Weihnachtsklassiker über die man redet und die, die fast vergessen sind

Leni HübnerLeni Hübner | 26.12.2021, 20:00 Uhr
Im Abendkleid geht Mariah Carey zu McDonalds
Im Abendkleid geht Mariah Carey zu McDonalds

Foto: IMAGO/ ZUMA Press

Nach dem Essen ist vor dem Essen und so können die Weihnachtstage lang werden. Mit ein paar Fakten über die besten Songs bist du bestens gewappnet, um Gespräche wieder in Gang zu bringen.

Wie bei jeder Bestenliste gilt auch hier: Alles ist subjektiv – selbst wenn wir betonen, dass wir uns bemüht haben, objektiv zu lauschen und eine Auswahl zu treffen, die die wichtigsten Klassiker beinhaltet. Natürlich kann man fragen, wo sind Queen, Elvis Presley, Barry Manilow, Doris Day, Chris Rea und all die anderen Festzeit-Highlights.

„Last Christmas“ von Wham!

Mit diesem Song haben George Michael und Andrew Ridgeley den Weihnachtsvogel abgeschossen. Ok, eigentlich hat das meiste daran George Michael geleistet: Er hat den Song geschrieben, getextet und alle Instrumente eingespielt. Dieser Alleingang hat das Verhältnis der Bandkollegen nicht gerade verbessert. Getrennt haben die beiden sich trotzdem erst 1986.

Schon beim Videodreh zu „Last Christmas“ wollte Andrew so wenig wie möglich mit George zu tun haben, entsprechend frostig ging es im Wallis zu. George wiederum soll es genervt haben, so eine Hetero-Schnulze darstellen zu müssen, obwohl er sich lieber geoutet hätte. Entsprechend sahen Wham! den Song nicht als Hit, aber der Rest der Welt schon. Seit 1984 wird er ab Ende November auf der ganzen Welt im Radio gespielt, was Tantiemen von etwa 8 Millionen Euro einbringt – Jahr für Jahr.

„Merry Christmas Everybody“ von Slade

Im Jahr 1973 Jahren gab es ein ungewöhnliches Festtagsbattle, bei den die bekanntesten Glam-Rock-Bands Großbritanniens gegeneinander antraten: Die Band Wizzard brachte mit „I Wish It Could Be Christmas Everyday“ ein partytaugliches Weihnachtslied heraus und wurde dann tatsächlich von Slade überholt, die mit „Merry Christmas“ deutlich mehr Mitgröl-Potential boten.

Der Daily Mail erzählte Leadsänger Noddy Holder vor einigen Jahren: „Wir hatten beschlossen, einen Weihnachtssong zu schreiben, und ich wollte, dass er die Feiertage einer britischen Familie widerspiegelt.“ Es war wirtschaftlich gesehen eine schwere Zeit in den 1970ern. „Die Bergarbeiter befanden sich im Streik, die Totengräber, die Bäcker und fast alle anderen auch“, meinte Holder, „ich glaube, die Leute haben damals etwas gebraucht, was sie aufmuntert. Und so ging es mir ebenfalls.“ Der Xmas-Song ist fröhlich und zukunftweisend – und vielleicht gerade deshalb ein zeitloser Klassiker geworden.

„It’s The Most Wonderful Time Of The Year“ von Andy Williams

Dieser Song war ein Überraschungshit für die Macher: George Wyle schrieb damals viele Songs für die TV-Varietee-Show von Andy Williams, die 1962 auf Sendung ging und mit der er drei Emmy Awards gewann. Als eine Weihnachtssendung anstand, machte George Wyle sich daran, auch dafür etwas Passendes zu schreiben.

„It’s The Most Wonderful Time Of The Year“, den Wyle mit Edward Pola erarbeitete, ist eigentlich nur eine reine Aufzählung dessen, was man typischerweise an Weihnachten macht. Und genau deshalb kommt er bis heute gut an: Die Menschen brauchen Traditionen an Weihnachten, hier finden sie alle praktisch versammelt. Andy Williams nahm den Song später noch mehrfach auf, die erfolgreichste Version ist das Original von 1963. Im Jahr 2012 verstarb der Sänger.

