Sonntag, 27. Mai 2018 19:43 Uhr

Shawn Mendes über Lampenfieber, kreischende Fans und ein Luxus-Leben

Shawn Mendes ist wahrlich ein Senkrechtstarter. Mit „Stitches“ und „There’s Nothing Holding Me Back“ schaffte er auf Anhieb den Durchbruch – seine ersten beiden Alben schafften es in den USA auf Platz 1. Mittlerweile ist der kanadische Sänger und Songwriter 19 und veröffentlicht sein selbstbetiteltes, drittes Werk.

Shawn Mendes über Lampenfieber, kreischende Fans und ein Luxus-Leben

Foto: Apega/WENN.com

Darauf bewegt er sich ein Stück weit weg vom Pop mit Akustikgitarre hin zum R’n’B à la Justin Timberlake. Im Interview im Berliner Soho House erzählt er klatsch-tratsch.de-Autorin Katja Schwemmers von einer Generation, die ohne Terror das Leben genießen möchte, der Hoffnung auf die erste Liebe, seiner Bewunderung für Ed Sheeran und seinem Uhrentick.

Mr. Mendes, Ihr Song „Youth“ hat eine ungewöhnlich ernsthafte Botschaft!
Leider ja. Er ist inspiriert von den schlimmen Dingen und Tragödien, die in der Welt vor sich gehen. Ich wollte ein Lied darüber schreiben, wie es sich für unsere Generation anfühlt, in so einer Welt zu leben.

Für Menschen um die 19?
Mit Jugend meine ich nicht zwingend mein Alter, sondern eher den kindlichen, ungetrübten Blick, den das Jungsein mit sich bringt. Jedes Mal, wenn wieder ein Terroranschlag passiert oder ein weiteres Schulmassaker durch Waffengewalt, stirbt etwas in uns und führt dazu, dass diese Jugend verblasst. Die Aussage des Liedes ist: Wir lassen uns nicht unserer Jugend berauben. Wir halten an ihr fest, denn es ist unsere Entscheidung.

Gab es einen konkreten Anlass für das Lied?
Der Terroranschlag in Manchester vor einem Jahr hat mich unfassbar deprimiert. Ich war noch nie so down. Ich hatte in derselben Arena eine Woche zuvor ein Konzert gegeben. Es war ein schreckliches Gefühl und der Moment, wo mir klar war, dass ich etwas sagen muss.

Mit wem haben Sie darüber gesprochen?
In erster Linie mit meiner jüngeren Schwester. Sie ist 14. Als ich in ihrem Alter war, musste ich mir keine Gedanken über Terroranschläge machen, die westliche Welt schien noch etwas stabiler. Es ist traurig, dass es heute anders ist. Aber es ist die Realität. Der Song gewinnt jeden Tag an Relevanz durch all das, was passiert. Wir wachen fast täglich mit schlimmsten Überschriften und Nachrichten über Zerstörung auf.

Inwieweit lassen Sie das an sich heran?
Ich lebe nicht in einer Popstar-Blase. Ich bin schlecht darin, es zu ignorieren, aber ich will mich auch nicht zu sehr im Negativen verfangen und rund um die Uhr darüber grübeln. Denn das verändert, wer du bist, und wer du sein wirst. Du härtest ab, deine Seele wird kalt und finster. Das hilft niemandem. Im Stück heißt es auch: „Ihr werdet meinen Schmerz nicht in Hass umwandeln.“

Sind Ihnen gesellschaftliche Botschaften wichtig?
Wenn mir etwas wirklich am Herzen liegt, dann ist es mir sehr wichtig. Aber ich muss wissen, worüber ich rede. Wenn ich mir ein Urteil erlaube, muss ich mich erst mal selbst überprüfen und die Situation vollends verstehen, bevor ich meinen Mund aufmache. Leider werden wir heute von vielen Meinungen bombardiert, die oftmals nur in die Irre führen, weil sie auf Unwissenheit basieren.

Shawn Mendes über Lampenfieber, kreischende Fans und ein Luxus-Leben

Foto: Universal Music

Wo Sie schon von Jugend sprechen: Shawn Mendes wurde auf andere Art seiner Jugend beraubt.
Ja, das stimmt. Und das merke ich auch, weil ich bestimmte Erfahrungen noch nicht gemacht habe. Aber ich kenne es ja nicht anders. Ich habe mit 15 angefangen. Ein Viertel meines Lebens mache ich das hier schon, und ich habe wirklich Spaß daran. Millionen von 19-Jährigen würden sofort mit mir tauschen wollen. Ich bin dankbar für dieses Leben.

