Wer wird Millionär?

Foto: RTL / Stefan Gregorowius

Es kann so einfach sein: Man beantwortet ein paar Fragen, talkt ein bisschen mit Günther Jauch über dies und jenes und geht am Ende mit einer Million Euro nach Hause. Die Sendung „Wer wird Millionär?“ auf RTL ist mittlerweile längst zum Kult geworden.

Infos zur Show

Erste Staffel
1999
Häufigkeit
Wöchentlich (meist montags oder freitags)
Sender
RTL
Sendezeit
20:15 Uhr
Anzahl der Folgen
1520 (41 Promi Specials)
Host
Günther Jauch
Vorbild
Die britische Quizshow „Who Wants to Be a Millionaire?“
Bekannte Stars
Günther Jauch, Oliver Pocher, Thomas Gottschalk, Barbara Schöneberger, Tim Mälzer, Anke Engelke
Berühmte Gewinner
Ralf Schnoor, Leon Windscheid, Oliver Pocher, Thomas Gottschalk, Barbara Schöneberger

Wenn „Wer wird Millionär?“ läuft, wird auf deutschen Sofalandschaften mitgeraten, mitgefiebert und meistens alles besser gewusst. Schwitzende Kandidaten und ein souveräner Günther Jauch als Moderator, der seinem Gegenüber gerne mal das eine oder andere private Geheimnis entlockt, machen die Sendung seit vielen Jahren zum Erfolgsformat.

Alle Fakten zu „Wer wird Millionär?“

Die Sendung „Wer wird Millionär?“ wurde nach dem britischen Vorbild „Who Wants to Be a Millionaire?“ konzipiert und ist seit der Erstausstrahlung am 3. September 1999 ein Dauerbrenner im deutschen Fernsehen. Die Show wird wöchentlich ausgestrahlt, immer montags, teils aber auch freitags, jeweils um 20.15 Uhr.

Neben der klassischen Sendung, in die Otto-Normalbürger eingeladen werden, gibt es auch regelmäßig ein Promi-Special, bei dem Stars Geld für einen guten Zweck sammeln. Auch unter ihnen hat es mit Thomas Gottschalk (geb. 1950), Barbara Schöneberger (geb. 1974) und auch Oliver Pocher (geb. 1978) berühmte Millionen-Gewinner gegeben.

Moderiert wird die Sendung seit jeher von Günther Jauch – immerhin lebt die Show von seinem Charme und dem Talent, pikante Details aus dem Privatleben der Teilnehmer zutage zu fördern.

15 Fragen bis zur Million: Das ist das Konzept von „Wer wird Millionär?“

In der Show bekommen sechs Kandidaten die Chance, auf dem „heißen Stuhl“ gegenüber von Moderator Günther Jauch Platz zu nehmen. Wer die Auswahlfrage am schnellsten richtig beantwortet, bekommt im besten Fall fünfzehn Fragen zum Allgemeinwissen mit steigendem Schwierigkeitsgrad gestellt.

Bei jeder richtig beantworteten Frage erhöht sich die Gewinnsumme. Wer eine Frage falsch beantwortet, fliegt raus und nimmt nur das Geld mit, das bei der letzten Sicherheitsstufe (500 Euro oder 16.000 Euro) gewonnen wurde.

Zur Verfügung stehen maximal vier Joker. Wer alle 15 Fragen richtig beantwortet, bekommt eine Million Euro und kostenlos obendrauf einen goldenen Glitterregen.

Das sind die internationalen Vorbilder der Sendung

Das Konzept der britischen Vorlage „Who Wants to Be a Millionäre“ nach der Idee von David Briggs, Mike Whitehill und Steven Knight wird fast unverändert auch in Sendungen wie „Die Millionenshow“ in Österreich und „Milionerzy“ in Polen umgesetzt.

Mittlerweile wird „Wer wird Millionär?“ in 120 Ländern ausgestrahlt und in mehr als 90 Sprachen produziert. Die Gewinne fallen allerdings international sehr unterschiedlich aus. In Afghanistan entspricht der Gewinn von einer Million Afghani ganzen 21 Jahresgehältern, während ein Millionengewinner in Thailand mit dem Geld nur rund fünf Jahre über die Runde kommt.