„Santa Baby“ von Eartha Kitt

Für alle, die von Luxus träumen, ist „Santa Baby“ ein Muss. Angesichts der Verkaufszahlen scheint es von denen sehr viele zu geben. Geschrieben wurde der Song 1953 von Joan Javits – damit ist „Santa Baby“ übrigens einer der wenigen Xmas-Klassiker, der von einer Frau geschrieben wurde.

Zum enormen Erfolg des Songs hat natürlich auch Eartha Kitt beigetragen, die aus der edlen Weihnachtswunschliste eine verführerische Nummer gemacht hat. Eartha Kitt galt als „Königin der Nachtclubs“. Allein Kylie Minogue und Ariana Grande gelang es noch einmal, an die Verkaufszahlen des Originals heranzukommen, dabei können die beiden Pop-Diven sich den besungenen Luxus wie Zobel, Cadillac und Co ganz gewiss selbst leisten.

„Someday at Christmas“ von The Jackson 5

Es ist ein wenig unfair, diesen Klassiker den The Jackson 5 zuzuschreiben, aber die klare Kinderstimme des jungen Michaels öffnet die Herzen, während das Original von Stevie Wonder aus dem Jahr 1967 etwas behäbig wirkt. Zudem haben die The Jackson 5 mit ihrem „Christmas Album“ (1970) den ultimativen Soundtrack für Weihnachten geliefert, der auch heute noch weltweit zum Einsatz kommt.

Auf dem Album ist aber auch wirklich alles vertreten, was man für die perfekte Weihnachtsstimmung braucht. Vom Kinderhit „Rudolph the Rednose Rendeer“ bis zum cosy „Have Yourself a Merry Little Christmas” haben die 5 Sprösslinge des Jackson-Clans alles eingesungen, was Joseph Jackson ihnen aufgetragen hat. Durch den Drill des Manager-Daddys hatten die Jungs selbst vermutlich keine schönen Weihnachten, aber das merkt man ihnen auf der Bühne nicht an.

„White Christmas“ von Bing Crosby

„White Christmas“ ist der erfolgreichste Weihnachtssong aller Zeiten. Seit genau 80 Jahren gehört er auf jeder Weihnachtsfeier dazu und auch auf Weihnachtsmärkten, in Kaufhäusern und unter dem heimischen Christbaum gibt es kein Entkommen. Komponiert hat das Stück Irving Berlin, dabei konnte der nicht einmal Noten schreiben, das übernahm sein Sekretär Helmy Kresa.

Gesungen hat den Song dann der legendäre Bing Crosby – erstmals in einer Radioshow am 25. Dezember 1941. Bis heute zählt „White Christmas“ zu den meistverkauften Singles aller Zeiten, hinzu kommen gut 500 Cover-Versionen, die ebenfalls bis heute bestens honoriert werden. Crosby, der 1977 im Alter von 74 Jahren verstorben ist, hat aber nicht nur diesen einen Hit gelandet: Insgesamt hat der Amerikaner weltweit 1 Milliarde Platten verkauft.

„Have Yourself a Merry Little Christmas“ von Ella Fitzgerald

Bei diesem Klassiker darf anscheinend jeder machen, was er will. Die Originalversion von „Have Yourself a Merry Little Christmas“ wurde von Hugh Martin und Ralph Blane für das Musical „Meet Me in St. Louis“ geschrieben, wobei Martin später erklärt hat, dass er eigentlich alles allein gemacht habe. Wie auch immer: Judy Garland, die das Lied in dem gleichnamigen Film singen sollte, war der Text zu deprimierend. Sie fand es unangebracht, angesichts des tobenden Zweiten Weltkriegs den Menschen so viel Traurigkeit zuzumuten.

