26.01.2020 22:13 Uhr

Marc Martel: Interview mit dem phänomenalsten Freddie-Mercury-Sänger

Foto: DitaVollmond

Gute Nachrichten: Nachdem Marc Martel die Shows in Köln, Nürnberg und Stuttgart erkältungsbedingt absagen musste, geht die Tour seit 25. Januar in Regensburg weiter. Auch Nachholtermine für die ausgefallenen Konzerte wurden bekannt gegeben. Eine vollständige Liste aller Termine findet sich am Ende des Interviews.

Über 34 Millionen Klicks hat das Youtube-Video, in dem der Musiker Marc Martel (43) Queens „Bohemian Rhapsody“ am Klavier zum Besten gibt und dabei stimmlich wie eine Reinkarnation von Freddie Mercury klingt. Céline Dion brachte der 43-jährige Kanadier mit seiner Version von „Somebody To Love“ sogar zum Weinen. Wenn Martel derzeit mit der „One Vision of Queen“-Tribute-Show in Deutschland, Österreich und der Schweiz gastiert, ist kollektive Gänsehaut garantiert. Beim Interview mit klatsch-tratsch.de-Reporterin Katja Schwemmers spricht Martel über seinen Beitrag zum Biopic „Bohemian Rhapsody“, Hass im Internet und sein Verhältnis zu Queen.

Marc Martel: Interview mit dem phänomenalsten Freddie-Mercury-Sänger

Foto: DitaVollmond

Mr. Martel, wie sind Sie als Queen-Tribute-Act entdeckt worden?
Roger Taylor (Schlagzeuger von Queen, Anm. d. Red.) hatte Videos von mir auf Youtube gesehen. Er kam auf die verrückte Idee, seine eigene Queen-Coverband zu gründen und wählte mich 2011 als Sänger von Queen Extravaganza aus. Mit denen war ich dann vor fünf Jahren das erste Mal in Europa auf Tour. So hat es angefangen. Ich hatte es zwar zuvor schon fast täglich gehört, welche Ähnlichkeit meine Stimme zu der von Freddie Mercury aufweist. Aber ich wusste nicht, wie selten es ist, so wie er zu klingen. Ich hatte zwölf Jahre ja meine eigene Band. Und nun mache ich meine eigenen Tribute-Shows mit „One Vision of Queen“.

Queen haben Sie so einfach aus dem Vertrag gelassen?
Es gab nie einen Vertrag! Das war ziemlich cool. Die Art, wie Queen Geschäfte machen, ist sehr organisch. So, wie man es sich nur wünschen kann.

Gönnen Sie sich nun künstlerisch mehr Freiheiten?
Schon. Denn vorher war es Rogers Version einer Queen-Coverband. Ich gehe in dieser Show so weit, dass ich ein oder zwei bekannte Songs spiele, die keine Queen-Songs sind. Ich bringe die dann im Stil von Queen rüber: „Ave Maria“ zum Beispiel. Freddie flirtete ja viel mit klassischer Musik in seinen späteren Jahren. Ich liebe das auch. Damit bin ich aufgewachsen.

Müssen Sie bestimmte Techniken anwenden, um so zu klingen wie er?
Es ist eigentlich nur der Akzent, an den ich denken muss. Meine Stimme klingt ganz natürlich so wie seine. Jeder Künstler hat natürlich seinen eigenen Dreh, wie er Dinge macht. Aber wenn Leute zu meiner Show kommen, wollen sie Freddie hören. Es geht ja auch um Nostalgie. Ich ändere also nur kleine Phrasierungen und Melodien, um es interessant für mich zu halten. Dabei frage ich mich immer: Wie hätte Freddie es gemacht? Was würde Freddie tun?

Kriegt man da nicht irgendwann eine Identitätskrise?
Oh ja, es ist ein schmaler Grad, auf dem ich mich bewege. Aber ich ziehe mich ja nicht an wie er, kleb’ mir auch keinen Schnurrbart an und hab keinen halben Mikrofonständer auf der Bühne. Das hilft.

Also erinnert visuell nichts an Queen?
Außer vielleicht das T-Shirt, das ich trage, und die Lichtshow. Visuell ist es sehr oldschool. Wir haben auch keine Videos von Queen, denn das würde uns rechtlich Probleme bringen. Es geht um die Musik, die wir feiern. Ich würde behaupten, so wie wir sie spielen, liegt sie näher am Original als wenn Queen sie heutzutage selbst spielen. Es ist wirklich ein Tribute an die alten Queen.

