Samstag, 9. März 2019 20:08 Uhr

Dido ist zurück: „Ich wäre gerne Beyoncé“

Foto: BMG

Sechs Jahre pausierte Dido (47), um sich ihrem Sohn Stanley (7) zu widmen. „Still On My Mind“ heißt nun das fünfte Pop-Album der britischen Sängerin und Songwriterin, die sich durch ihr Duett mit dem Rapper Eminem für immer ins kollektive musikalische Gedächtnis eingebrannt haben dürfte.

Dido: „Ich wäre gerne Beyoncé“

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Im Mai spielt sie fünf Konzerte in Deutschland – es ist ihre erste Tour seit 15 Jahren! Beim Interview mit klatsch-tratsch.de-Autorin Katja Schwemmers in Berlin verrät Dido, wieso ihr Bruder anfangs an ihr zweifelte, warum sie sich selbst für langweilig hält, wofür sie Beyoncé bewundert und wie sie heute zu Eminem steht.

Dido, bürgerlich heißen Sie Dido Florian Cloud de Bounevialle O’Malley Armstrong. Wie kommt man zu so einem abenteuerlichen Namen?
Den habe ich meiner verrückten Mutter zu verdanken! Sie hat meinen Vater damit nach der Geburt überrumpelt, als sie meinen Namen im Krankenhaus niederschreiben sollte. Meine Eltern waren während der Schwangerschaft viel in Frankreich und Deutschland auf Reisen und haben sich dabei Worte auf Zettel notiert. Deshalb ist in meinem Namen sowohl eine französische Stadt als auch ein deutscher Männervorname zu finden.

Florian!
Genau! Jedes Mal, wenn ich in einem Hotel in Deutschland absteige, stottern mir die Leute irritiert ein „Mister“ entgegen. Alle denken wohl erst mal, ich sei ein Mann! Aber eigentlich nennen mich alle Dido – und das war nie anders.

Es ist 20 Jahre her, dass Ihr Debüt-Album veröffentlicht wurde. Fühlt es sich so an?
Nein, gar nicht. Es macht mich so schrecklich alt! Aber im selben Moment denke ich: Wow, wie toll, dass ich das alles immer noch machen kann und es noch Leute gibt, die zuhören.

Waren Sie sich unsicher, ob es da draußen noch ein Publikum gibt, das auf Sie wartet?
Das war ich. Aber der Unterschied ist diesmal, dass ich das Album auch live auf Tour vorstellen werde. Da war viel Vorfreude auf die Konzerte zu spüren. Und das ist der Teil, den ich am meisten liebe: das Singen.

Sie haben 40 Millionen Platten verkauft. Müssen Sie sich manchmal selbst kneifen?
Ständig! Ich frage mich oft: „War das wirklich ich?“ Es fühlt sich so unrealistisch an. Ich habe ja immer nur meine Musik gemacht. Als das Album „No Angel“ 1999 durch die Decke ging, war das eine verrückte und wahnsinnig tolle Zeit.

Inwiefern?
Da waren so viele großartige Shows, und ich traf jede Menge interessante Leute. Ich weiß noch, wie mein Vater mich damals aufgeregt anrief und sagte: „Dein Lied läuft im Fußballprogramm ‚Match Of The Day’!“ Das sind lustige Erinnerungen. Ich hatte wirklich ein sehr besonderes Leben bis hierhin.

Dido: „Ich wäre gerne Beyoncé“

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Konnten Sie den Trubel damals überhaupt genießen?
Ich erinnere mich nur an die guten Sachen. Ich hatte das große Glück, von Anfang an von denselben Leuten umgeben zu sein; meine Karriere war für mich immer ein Friends- und Family-Ding! Ich fühlte mich also nie isoliert oder einsam durch den Ruhm. Musik passiert bei mir, wenn ich mit guten Leuten abhänge.

Das ist bei Ihrem neuen Album nicht anders: Dafür haben Sie erneut mit Ihrem Bruder Rollo von Faithless zusammengearbeitet.
Es war die vermutlich kleinste Album-Produktion, die ich jemals hatte. Meistens waren nur mein Bruder und mein Kumpel Ryan mit mir im Studio. Sister Bliss von Faithless spielt auf den Songs Keyboard. Es war wie zum Beginn meiner Karriere: keine Erwartungen, keine Hetze, kein Druck, nicht mal eine Plattenfirma. Es war totale Freiheit.

