch-deutsche Hochstaplerin Anna Sorokin

Die Masche, mit der es die Russin so weit schaffte, scheint fast zu einfach. In Paris begann die geborene Anna Sorokin 2013 bei einem renommierten Mode-Magazin zu arbeiten, gab sich dort bereits als Anna Delvey aus. Ihr erstes Opfer war ein Kollege, dem sie am Telefon weinend erzählte, sie würde 700 Euro benötigen. Am nächsten Tag hätten 35.000 Dollar auf seiner Kreditkarte gefehlt. Und so ging es immer weiter.

Anna gab sich zudem als deutsche Erbin mit einem Treuhandfond in Höhe von 67 Millionen Dollar aus, ging in exorbitant teuren Restaurants essen und übernachtete in Hotels, die jegliches Monatseinkommen übersteigen.

Fast vier Jahre schummelte sich die angebliche Erbin durch die Hotspots Manhattans, zwischenzeitlich lieh sie sich immer wieder Geld von Freunden, meist von denen, die sie gerade neu kennengelernt hatte. Auf ihr Konto gehen außerdem diverse Betrügereien bei Banken, Kunstbetrieben und Investmentfirmen.

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Foto: imago / Zuma Wire


Urlaub mit Freunden – Anna wollte zahlen

Dann verbrachte Anna Sorokin eines schönen Tages mit ihrem damaligen Freund und einer Freundin einen Urlaub in Marokko. Natürlich in einem der teuersten Luxus-Hotels des Landes. Sie ließ sich ablichten auf der Dachterrasse vor einer Wahnsinns-Kulisse wie in einem Hollywood-Film, gegessen wurden nur die feinsten Speisen und Anna orderte sogar einen Helikopter für einen Ausflug nach Casablanca. Alles, weil sie angeblich das nötige Geld besaß.

Das böse Erwachen kam nach dem Urlaub dann aber für ihre Freundin, der ehemaligen „Vanity Fair“-Fotoredakteurin Rachel DeLoache Williams. 62.000 Dollar – mehr als die Redakteurin in einem Jahr verdient hatte  –  wurden von ihrer Kreditkarte abgebucht. Sie blieb auf den gesamten Kosten sitzen.

Anna Delveys Verurteilung

Im April 2019 wurde Delvey dann wegen vierfachen Diebstahls, dreifachen Großdiebstahls und einem versuchten Großdiebstahl zu mindestens vier Jahren Gefängnis verurteilt. Seit Februar 2021 ist sie wieder auf freiem Fuß, sie kam auf Bewährung frei. Im März wurde sie dann allerdings von der Einwanderungs- und Zollbehörde festgenommen, weil ihr Visum abgelaufen war. Ihr droht die Abschiebung zurück nach Deutschland. Eines kann sie allerdings von sich behaupten: sie ist schuldenfrei, dank der von Netflix produzierten Serie über sie und ihre Schandtaten in der High Society, denn das Geld für das sie ihre Geschichte praktisch der ganzen Welt verkaufte, bekam sie selbst ausgezahlt.

„Selbst als alles über ihr zusammenbrach wie ein Kartenhaus, floh sie von einem Luxushotel zum nächsten, dem Gesetz immer einen Schritt voraus.“
(Richterin Diane Kiesel)

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Foto: Netflx

Netflix-Star traf die Hochstaplerin

Julia Garner, die die Rolle der Betrügerin Anna Delvey in der kommenden Netflix-Serie „Inventing Anna“ spielt, traf die echte Sorokin sogar im Gefängnis und fand sie tatsächlich sympathisch, wenn auch scheinbar reuelos. Im Gespräch mit „Town & Country“ sagte Garner über Delvey: „Sie ist eigentlich wirklich süß. Sie war äußerst charmant. Sie ist sehr sanft. Aber ihre Stimme wird scharf, wenn sie etwas will.“

Als Garner sie fragte, was sie im Gefängnis gemacht habe, antwortete die heute 31-Jährige, dass Kurse in Schneiderei und „dumme Kochkunst“ besucht hätte. Eines machte sie dann aber noch klar: „Ich werde mir ganz sicher nicht selbst Essen machen, wenn ich aus dem Gefängnis komme.“ Obwohl Garner das, was Delvey tat, aufs Schärfste verurteilt, so sieht sie in der Betrügerin auch eine „große Träumerin“ – etwas, das sie beide gemeinsam hätten.

So ging es mit Anna Sorokin weiter

Netflix hat ihre Hochstaplergeschichte für 320.000 Dollar gekauft und daraus nun eine neunteilige Serie gemacht. Ihre zweijährige Untersuchungshaft wurde Sorokin angerechnet, daher kam sie im Februar 2021 auf Bewährung auf freien Fuß. Und dann?

Die Behörde Office of Victim Services in Albany, New York, hat angeordnet, dass aus diesem Erlös die City National Bank im Zusammenhang einer Sicherheits-Prüfung der Investmentgesellschaft Fortress eine Erstattung von 100.000 Dollar bekommt. Für ungedeckte Schecks sind der Citibank 70.000 Dollar zugesprochen worden. Ferner sind laut „Spiegel“ Sorokins „Anwaltskosten aus dem Betrag getilgt worden, der Rest sei an Anna Sorokin ausgezahlt worden“. Übriggeblieben ist ihr nichts.

Mit ihrem Instagram-Account macht sie unter ihrem Pseudonym Anna Delvey seit ihrer Entlassung weiter.

Die von Shonda Rhimes produzierte Serie mit 10 Folgen feiert am 11. Februar Premiere auf Netflix.