Fame durch Fluppe – So erlebte das Rauchen sein Coolness-Comeback

Foto: Philippe Goulet / unsplash.com

AvatarSebastian Wagner | 23.02.2026, 10:20 Uhr | ANZEIGE

In den 1950er-Jahren war James Dean mit seinem ikonischen Slick Back und der Zigarette im Mundwinkel ein echter Teenie-Schwarm. Später, in den 1990er-Jahren, wurden Stars wie Supermodel Kate Moss oder Schauspieler Johnny Depp häufig mit dem sogenannten Glimmstängel zwischen den Fingern fotografiert.

Dann jedoch wurde es deutlich ruhiger um das Tabakerzeugnis. Rauchen galt zunehmend als uncool.

Bis in die 2020er-Jahre. Denn bereits 2025 erlebte die Zigarette ihr Coolness-Comeback. Popstar-Ikonen wie Charli XCX oder Addison Rae rauchen wieder ganz selbstverständlich – privat oder auf der Bühne.

Doch wie kommt es, dass gerade das Rauchen in einer Generation, die viel auf einen „healthy Lifestyle“ gibt, wieder en vogue wird?

Vom ungesunden Laster zum Symbol der Unabhängigkeit

Sabrina Carpenter steckt sich auf der berühmten Met Gala genüsslich eine Zigarette an. Lorde gönnt sich gern vor einem Auftritt noch eine Rauchpause, um sich zu entspannen und ihren „Cool-Girl-Lifestyle“ zu unterstreichen.
Rauchen ist längst wieder salonfähig geworden – nicht nur unter den Stars und Sternchen.

Auch in der breiten Bevölkerung wird der Griff zur Zigarette nicht länger kritisch beäugt und verpönt. Im Gegenteil, Webseiten wie tabakdealer.de können sich über einen regen Zulauf freuen.

Ging das Rauchverhalten der Deutschen bis 2021 stetig zurück, gab es bereits 2022 wieder einen deutlichen Anstieg an Rauchern. Insbesondere unter den 18- bis 24-jährigen. Laut der DEBRA-Studie 2022 konsumierten zum Zeitpunkt der Befragung rund 40 Prozent der jungen Erwachsenen in dieser Altersgruppe Tabak. Bis dato ein Höchstwert.

Doch warum greifen gerade diejenigen zur Zigarette, die dem Alkohol abschwören und für den Umweltschutz auf die Straße gehen?

Eine mögliche Erklärung: Rauchen ist „eine schicke Art, mit existenzieller Angst umzugehen“. So beschreibt es Esther Zuckermann 2025 in einem Artikel in der Ney York Times.

Gleichzeitig passt die Zigarette wunderbar zur unabhängigen, edgy Y2K-Ästhetik, die insbesondere die Gen Z in Sachen Mode und Lebensstil zu faszinieren scheint.

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Rauchen als ein Stück Retro-Nostalgie

Die 2020er-Jahre sind geprägt von einer Aneinanderreihung von Krisen. Die Pandemie mit den Lockdowns, der Krieg in der Ukraine, die Inflation mit scheinbar stetig steigenden Preisen.

Alles Gründe für ein wachsendes Gefühl von Druck, Stress und Machtlosigkeit, das nicht nur jungen Menschen zusetzen kann.

Jedoch haben eben diese mit der Flucht in die Retro-Nostalgie einen Weg gefunden, mit der harten Realität umzugehen. So bietet ihnen etwa eine Raucherpause die Chance, für einen kurzen Moment abzuschalten und die Probleme des Alltags auszublenden.

Ein inzwischen sogar Social-Media-tauglicher Weg der Stressbewältigung – ob er nun zum „healthy Lifestyle“ passt oder nicht.

Es scheint, die Zigarette erinnere zudem an eine einfachere Zeit. An die Ära der Polaroids und der Klapphandys. An die häufig verklärten 90er-Jahre, in denen das Leben aus Sicht der heutigen Jugend leicht war. Ein Stück dieser Leichtigkeit soll der Zug am Glimmstängel in die Gegenwart zurückbringen.

Auch der Gedanke an eine Trotzreaktion liegt nicht fern. Ganz nach dem Motto: „Wenn die Welt sowieso den Bach runtergeht, macht eine Zigarette auch nichts mehr.“

Der moderne Raucher als lässiger Hedonist, der über allem steht

Anders als noch in den frühen 1970er-Jahren, in denen Zigaretten mit kernigen Maskottchen wie dem Marlboro-Mann im Fernsehen beworben wurden, ist heute bekannt, welche gesundheitliche Folgen vom Rauchen ausgehen.

Wer sich dennoch dazu entscheidet, zur „Fluppe“ zu greifen, sei laut der US-amerikanischen Journalistin Zuckermann „jemand mit einer Portion hedonistischer Lässigkeit“.

Also jemand, der der Zukunft mit einem wilden Lächeln, einem Schulterzucken und vielleicht dem ausgestreckten Mittelfinger entgegensieht. Der also ein wenig über den Dingen steht.

In einer krisengeplagten Welt scheint diese Einstellung zumindest nachvollziehbar zu sein. Wie nachhaltig sie ist, wird sich jedoch erst noch in den kommenden Jahren zeigen.