Zu den berühmtesten internationalen Gewinnern gehörte der Inder Sushil Kumar. Er gewann im Jahr 2011 50 Millionen Rupien, was für den Büroangestellten rund 800 Jahresgehältern entsprach. Seine Geschichte wurde sogar verfilmt. Das Drama „Slumdog Millionaire“ des britischen Regisseurs Danny Boyle gewann acht Oscars.

Erfinder lüften das Erfolgsgeheimnis der Show „Wer wird Millionär?“

Eine Show, die über 20 Jahre lang erfolgreich zur besten Sendezeit läuft – da muss es ein Geheimnis geben. Die beiden Erfinder der Sendung David Briggs und Michael Whitehill erklären: „Es geht darum, anderen bei ihrem Triumph oder ihrem persönlichen Desaster zuzusehen. Das ist es, was die Zuschauer wollen.“

Darüber hinaus sei auch der Moderator ein wichtiger Erfolgsfaktor ebenso wie der Aufbau des Studios, der in allen internationalen Shows gleich aussieht. „Der Vergleich mit einem Kolosseum ist sehr gut“, so Whitehill. „Es ist ein Ort, in dem der Kandidat unter enormen Druck steht. Druck, es richtig zu machen.“

Auch das Spiel mit der Dunkelheit und das Gefühl, mit dem Moderator ganz allein zu sein, sei „der beste Weg, um diese Angst, diesen Druck durch die Kameralinse zu den Menschen am Fernseher zu transportieren.“

Auch deutsche Promis sind vor Günther Jauchs Fragen nicht sicher

Während die klassischen Kandidaten nach einem peinlichen Blackout bei der 50 Euro Frage schnell mal wieder in der Anonymität verschwinden können, müssen die Prominenten im „Wer wird Millionär? – Das Promi Special“ aufs Ganze gehen.

Wer sich hier blamiert, hat die nächste Schlagzeile sicher – selbst dann, wenn er wie Sportjournalist Waldemar Hartmann (geb. 1948) nur als Telefonjoker dabei ist. Er sollte bei „Wer wird Millionär? – Das Promi Special“ eine Sportfrage beantworten, für die man eigentlich nicht allzu viel Sachverstand brauchte: „Welche Fußballnation konnte bei den bisherigen 19 Weltmeisterschaften nie den Titel im eigenen Land gewinnen?“ Seine Antwort: „Deutschland“. Die Affäre ging als „Waldigate“ in die Geschichte der Sendung „Wer wird Millionär?“ ein.

In das Promi-Special der Sendung wird eingeladen, was Rang und Namen hat. Zu den bekannten Teilnehmern der mittlerweile über 40 Special Folgen von „Wer wird Millionär? – Das Promi Special“ gehören Anke Engelke, Barbara Schöneberger, Thomas Gottschalk, Oliver Pocher, Steffen Henssler, Johannes B. Kerner, Michael Stich und viele andere Prominente.

„Wer wird Millionär?“ wird manchmal auch mit Rate-Teams gespielt

Um ein wenig Abwechslung in die seit 20 Jahren im TV laufende Sendung zu bekommen, werden manchmal auch Specials ausgestrahlt, in denen die Fragen im Zweier- oder Dreierteam gestellt werden. So bekam Günther Jauch auch schon die deutsche Fußball-Nationalmannschaft auf seinen Stuhl, deren Spieler dem Moderator jeweils im Team gegenübersaßen.

Schlaumeier Günther Jauch ist als Moderator die perfekte Besetzung

Der sympathische Quizmaster Günther Jauch ist das Gesicht der Sendung „Wer wird Millionär?“. Als gebürtiger Münsteraner startete er seine Karriere beim Hörfunk und moderierte bereits ab 1985 gemeinsam mit Thomas Gottschalk die B3 Radioshow. Im Fernsehen moderierte er beliebte Sendungen wie „Na siehste“ und konnte mit seiner witzig-charmanten Art auch als Sportmoderator überzeugen.