So wurde der Tet umgeschrieben, damit er nicht mehr von der möglichweise letzten Weihnacht erzählt, sondern davon, dass nächstes Jahr alle Sorgen vergessen sein werden. Und auch Frank Sinatra bat Martin 1957 eine Zeile zu ändern, um nicht davon zu singen, dass man irgendwie zurechtkommen müsse, sondern hoffnungsvoll nach vorn schaue. So wurde textlich ein Stern an einen Ast gehängt. Klingt zu kompliziert? Dann höre dir doch alle Versionen an und suche die perfekte Strophe für dieses Jahr aus.

„Wonderful Christmastime“ von Paul McCartney

Dass das Lied „Wonderful Christmastime” von Paul McCartney bei den Kritikern nicht gut ankommt, kann dem Ex-Beatle ziemlich egal sein. Es wird trotzdem jedes Jahr in sämtlichen Pubs des Landes und unzähligen Radiostationen gedudelt. Für die Komposition des Songs soll McCartney nur zehn Minuten gebraucht haben – inklusive Text. Dann spielte er ihn auch noch selbst in seinen heimischen Studio ein. Also: eine gewinnbringende Solo-Nummer.

Für Paul McCartney war es vermutlich nur ein kleiner Gag, weil er während einer Albumproduktion gerade in weihnachtlicher Stimmung war, aber für die Menschheit ist es eine große Sache, die uns bis in die Supermärkte verfolgt. Sein Beef-Buddy John Lennon hat mit seinem „Happy Xmas (War is Over)“ zwar mehr politischen Input geliefert, aber von der Melodie her liegt McCartney vorn. Entscheiden muss sich keiner für einen der beiden Songs, gespielt werden sowieso beide.

„All I Want for Christmas is You“ von Mariah Carey

Der Hit von Mariah Carey war anfangs gar keiner: „All I Want for Christmas is You” kam in Großbritannien auf Platz 2 der Charts, in Deutschland nur auf Position 24, in den USA blieb er fast unbemerkt. Auch in den folgenden Jahren lag „Last Christmas“ weit vorn. Doch um die Jahrtausendwende begann der unaufhaltsame Aufstieg: Genau 25 Jahre nach der Veröffentlichung gelangte Mariah Carey mit „All I Want for Christmas is You“ sogar auf Platz 1 der US-Charts. Seither ist sie die ungeschlagene Saisonkönigin.

Insgesamt wird „All I Want for Christmas“ laut Billboard allein in den Wochen vor Weihnachten 45 Millionen mal gestreamt und fast genauso oft im Radio gespielt. Durch ihren diesjährigen Chart-Spitzenplatz, den sie gerade erreichte, zieht Carey an Britney Spears vorbei, die zwar auch seit den 1990ern in jedem Jahrzehnt einen Nummer 1 Hit hatte, allerdings in den 2020ern noch nachlegen muss. Komponiert hat Carey „All I Want for Christmas“ im Hochsommer. Als Inspiration ließ sich die Diva einen Weihnachtsbaum aufstellen. Für das erste Video verwertete sie eigene Urlaubsbilder, das sorgte für einen frischen, persönlichen Stil, den sie 2011 verwarf und ein neues Video drehte.

„Holly Jolly Christmas“ von Michael Bublé

Ehrlich gesagt, könnte hier auch jeder andere Song von Michael Bublé stehen, denn mit seinem Christmas-Album ist er der Stimmungsmacher für Singles, Freundeskreise und Familienrunden. Der smarte Bublé verbindet mit seinen Klassikern wirklich alle im Sinne der Weihnacht. Der Kanadier hat keine Ecken und Kanten, das ist beruhigend in der friedlichsten Zeit des Jahres.

2011 schlug das Album ein wie ein Christstern und so überraschte es nicht, dass Bublé ein Jahr später mit einer Neuauflage denselben Erfolg feiern wollte. Also erschien das Album – leicht verändert – 2012 ein zweites Mal. Seither ist Bublé Mr. Christmas – mit eigenen Shows und unzähligen Duetten. Sogar Maria Carey gab ihm die Ehre. Hohoho.