Marc Martel: Interview mit dem phänomenalsten Freddie-Mercury-Sänger

Foto: Thomas Brill/Semmel Concerts

Fällt es Ihnen schwer, in die Fußstapfen eines Showmannes wie Freddie Mercury zu treten?
Oh, nein, ich liebe es, auf der Bühne zu stehen! In meinem Kopf ist das Publikum wie eine einzige Person, mit der du interagieren kannst. Auch wenn ich mich immer bemühe, bei einem Konzert so vielen Menschen wie möglich direkt in die Augen zu gucken, um ihnen das Gefühl zu vermitteln, dass wir alle eins sind.

Ihre Stimme hört man auch im Queen-Biopic „Bohemian Rhapsody“. Warum wurde das so unter den Tisch gekehrt?
Das ist die Hollywood-Magie! Die Macher wollen, dass die Leute den Film sehen und glauben, dass es Freddie Mercury ist, dem sie zusehen; selbst wenn alle wissen, dass es der Schauspieler Rami Malek ist. Einen weiteren Namen mit in den Ring zu werfen, könnte das entwerten. Welchen Grund sie auch immer hatten, sie haben vieles richtig gemacht: Der Film ist ein Blockbuster.

Haben Sie Ihnen auch eine Cameo-Rolle darin angeboten, so wie dem heutigen Queen-Sänger Adam Lambert?
Nein, aber ich hätte mir so sehr gewünscht, bei den Filmaufnahmen dabei zu sein. Rami Malek (verkörpert Freddie im Biopic, Anm. d. Red.) wollte mich als Berater dabei haben. Aber ich konnte mir das zeitlich nicht einrichten, denn die letzten zwei Jahre waren die arbeitsreichsten meines Lebens. Aber immerhin haben wir zusammen Zeit verbracht, als ich meine Vocals in den Abbey Road Studios eingesungen habe.

Viele Fans wünschen sich, dass Sie der Frontmann von Queen werden. Wenn Adam Lambert irgendwann hinschmeißt, stünden Sie dann zur Verfügung?
Ich wäre ja ein Idiot, nein zu sagen, wenn Queen mir das anböten! Aber ich bezweifle, dass irgendwer so einen Job an den Nagel hängen würde. Sie haben ihre Gründe, warum sie Adam haben. Ich hab mir die Queen-Show zwei Mal angesehen in den letzten zwei Jahren. Er bringt einen herrlichen Humor mit auf die Bühne, seine Stimme geht über viele Oktaven, und er ist in die Position des Queen-Frontmanns wirklich reingewachsen.

Foto: ThomasBrill/Semmel Concerts

Wie kommen Sie beide miteinander klar?
Ich habe ihn nie getroffen, was wirklich lustig ist. Denn wir gehören ja alle irgendwie zur Queen-Familie.

Auch wenn Ihre Rollen unterschiedlich sind.
Ich wurde anfangs immer etwas traurig, wenn mich Leute als Imitatoren bezeichneten. Aber die meisten wissen nicht, wie sie es sonst nennen sollen. Für mich ist ein Imitator jemand, der sich auch so anzieht und generell so tut, als wäre er die Person. Ich fühle mich aber gesegnet, jemandem zu ähneln, der so geliebt wird. Dafür bin ich wirklich dankbar. Ich wäre ja gar nicht hier, ohne die Musik von Queen.

Bekommen Sie auch so viel Hass in den sozialen Netzwerken ab wie Adam Lambert?
Jeder kriegt heutzutage Hass! Schauen Sie sich mal die Kommentare auf meinen Twitter-Account an. Oder eben bei Adam Lambert. Oder Queen. Da ist so viel Hass, aus unterschiedlichen Gründen. Ich blende das aus. Man sollte dem keine Aufmerksamkeit schenken, so versuchend es auch manchmal ist, darauf zu reagieren.

Was sind das für Hass-Kommentare?
So wie ich das beobachtet habe, heißt es bei Adam Lambert immer, er sei nicht genug wie Freddie. Ich krieg es von der anderen Seite: Bei mir heißt es, dass ich zu sehr wie Freddie bin. Du kannst also nicht gewinnen. Jeder, der Queen-Songs singt, wird irgendwie kritisiert. Sie finden immer einen Weg. Es gibt eben viele Leute, die ihrer Liebe zu Queen auf die Art Ausdruck verleihen wollen.

Was denken Sie denn, würde Freddie Mercury heutzutage für Musik machen?
Das ist schwer zu sagen, weil er so vielen Musikstilen frönte. Wer hätte damals erwartet, dass er gleich ein ganzes Opern-Album macht? Ich hätte mir auf jeden Fall gewünscht, dass er irgendwann zurück zum Rock’n’Roll gefunden hätte. Ich bin mir sicher, dass es auch so gekommen wäre und Queen immer noch Platten aufnehmen würden. Ich stelle mir manchmal vor, wie es gewesen wäre, wenn er in den Neunzigern Grunge-Musik ausprobiert hätte.