Spätestens mit der Übernahme des Formates „Stern TV“ von 1990 bis 2011 gelangt ihm der Durchbruch. Seit 1999 moderiert er die Sendung „Wer wird Millionär?“

Im Jahr 2005 wurde Günther Jauch zum beliebtesten Deutschen gewählt. Für sein Engagement im Fernsehen sahnte er diverse Preise ab, darunter den Adolf Grimme Preis, den Bayerischen Fernsehpreis und die Goldene Kamera.

Günther Jauch, der ehrfurchtsvoll von allen gesiezt wird und selbst alle siezt, legt sehr großen Wert auf seine Privatsphäre. So ist auch nur wenig über die ganz persönliche Seite des Herrn Jauch bekannt.

Highlights aus 20 Jahren Showgeschichte

Blickt man auf über 1.500 Folgen „Wer wird Millionär?“ zurück, dann begegnen einem so manche Highlights und Kuriositäten aus der Sendung.

Der Doppelgänger von Günther Jauch: Im April 2004 sah sich Günther Jauch im Studio plötzlich doppelt. Nach mehreren Anläufen hatte es sein Double Andreas Scholz auf den Stuhl geschafft.

„Wer wird Millionär?“ als Single-Börse: Ein Kandidat nutzte die Chance 2008 direkt dafür, eine Partnerin in „Wer wird Millionär?“ zu suchen. Christoph Paninka klebte sich kurzerhand seine Mailadresse auf sein T-Shirt. Er redete auch gar nicht lange um den heißen Brei. Der Lehrer wollte in der Sendung „Wer wird Millionär?“ eine Frau finden und mit ihr eine Familie gründen.

Der 45-Sekunden Auftritt: Kandidatin Tanja Fuß scheiterte 2015 bei „Wer wird Millionär?“ bereits nach 45 Sekunden an der ersten Frage. „Seit jeher haben die meisten …?“ A: Dober Männer, B: Cocker Spaniels, C: Schäfer Hunde, D: Riesen Schnauzer.

Aaron Troschke: Mit seinen kessen Sprüchen war Aaron Troschke der erste Kandidat, der es in der Sendung „Wer wird Millionär?“ wirklich mit Günther Jauch aufnehmen konnte. Er erspielte 125.000 Euro.

Das waren die lustigsten Fragen der bisherigen Sendungen

Das Format „Wer wird Millionär?“ lebt auch von den kuriosen Fragen, die den Kandidaten gestellt werden. Dazu gehören die folgenden Top 3 aus unserer Sicht.

1. Was dient nicht zur Verhütung?

A: Kondom B: Coitus interruptus C: Glücksspirale D: Pille

2. Wofür gibt es einen Oscar?

A: Toller Chirurg B: Exquisites Skalpell C: Bester Schnitt D: Fabelhafte OP

3. Die Dinosaurier lebten …?

A: in der Kreide B: knietief im Dispo C: auf Pump D: mit Schulden

„Wer wird Millionär?“: Das sind die Tricks und Taktiken der Kandidaten

Damit am Ende der Millionenbetrag auf dem Konto landet, müssen einige Hürden genommen werden. Ex-Kandidat Alexander Zimmer, der 750.000 Euro abräumte, glaubt, diese Tricks zu kennen und hat darüber gleich mal einen Ratgeber verfasst („Wer wird Millionär? Ihr Weg in die Show“).

Schon beim Bewerbungsverfahren sei es vorteilhaft, aus der Masse der Menschen herauszustechen. Ein Bild mitten aus einer Schlammschlacht vielleicht, außergewöhnliche Hobbys und lustige Anekdoten aus dem eigenen Leben seien die Minimalanforderung. Wer es in die Show schafft, hat dann nur noch eine Aufgabe: Zeitung lesen – auch die Seite über die britischen Royals und die aktuellen Netflix-Serien.

Im Hinblick auf die Joker empfiehlt Zimmer, den Telefonjoker früher im Spiel einzusetzen als den Publikumsjoker – letzterer sein nämlich zuverlässiger. 

