ABBA „Voyage“: Fünf Dinge, die uns beim Hören aufgefallen sind

Sebastian GrünbergerSebastian Grünberger | 05.11.2021, 14:10 Uhr

Ludvig Andersson

Wie viele Musikfans haben auch wir sehnsüchtig auf das neue Album „Voyage“ von ABBA gewartet. Beim Durchhören sind uns einige Dinge aufgefallen.

Was für ein Mega-Comeback! Vier Jahrzehnte gab es kein Studioalbum, jedes Gerücht über eine Reunion wurde abgewiesen. Und plötzlich meldeten sich Benny Andersson (74), Anni-Frid Lyngstad (75), Agnetha Fältskog (71) und Björn Ulvaeus (76) dieses Jahr überraschend zurück — und das gleich mit einem ganzen Studioalbum!

„Voyage“ ist nun seit dem Morgen des 5. November 2021 auf dem Markt — und wir haben es uns bereits mehrfach angehört. Lest hier, welche Erkenntnisse wir dabei gewonnen haben.

Die ersten beiden ABBA-Singles sind gesanglich stärker als der Rest

Keine Fragen, Stimmen verändern sich mit der Zeit. Sie werden tiefer, etwas brüchiger. Auch wenn Agnetha und Anni-Frid über weite Strecken immer noch (meistens) toll klingen, so sind die Tonlagen, in denen sich die beiden bewegen, doch etwas tiefer. Ihre Stimmen klingen vertraut, aber durchaus verändert. Interessanterweise trifft das bei den ersten beiden Singleauskopplungen viel weniger zu, hier scheinen die Stimmen kräftiger zu sein.

Da drängt sich doch die Frage auf, ob man es hier nicht doch mit alten Gesangsspuren (statt 2017) zu tun hat?

… und das dürfte auch der Grund sein, dass sie nicht touren.

Mal ehrlich: Wenn die Stimmen schon im Studio merklich dünner als gewohnt klingen, ist man vielleicht doch gut damit beraten, nicht auf großen Stadionbühnen live zu singen. Klar, ABBA setzen auf Nostalgie — aber die schönste Nostalgie hilft wenig, wenn es nicht mehr so gut klingt, wie es soll. Und das wäre bei einem Live-Konzert eine realistische Gefahr.

Das ABBA-Songwriting ist immer noch auf den Punkt gebracht

Das stellen wir zwar fest, kommt aber nicht wirklich überraschend. Denn während sich die beiden weiblichen Mitglieder in jüngster Zeit eigentlich aus dem Musikgeschäft mehr oder weniger zurückgezogen hatten, machten Benny Andersson und Björn Ulvaeus nach dem inoffiziellen Ende der Band immer weiter — bis heute. Sie schrieben Musicals, machten Alben, kümmerten sich um ABBAs „Erbe“, spielten in verschiedenen Bands  — und arbeiteten immer zusammen.

Das heißt übrigens noch nicht, dass die Songs deswegen alle per se gut sind — aber sie wissen, wo sie hinwollen.

Anni-Frid Lyngstad und Agnetha Fältskog im Studio.

Ludvig Andersson

„I Can Be That Woman“ klingt an einer Stelle wie „Listen To Your Heart“ von Roxette.

Es ist nur eine kurze, wiederkehrende Stelle — die gleiche Akkordfolge, der gleiche Auftakt. Rein zufällig, die Akkorde kommen Millionenfach in der Popmusik vor. Aber der Roxette-Spirit lebt hier!

ABBA wollen nicht mehr experimentieren.

Experimente mit Synthesizern waren gestern: ABBA wollten auf „Voyage“ so gefällig wie nur irgendwie möglich sein — oder, freundlicher formuliert: die Essenz von ABBA einfangen. Und das ist auch völlig in Ordnung — denn den meisten gefällt’s! (Redaktion KuT)