Wie kommen Sie darauf?
Ich war gerade mal 15, als Nirvana durchstarteten. Ich war kein ausgewiesener Grunge-Fan, aber in dem perfekten Alter, um einer zu sein. Ich erinnere mich an den Moment, wo ich erstmals „Smells Like Teen Spirit“ hörte. Ich war in einem Schulbus auf einem Ausflug nach Montreal. Meine Freunde spielten mir diese neue Musik vor, der Sound haute mich absolut um. Er machte mir fast schon Angst, denn bis zu dem Zeitpunkt war ich Popmusik-Fan – New Kids On The Block waren meine Lieblingsband. Oder so was wie Richard Marx. Nirvana brachten diesen brandneuen Sound, der so gegensätzlich war zu dem, was sonst im Rock los war – mit Bon Jovi, Guns N’ Roses, den Hair-Metal-Bands und all dem Zeug. Das wertschätze ich. Nirvanas Musik hatte aber auch viel Depressives. Pearl Jam versprühten indes auch Hoffnung und Freude. Von denen war ich dann wirklich Fan.

Foto: DitaVollmond

Sie haben sowohl die kanadische als auch die amerikanische Staatsbürgerschaft. Wie kommt’s?
Ich lebe mittlerweile seit 20 Jahren in Amerika. In Nashville, um genauer zu sein. Dort landet man nicht zufällig, dort muss man wirklich hinwollen. Denn es ist ein bisschen merkwürdig, dort zu wohnen, wenn man nicht in der Countrymusik verwurzelt ist. Aber es ist eine liebenswerte Stadt, die Menschen sind freundlich. Außer vielleicht, wenn du betrunken bist.

Wie leben Sie in Nashville?
Meine Freundin und ich haben ein Haus vor den Toren der Stadt. Aber wir denken darüber nach, bald noch ländlicher zu wohnen, ein bisschen mehr Land zum Bewirtschaften zu haben. So bodenständig war ich immer schon. Der Glanz und Glamour von Los Angeles war nie so richtig ich. Das interessiert mich nicht wirklich. Ich hänge lieber mit ein paar Freunden bei mir Zuhause ab. Ab und zu gehe ich auch mal in eine Bar, aber das ist nicht wirklich eine Leidenschaft von mir. Ich bin generell froh, dass ich erst bekannter wurde, als ich schon etwas älter war – und nicht in meinen frühen Zwanzigern. Ich habe etwas mehr Lebenserfahrung.

Worauf freuen Sie sich auf Tour am meisten?
Die Konzertreise in Europa ist auch ein bisschen ein Familientrip, denn meine Freundin wird dabei sein. Mal abgesehen von den Shows, liebe ich es, neue Städte zu entdecken. Hier gibt es so schöne alte Gebäude und so viel mehr Geschichte als in Amerika. Die ganzen Sachen aus dem 2. Weltkrieg interessieren mich. Ich werde mir also die Zeit gönnen, mich ein bisschen weiterzubilden.

Sprechen Sie eigentlich Deutsch?
Nur ein paar Worte. Aber ich liebe Sprachen, bin zweisprachig aufgewachsen, spreche also auch noch Französisch. Das macht es einfacher für mich, neue Sprachen zu erlenen. Ich hoffe jedenfalls, ich kann etwas von der Sprache mitnehmen, wenn ich in Deutschland und Österreich spiele.

Foto: Crystal K. Martel

One Vision of Queen feat. Marc Martel

28.1. Innsbruck, Olympiahalle (Österreich)
29.1. Basel, St. Jakobshalle (Schweiz)
31.1. Kempten, BigBox Allgäu
1.2. Dübendorf/ Zürich, Samsung Hall (Schweiz)
2.2. Frankfurt, Festhalle
5.2. Erfurt, Messehalle Erfurt
6.2. Halle/ Saale, Halle Messe Arena
8.2. Wetzlar, Rittal Arena Wetzlar
9.2. Düren, Arena Kreis Düren
11.2. Freiburg, Sick-Arena
14.2. Trier, Arena Trier
15.2. Neu-Ulm, Ratiopharm Arena
16.2. Augsburg, Schwabenhalle

Nachholtermine für die ausgefallenen Shows:
18.2. Köln, Lanxess Arena
19.2. Nürnberg, Arena Nürnberger Versicherung
21.2. Stuttgart, Liederhalle – Beethoven Saal

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