Ihr Bruder Rollo soll Ihnen anfangs dringend abgeraten haben von einer Karriere als Sängerin.
Stimmt, er meinte: „Mach das nicht. Es ist so hart. Und da gibt es bessere Sängerinnen als dich.“ Aber wenn du große Träume hast und dein Bruder dir so was sagt, führte das zumindest in meinem Fall dazu, dass ich dachte: Jetzt erst recht! Am Ende war ich dankbar. Es ist gut, wenn Leute an dir zweifeln, es ist ein großartiger Motivator.

Hat er sich jemals entschuldigt dafür?
Ja, nach den ersten Erfolgen. Maxi Jazz, der Sänger von Faithless, kam ins Studio und sagte zu ihm: „Ich denke, so langsam musst du es zurücknehmen.“ Und das tat er dann gerne. Mein Bruder ist mein größter Unterstützer und Komplize. Aber es ist schon lustig, wie es begann.

Verglichen mit heutigen Musikerinnen war Dido immer auffallend unspektakulär und bodenständig. Heutzutage überbieten sich Pop-Diven mit ihren extravaganten Kostümen. Und selbst Beyoncé scharrt elf Produzenten um sich, um ein Album zu machen.
Dagegen bin ich echt langweilig! Aber ganz ehrlich: Ich hätte auch Spaß daran, so extravagant wie Beyoncé zu sein. Sie ist wunderbar. Ich wäre gerne mal einen Tag Beyoncé!

Glauben Sie, als Newcomerin hätten Sie heutzutage noch eine Chance?
Schwer zu sagen. Vielleicht stimmte damals einfach das Timing. Wobei ich immer noch denke: Die Künstlerinnen, die heutzutage zur Spitzenklasse gehören, machen große emotionale Songs. Wenn der Song gut ist und die Stimme toll, begeistert das immer noch. Da muss man sich ja nur mal Adele anhören.

Dido: „Ich wäre gerne Beyoncé“

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19 Jahre ist es her, dass Eminem ein Sample Ihres Songs „Thank You“ als Grundlage für seinen Hit „Stan“ benutzte und diesen im Duett mit Ihnen darbot. Haben Sie noch Kontakt zu Eminem?
Es ist schon ein Weilchen her. Aber 2013 rief er mich an, weil er beim Reading Festival auftreten sollte. Er wollte, dass ich mit ihm noch mal „Stan“ singe. Ich dachte: Ja, warum eigentlich nicht? Das wäre doch lustig! Es entpuppte sich wirklich als großer Spaß, den Song zehn Jahre später zu singen, und die Reaktion des Publikums darauf war einfach großartig.

Im Video zu „Stan“ haben Sie seinerzeit die Schwangere gespielt!
Stimmt. Mittlerweile weiß ich, wie es sich wirklich anfühlt, schwanger zu sein. Denn ich bin Mutter geworden. Damals hatte ich mir diese große Kugel nur auf den Bauch geklebt. Aber das war super, weil es mir ermöglichte, während der Dreharbeiten den ganze Zeit hindurch zu essen. Ich musste ja nicht in irgendein Outfit passen. Ich konnte einfach nur rumsitzen und futtern, während mein Bauch größer und größer wurde.

Ihren neuen Song „Have To Stay“ haben Sie aus der Mutterperspektive geschrieben. Wie findet Ihr Sohn Stanley das Lied?
Er hat dazu mitgesungen. Er wusste, dass es ein Song über ihn ist. Genau genommen geht es darum, ihn eines Tages loslassen zu müssen. Aber in allen meinen Songs gibt es solche kleinen Konflikte und etwas Bittersüßes. Sie sind nie ausschließlich fröhlich oder traurig. Was mich stolz macht ist, dass ich es geschafft habe, mit dem Lied auszudrücken, was ich über bedingungslose Liebe sagen wollte.