Das sind die bisherigen „Wer wird Millionär?“-Gewinner

Wer bei „Wer wird Millionär?“ alle fünfzehn Fragen richtig beantwortet, darf die Million mit nach Hause nehmen. Allerdings ist es am Ende doch ein kleines Stück weniger vom Kuchen, denn die Gewinne müssen als „sonstiges Einkommen“ nach dem persönlichen Steuersatz versteuert werden. Trotzdem dürfte noch ein großer Teil vom Gewinn übrigbleiben.

Diese Millionäre gab es bislang bei „Wer wird Millionär?“:

Prof. Eckhard Freise: Der Geschichtsprofessor war der erste Millionengewinner der Sendung. Er gewann damals noch eine Million Mark, von der er eine Doppelhaushälfte kaufte und den Rest gespendet hat.

Marlene Grabherr: Für die Hausfrau aus Gottmadingen kam der Gewinn besonders gelegen. Sie kaufte sich einen Sportwagen und Immobilien. Ende Juli 2020 verstarb die erste Gewinnerin der Sendung mit nur 60 Jahren in den USA.

Gerhard Krammer: Der Musik- und Philosophiestudent gewann 2002 die Million und kaufte sich davon eine Eigentumswohnung. Den Rest des Geldes legte er an.

Dr. Maria Winströer: 2004 holte die Assistenzärztin den Hauptgewinn und kaufte sich damit in eine Landarztpraxis ein.

Stefan Lang: 2006 gewann der Aufzugsmonteur bei Günther Jauch die Million. Er unternahm mit dem Geld eine Reise nach Indien, kaufte seiner Frau einen Käfer und zahlte seine Verbindlichkeiten.

Timur Hahn: Der Student im 13. Semester finanzierte mit dem Geld den Rest seines Studiums und ermöglichte seinen Eltern eine Traumhochzeit.

Ralf Schnoor: 2010 gewann Ralf Schnoor die Million. Als Cafébesitzer konnte er die Löhne seiner Angestellten erhöhen und den Rest auf die Hohe Kante legen.

Sebastian Langrock: Als Poker-Profi war dieser Gewinner das Zocken gewohnt. Er wollte mit dem Gewinn um die Welt reisen und dann in Las Vegas seiner Poker-Leidenschaft weiter nachgehen.

Thorsten Fischer: Der selbstständige Gastronom gewann im Oktober 2014 die Million bei Günther Jauch. Das Geld erspielte er in der Jubiläumssendung zum 15. Geburtstag.

Nadja Sidikjar: Sie erspielte im November 2015 die Million im Jackpot-Special. Dabei wurden die Gewinnsummen aller Kandidaten addiert und derjenige, der die meisten Fragen richtig beantwortet hat, bekam das Geld.

Jan Stroh: Der Gewinner spielte seit jeher die Sendung in seinem Keller nach und konnte so einen echten Durchmarsch in der Show hinlegen.

Leon Windscheid: 2015 beantwortete der Doktorand die Millionenfrage richtig. Er schrieb nach der Sendung ein Buch und erlangte auch mit seinen Podcasts einige Berühmtheit.

Ronald Tenholte: Der Saftbarbetreiber war der erste Millionengewinner nach fünf Jahren „Wer wird Millionär?“

Oliver Pocher: Im Promi-Special der Sendung gewann Komiker Oliver Pocher die Million für einen guten Zweck. Er wusste, was sich hinter dem Nagel-Schreckenberg-Modell verbirgt (ein Börsencrash).

Thomas Gottschalk: Moderatoren-Legende Thomas Gottschalk gewann 2008 ebenfalls im Promi-Special die Million. Unterstützung bekam er von Telefonjoker Marcel Reich-Ranicki.

Barbara Schöneberger: Die Moderatorin gewann 2011 die Million für einen guten Zweck. Sie wusste, wie der Knabe aus Wilhelm Tell heißt, dem der Titelheld den Apfel vom Kopf schoss (Walther nämlich).