„Keine Zeit für Arschlöcher“: So haben wir Horst Lichter noch nie gesehen

Paul VerhobenPaul Verhoben | 28.12.2021, 21:16 Uhr
"Keine Zeit für Arschlöcher": So haben wir Horst Lichter noch nie gesehen
"Keine Zeit für Arschlöcher": So haben wir Horst Lichter noch nie gesehen

© ZDF/Willi Weber

Schauspieler Oliver Stokowski spielt TV-Star Horst Lichter und ist dankbar für das Vertrauen, das der Fernsehkoch, Buchautor und Moderator ihm entgegengebracht hat.

Der 59-jährige TV-Star Stokowski (dreht seit 1987) übernimmt in der Verfilmung des autobiographischen Romans „Keine Zeit für Arschlöcher“ die Hauptrolle.  „Er hat sich mir geöffnet“, betont Stokowski im Gespräch mit „Bavaria Film – Das Magazin“. Er habe sich in Vorbereitung auf die Rolle mehrfach und ausführlich mit Horst Lichter ausgetauscht. „Solche Gespräche führt man nicht alle Tage.“

Gefühlte 12.000 Mal habe sich der Schauspieler das Hörbuch „Keine Zeit für Arschlöcher“ angehört und unzählige Interviews gelesen sowie TV-Auftritte angesehen, um Lichter so authentisch wie möglich darstellen zu können. Stokowski ist sich sicher: „Wenn man es schafft, der Seelenwelt, dem Gefühlsleben gerecht zu werden, […] dann vergisst man, dass man eine Rolle spielt. Und das Publikum im Optimalfall auch.“

"Keine Zeit für Arschlöcher": So haben wir Horst Lichter noch nie gesehen

© ZDF/Willi Weber

Wenn man den Ernst der Lage nicht mehr wegtanzen kann

In dem Fernsehfilm wird gezeigt, wie der Lebensentwurf des frohsinnigen Entertainers in den letzten Monaten vor dem Tod seiner Mutter auf den Kopf gestellt wurde. „Er ist und war sein Leben lang bemüht, den Ernst der Lage wegzutanzen“, beschreibt Stokowski den Charakter von Horst Lichter.

Doch mit dem sich zunehmend verschlechternden Gesundheitszustand und schließlich dem Tod seiner Mutter sei das irgendwann nicht mehr möglich gewesen. „Das hätte ihn beinahe komplett aus der Bahn geworfen“, erklärt Oliver Stokowski. Doch schließlich sei Horst Lichter zu einer entscheidenden Erkenntnis gelangt und „wieder auf die Spur gekommen.“

"Keine Zeit für Arschlöcher": So haben wir Horst Lichter noch nie gesehen

© ZDF/Willi Weber

So war das Treffen mit Horst Lichter

Über die Zusammenarbeit mit Horst Lichter verriet er in dem Interview mit Bavaria-Film: „Wir haben uns bereits beim ersten Kennenlernen lange und intensiv miteinander unterhalten. Er hat sich mir geöffnet. Dieses Vertrauen war ein großes Geschenk. Solche Gespräche führt man nicht alle Tage und dafür bin ich ihm sehr dankbar. Auch danach haben wir immer wieder telefoniert und uns getroffen, aber das geschah alles abseits des Sets, das war eine Sache zwischen ihm und mir. Er war auch mal beim Dreh dabei, aber er wollte sich nicht weiter einmischen. Er hat immer betont, er müsse das Thema abgeben.“

"Keine Zeit für Arschlöcher": So haben wir Horst Lichter noch nie gesehen

© ZDF/Willi Weber

Darum geht’s in „Horst Lichter – Keine Zeit für Arschlöcher“

Als Horst Lichters Mutter Margret 2014 schwer erkrankt, gibt er seinem Leben eine neue Richtung. Sofort macht sich Horst mit seiner Frau Nada auf den Weg in die alte Heimat, nach Rommerskirchen bei Düsseldorf. Es ist eine Reise in die eigene Kindheit, die einen bisher weniger bekannten Horst Lichter zeigt.

Horsts Mutter Margret wohnt noch, wie früher, in einfachen Verhältnissen und ist bereits von der Krankheit gezeichnet. Obwohl das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn alles andere als unkompliziert ist, versucht Horst dennoch, ihr zu helfen, wo er kann. So organisiert er Arzttermine und versucht, gemeinsam mit Nada und seiner Tante Anni, Margrets Lebensgeister zu wecken. Warum sollte Margret die Zeit bis zu den Untersuchungen nicht für eine Urlaubsreise nutzen, wie sie es sich immer gewünscht hatte? Doch Margret kann nicht aus ihrer Haut und gesteht der Familie nur einen Ausflug in die Eifel zu, wo die Lichters früher schon ihre bescheidenen Urlaube verbracht haben.

"Keine Zeit für Arschlöcher": So haben wir Horst Lichter noch nie gesehen
Oliver Stokowski

IMAGO / Future Image

Host Lichter: Immer einen flotten Spruch auf den Lippen

Der Besuch alter Schauplätze fördert die glücklichen Familienerinnerungen zutage und führt zu ausgelassenen Momenten zwischen Margret und Horst. Doch immer wieder wird er auch mit der kantigen, etwas lieblosen Art seiner Mutter konfrontiert.

Sie trägt nach einem Leben voller Entbehrungen einen Panzer, den der Sohn nur in seltenen Momenten aufzubrechen vermag.

"Keine Zeit für Arschlöcher": So haben wir Horst Lichter noch nie gesehen

© ZDF/Willi Weber

Horst hat schon in jungen Jahren trainiert, mit einer bestimmten Mentalität darauf zu reagieren, die ihn heute als Fernsehstar ausmacht: Stets versucht er, auf Menschen zuzugehen und an einer Situation das Positive und Lebenswerte herauszustreichen, dabei immer einen flotten Spruch auf den Lippen.

In jenen Tagen im Jahr 2014 stößt diese Strategie jedoch mehr und mehr an ihre Grenzen. Als es für Margret dem Ende entgegengeht und sie ihren Sohn in einer Situation grundsätzlich infrage stellt, erkennt Horst, dass er einen neuen Weg einschlagen muss. Er möchte sich mit seiner Mutter und der eigenen Kindheit aussöhnen, um endlich das Leben zu führen, das ihn glücklich macht.

„Horst Lichter – Keine Zeit für Arschlöcher“ läuft am 09. Januar 2022 um 20:15 Uhr im ZDF.