„Give You Up“ handelt indes vom Loslassen einer Ex-Liebe. Haben Sie ein Mittel gegen Liebeskummer?
Nein, aber Herzschmerz ist wichtig für jeden von uns, um sich selbst zu finden. Wir gehen da alle durch. Es ist Teil des Lebens. Es ist natürlich schlimm in dem Moment, aber es lehrt dich jede Menge über dich selbst. Mir hat man oft das Herz gebrochen, und ich habe viele Lieder darüber geschrieben – auch auf subtilere Art. Selbst „White Flag“ entstand, als mein Herz gebrochen war. Ich war dann immer besonders kreativ.

„Chances“ legt nahe, dass Sie gerne mal faul und fernsehguckend auf dem Sofa rumliegen.
In der Vergangenheit hatte ich viele solcher Tage – besonders als ich ein Teenager war. Aber eigentlich wollte ich mit dem Lied einem befreundeten Pärchen Mut machen, das gerade eine schwere Zeit durchlebt. Denn der nächste Tag kann immer besser sein.

Stimmt es, dass Sie einige Lieder sitzend auf dem Sofa eingesungen haben?
Alle Songs! Über die Jahre habe ich ein gespaltenes Verhältnis zur Aufnahme-Kabine entwickelt. Ich hasse es einfach. Es ist zu still für mich. Ich bin einfach lieber in einem Raum mit Leuten als hinter einer Glasscheibe, während alle anderen eine gute Zeit haben.

In drei Jahren werden Sie 50…
Daran hat mich heute schon jemand erinnert. Aber ich fange erst in zwei Jahren an, mir darüber Gedanken zu machen, ob mich das tangiert.

Haben Sie ein Anti-Aging-Rezept?
Eine Zauberformel habe ich nicht. Aber ich lebe ziemlich gesund. Ich bin ständig draußen und gehe spazieren. Und ich schlafe ausreichend, wenn ich kann.

Haben Sie einen Bezug zu Deutschland?
Deutschland war das Land, wo für mich als Musikerin alles begann. Eine meiner ersten großen Auftritte hatte ich hier als Backing-Vokalistin bei Faithless. Die Erinnerung daran ist bis heute besonders für mich, denn Deutschland hat Faithless zuerst in die Arme geschlossen. Ich bin stolz, ein Teil davon gewesen zu sein. Ich muss aber auch an die Loveparade in Berlin denken. Es ist bestimmt schon 15 Jahre her, dass ich dort war. Aber das war ein großer Spaß.

Hat Sie jemand erkannt?
Nein, ich kann mich sehr unbehelligt in der Öffentlichkeit bewegen. Ich liebe das! Ich trug damals nicht mal mehr eines dieser lustigen Raver-Kostüm

Dido: „Ich wäre gerne Beyoncé“

Foto: BMG

Wie stehen Sie zum Brexit?
Ich bin irritiert, wie jeder andere auch. Zu diesem Zeitpunkt verstehe ich nicht mehr, was da vor sich geht. Ich habe so viel Zeit auf dem Festland mit Konzertreisen verbracht, ich fühle mich als Teil von Europa. Und ich hoffe, ihr lasst mich im Mai noch einreisen, wenn ich meine erste Deutschland-Tour seit 15 Jahren spiele!

Fünf Shows spielen Sie hierzulande im Mai.
Das ist eine Show mehr als in England! Einige Konzerte sind sogar bestuhlt, was gut für die Interaktion mit dem Publikum ist, denn ich erzähle immer gerne und viel. Die Hallen sind nicht so groß, insofern werde ich die Leute sehen können und eine gute Zeit haben. Wir spielen Songs von jedem Album – manche auch ein wenig anders. Wenn die Leute am Ende nach Hause gehen, sollen sie das Gefühl haben, auf einer musikalischen und visuellen Reise mit mir gewesen zu sein. Das gilt übrigens auch für meinen Sohn, denn es wird das erste Mal sein, dass er mich auf der Bühne erlebt.

Interview: Katja Schwemmers

Tour-Termine

10.5. München, Circus Krone
13.5. Frankfurt, Alte Oper
15.5. Berlin, Tempodrom
16.5. Hamburg, Laeiszhalle
19.5. Düsseldorf, Mitsubishi Electric HALLE

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