Toni Kroos, Niklas Süle, Sloane Stephens &. Co.: Wie gegen Sportstars im Netz gehetzt wird

Toni Kroos, Niklas Süle, Sloane Stephens &. Co.: Wie gegen Sportstars im Netz gehetzt wird
Toni Kroos, Niklas Süle, Sloane Stephens &. Co.: Wie gegen Sportstars im Netz gehetzt wird

Foto: IMAGO / UPI Photo

11.09.2021 20:41 Uhr

Auf Social Media urteilt es sich bekanntlich leicht. Hinter der Anonymität im Internet sinkt die Hemmschwelle, verbale Attacken und übelste Beleidigungen gegen Personen der Öffentlichkeit stehen an der Tagesordnung. Auch Sportler werden immer öfters zur Zielscheibe.

Sie schießen Tore, feiern Siege und füllen die Arenen dieser Welt. Was aber passiert, wenn der sportliche Erfolg ausbleibt und die Fans enttäuscht werden? Das wissen Weltstars, wie die Fußballer Toni Kroos (31, Real Madrid) und Niklas Süle (26, Bayern München), nur zu genau. Dann drehen sich die Emotionen ganz schnell um, aus Lob und Zuneigung wird Hass und tiefste Abneigung.

Neuestes Opfer von Cybermobbing-Attacken ist die US-amerikanische Tennisspielerin Sloane Stephens. Die 27-Jährige verlor vor wenigen Tagen ihr Match bei den US Open gegen Angelique Kerber (33) und schied damit aus dem Turnier aus. Im Anschluss veröffentlichte die frühere US-Open-Siegerin eine Flut an wütenden Nachrichten und Drohungen.

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Auch Fußballer Toni Kroos ( Real Madrid) wurde schon Opfer von Cybermobbing

Foto: IMAGO / ZUMA Wire

Vergewaltigung, Körperverletzung und Gefängnis

„Ich bin auch nur ein Mensch. Nach meinem Spiel habe ich mehr als 2.000 Missbrauchs- und Wut-Kommentare erhalten“, schrieb sie nach Spielende auf Instagram. „Es ist so hart, Nachrichten wie diese zu lesen, aber ist poste ein paar davon, damit ihr seht, wie es so ist nach einer Niederlage.“

Und diese Messages hätten übler und verletzender nicht sein können. Stephens wurde unter anderem Vergewaltigung, Körperverletzung und eine Zeit im Gefängnis angedroht und gewünscht. „Diese Art von Hass ist so erschöpfend und hört nie auf“, schrieb die aktuelle Nummer 53 der Welt weiter. „Darüber wird auch nicht genügend gesprochen, und es nervt.“

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So übel wurde Tennisspielerin Sloane Stephens im Netz beleidigt

Foto: Instagram/Sloane Stephens

Aktion gegen Cybermobbing: #UniteAgainstHate

Dem versuchte die Kölner Agentur SPORTS 360, die Fußballprofis und Vereine berät, im Februar dieses Jahres entgegenzutreten. Unter dem gemeinsamen Hashtag #UniteAgainstHate stellten sich bekannte Fußballer, darunter etwa Toni Kroos und Niklas Süle, gegen verbale Hass-Angriffe im Netz. In einem Video lesen gleich mehrere Profis schlimme Kommentare und Nachrichten vor, die sie – oft anonym bei Facebook, Twitter und Instagram – im Laufe ihrer Karriere empfangen haben.

„Was sich einige Menschen hinter anonymen Profilen erlauben ist weit unter der Gürtellinie, manchmal sogar im strafrechtlichen Bereich“, sagte Kroos zu der Aktion. Beiträge wie „Wirf dich vor den Zug“, „Ich hoffe, du stirbst in der Hölle“ oder „Ich stech dich ab“ stehen leider an der Tagesordnung. Oft wird sogar die ganze Familie des Sportlers bedroht.

Klar, dass solche Nachrichten keinen Menschen unberührt lassen. Auch nicht im knallharten Profigeschäft. „Ich hab es schon mehrfach gesagt: Social-Media-Verantwortliche müssen einen Weg finden, die Anonymität im Netz abzuschaffen. Meinung ist okay, aber Hass ist keine Meinung“, so Kroos weiter.

Auf Ursachenforschung…

Warum diese Art von verbaler Gewalt in den letzten Jahren stark zugenommen hat, liegt auf der Hand. Der freie Zugang zu allen Social Media Plattformen macht es möglich, ein Account ohne echten Namen ist leicht erstellt. Und damit die Eintrittskarte in die private Welt der Stars, besonders auf Instagram und Twitter.

Die exorbitanten Gehälter der Top-Profis, die tatsächlich in keinem Verhältnis zum Einkommen der Gesamtbevölkerung stehen, verschärfen die Agressivität im Netz. Promis, die ihr augenscheinlich perfektes Leben zur Schau stellen, werden leicht zur Zielscheibe der aufgebrachten Menge. Zugleich nehmen sich viele Fans mit dem Kauf einer (teuren) Eintrittskarte das Recht heraus zu urteilen – und zu beleidigen.

Gerade in so einem emotionalen und sensiblen Umfeld wie der Sportlandschaft, in dem Millionen Menschen nahezu täglich ihre Leidenschaft ausleben, sind diese einzelnen Puzzleteile kaum zu kontrollieren. Dafür ist das öffentliche Interesse zu groß.

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Die Fans einer Mannschaft überschreiten oft verbale Grenzen

Foto: IMAGO / Thomas Zimmermann

Grenzenlose Sucht nach Sportwetten

Und noch etwas zieht sich besonders bei beliebten Einzelsportarten, wie etwa Tennis, wie ein roter Strich durch die Kommentare. Es sind oft Beleidigungen und Drohungen von Personen, die auf den Ausgang eines Spiels viel Geld gesetzt – und verloren haben.

Klar, dass in dem Zusammenhang eine Menge Frust und Wut aufkommen. Der Kick und die Sucht hinterlassen oft hohe Schulden, aus denen es kaum ein Entkommen gibt. Die hasserfüllten Nachrichten dienen als Ventil, dem Ärger freien Lauf zu lassen.

Denn das Sportwetten-Business boomt, alleine in Deutschland erwirtschaften bekannte Wettanbieter (u.a. „Tipico“, „Bet365″) Jahr für Jahr Umsätze in Milliardenhöhe. Denise Coates, Gründerin und Vorstandschefin von „Bet365″, zählt laut Magazin „Spiegel“ mit einem Vermögen von angeblich rund 14 Milliarden Euro zu den reichsten Frauen in Großbritannien.

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Das Sportwettengeschäft läuft weltweit auf Hochtouren

Foto: Shutterstock/Tobias Arhelger