Tommi Schmitt: „Ich mag’s, wenn man Leute mit dem Vorschlaghammer trifft“

Isabell KilianIsabell Kilian | 12.11.2021, 21:19 Uhr
Tommi Schmitt: „Ich mag's, wenn man Leute mit dem Vorschlaghammer trifft“
Tommi Schmitt: „Ich mag's, wenn man Leute mit dem Vorschlaghammer trifft“

IMAGO / Andre Lenthe

Der 32-jährige Autor, Kolumnist und Moderator Tommi Schmitt erzählt in einem Interview mit dem Online-Magazin „DWDL.de“ wie er zur Comedy gekommen ist, was für ihn einen guten Witz ausmacht und was ihm Klaas Heufer-Umlauf voraus hat.

Tommi Schmitt (32) ist aus der Comedy-Szene nicht mehr wegzudenken. Sein Podcast „Gemischtes Hack“ mit Felix Lobrecht (32) gehört zu den erfolgreichsten Deutschlands und begeistert eine stetig wachsende Fangemeinde. Nun erzählt der Nachwuchs-Late Night-Host von vorgetäuschten Krankheiten, leeren Parkhäusern und Schwierigkeiten beim Performen.

Krankheiten vorgetäuscht, um vor die Glotze zu kommen

Als Sohn eines Arztes und einer Physiotherapeutin hatte die Familie von Thomas „Tommi“ Schmitt nie einen Bezug zur Fernsehwelt. Auch auf seinem Abiball sei der inzwischen erfolgreiche Entertainer und Comedy-Autor nicht „als Frontschwein mit dem Mikrofon auf die Bühne gestürmt“.

Dennoch schien ihn die Medienwelt irgendwie zu faszinieren: „Trotzdem habe ich das Fernsehen schon als Kind geliebt und sogar Krankheiten vorgetäuscht, nur um das ‚Familienduell‘ oder ‚Punkt 12‘ sehen zu können“, erzählt der 32-Jährige in einem Interview mit dem Branchendienst „DWDL.de“ lachend.

„Das Schreiben fällt mir relativ leicht. Was für mich absolut neu ist, ist das Performen.“

Zwar informierte sich der Comedian des Öfteren bei möglichen Produktionsfirmen, kam aber erst während seines Masterstudiums in Hannover auf die Idee, mehr aus seiner Leidenschaft machen zu können.Damals übernahm er bereits erste Autoren-Aufgaben schrieb schon kleine Gags für „TV Total“.

Tommi Schmitt: „Es darf schon knallen“

Inzwischen ist Tommi Schmitt ein echter Profi und macht sogar für seine Late Night-Show „Studio Schmitt“ vieles selbst. „Das Schreiben fällt mir relativ leicht. Was für mich absolut neu ist, ist das Performen. Da war mir von Beginn an klar, dass das, wie man so schön sagt, ein bisschen cringe werden könnte. Aber das muss man lernen.“

Dabei versucht er stets das Publikum mit Humor zu überzeugen, der auf niemandes Kosten geht: „Im besten Fall finde ich Witze gut, die hart sind, aber keine Menschen verletzen. Das ist schwer und gelingt nicht immer. Ich mag’s, wenn man Leute mit dem Vorschlaghammer trifft. Es darf schon knallen.“ Grundsätzlich seien Witze aber wie eine Art Dienstleistung, die nicht jedes Mal den eigenen Humor treffen müssen.

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Das hat ihm Klaas voraus

Neben Witzen für Stefan Raab, ließ er seine Wort- und Witzgewandtheit auch Klaas Heufer-Umlauf zugute kommen, der durch seine Show auf MTV als auch die Comedy-Arbeiten mit Joko Winterscheidt („Joko und Klaas“). Was man sich von dem Entertainer abgucken könne, sei Tommi nach vor allem seine „Laissez-faire-Haltung“ – den Typen könne nichts umhauen.

Was die beiden in erster Linie aber unterscheide, sei, „dass er schon gefühlt mit 17 bei Viva moderiert hat und damals wahrscheinlich am Nachmittag mehr Publikum hatte als heute so manche Show in der Primetime. Das ist eine richtig gute Schule, die mir total fehlt“. Sein erster Fernsehauftritt war direkt auch seine eigene Show, was der 32-Jährige zwar als Privileg sieht, andererseits aber als „wahnsinnig ungesund“ beschreibt.

Ich will, dass meine Gäste mehr machen als nur das neue Album in die Kamera zu halten.

Tommis Herausforderung: Die eigene Late Night-Show

In die Late-Night-Schiene ist Tommi Schmitt mehr oder weniger reingerutscht, wie er erzählt. Die ursprüngliche Idee, einen Talk zu machen, habe sich komisch angefühlt – als würde man „direkt einen auf Letterman bei Netflix“ machen.

Aus diesem Grund entschied er sich mit seinem Team dazu, mit anderen Zutaten zu spielen – „ohne jedoch den Gast zu vernachlässigen, der ja immerhin zwei Drittel der Show einnimmt“. Ein Aspekt, der ihm in vielen Late-Night-Shows zu kurz komme. „Ich will, dass meine Gäste mehr machen als nur das neue Album in die Kamera zu halten.“

Auch die Corona-Situation war für Tommi „brutal“: Vor leeren Ränge und nur drei Kameraleuten mit FFP2-Masken zu performen habe sich angefühlt als würde man einem Parkhaus auftreten. „Das war gewöhnungsbedürftig und amüsant zugleich, weil diese Darstellungsform ohne Publikum eigentlich überhaupt keinen Sinn ergibt.“

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Das hat Tommi dazu gelernt

In seinen Sendungen funktioniert der Entertainer vor allem über Dialoge und Anekdoten – etwas, das er ändern möchte, indem er mehr Gesprächssituationen schafft. „Deshalb habe ich im Übrigen auch bei ‚LOL‘ so verkackt“, erinnert er sich und muss lachen.

„Es geht ganz einfach darum, mehr Ich zu sein und auch mal von der Kamera wegzuschauen oder nicht alle Spielregeln exakt vom Teleprompter abzulesen.“

Mittwoch bleibt Hacktag

Auch die Podcast-Erfahrung lehrt Tommi einiges. So will er öfter versuchen „die Flapsigkeit aus dem Podcast ins Fernsehen rüberzunehmen, vor allem in die Talks.“

Allen Fans von „Gemischtes Hack“ sei hierbei noch gesagt, dass sie sich freuen können: Die Jungs haben die Zusammenarbeit mit Spotify nämlich verlängert und werden weitere drei Jahre „ohne Zeitdruck draufloslabern“. Und auch danach wird es mit Sicherheit weitergehen. „Aber klar, es wird bestimmt einmal der Zeitpunkt kommen, an dem wir tatsächlich komplett leergelabert sind. Zum Glück ist das noch lange nicht der Fall.“

„Studio Schmitt“ – immer donnerstags ab 20.15 Uhr in der ZDFmediathek und ab 22.15 Uhr bei ZDFneo.