Herzschmerz ist oft Thema in Ihren Liedern. Haben Sie die echte Liebe schon erlebt?
Ich glaube nicht, obwohl ich viel darüber schreibe. Und da ich die wahre Liebe noch nie selbst erfahren habe, gilt das auch für den Herzschmerz. Aber wenn er passiert, werde ich noch viel mehr traurige Lieder schreiben – so viel ist sicher.

Hätten Sie denn überhaupt Zeit für die Liebe?
Na, klar! Ich habe einfach die richtige Person noch nicht gefunden oder das Timing stimmte bisher nicht – auch wenn mir in den Medien immer irgendwelche Freundinnen angehängt werden. Aber Zeit für Beziehungen gibt es immer, denn dabei geht es ja nur darum, ob ich mir die Zeit nehme oder nicht.

Könnten Sie sich vorstellen, einen Fan zu daten?
Ja, natürlich. Ich wäre nicht der erste Künstler. Man trifft sich und verliebt sich. Da gibt es keine Limitierung. Aus dem Fan würde dann die Freundin. Wobei ich mir natürlich wünschen würde, dass meine Freundin mein größter Fan bleiben sollte und mich unterstützt.

Stimmt die One-Night-Stand-Geschichte, die Sie in „Where Were You In The Morning?“ erzählen?
Die ist mir passiert. Es ist kein romantisches Erwachen, wenn die andere Person schon das Weite gesucht hat. Ich habe die Person zwar wiedergesehen, aber der besondere Moment war verstrichen.

Hat Ihnen der Ruhm jemals Probleme bereitet?
Berühmt zu sein, ist nicht immer einfach – so viel ist mal sicher. Aber es geht darum, was du draus machst. Es ist wichtig, gute Leute um sich zu haben, deine Familie und Freunde zu unterstützen. Und man sollte sich selbst nicht zu ernst nehmen. Ed Sheeran ist ein perfektes Beispiel für jemanden, der einfach liebt, was er macht, sich nicht zu ernst nimmt und deshalb auch kein monströses Image kreiert, dem er gerecht werden muss. Er ist einfach nur er selbst. Und so will ich es auch halten.

Wie halten Sie Kontakt zu Familie und Freunden?
Ich bin mal nur für eine Party inmitten einer Tour ins Flugzeug gestiegen und nach Hause geflogen, um sie zu überraschen. Wenn ich auf Reisen bin, begleitet mich schon mal ein Freund – es ist gut, ein Stück Zuhause dabei zu haben.

Wenn man so jung so erfolgreich ist, hat man dann einen Plan für den Rest des Lebens?
Ich habe mir vorgenommen, irgendwann genau so erfolgreich eine Familie und Beziehung zu haben wie die Karriere. Musikmachen will ich, bis ich 85 bin. Ein paar Jahre dabei zu sein und ein paar Hits anzusammeln, reicht mir nicht.

Quelle: instagram.com

Ihr Aufstieg zum Popstar passierte sehr schnell. Gab es einen Schlüsselmoment, in dem Sie wussten, dass Sie es ganz nach oben schaffen würden?
Diese Momente gibt es immer noch. Da sind all diese Dinge, die du zum ersten Mal erlebst. Als ich 2016 die Single „There’s Nothing Holding Me Back“ veröffentlichte, war das der Wendepunkt. Ich war auf Tour in Europa, und die Ansammlung von Kids, die vorm Hotel rumstanden, wurde immer größer. In London waren es schon mal 1000 Leute. Und plötzlich kamen Künstler wie John Mayer und Ed Sheeran auf mich zu, die ich bewundere, und lobten mich über den Klee.

Ed Sheeran soll Sie in Ihren Anfängen sogar nach Los Angeles eingeflogen haben, um Ihnen Tipps zu geben.
Ja, als ich 15 war. Wir haben immer noch Kontakt, ich habe ihm erst gestern gemailt.

Was stand in der Mail?
Popstar-Geschwätz! (lacht) Ed gibt mir gute Ratschläge. Er sagte mir schon bei unserem ersten Treffen: „Sag niemals nein zu einem Interview oder einem Besuch bei einer Radiostation. Denn die erfolgreichsten Leute sind die, die am härtesten arbeiten.“ Und es stimmt! Erfolg fundiert auf harter Arbeit, Liebenswürdigkeit und Selbstbewusstsein.

Verdienen Sie den Erfolg oder sind Sie vom Glück gesegnet?
Beides. Ich bin der glücklichste Mensch der Welt, aber ich weiß auch, dass ich sehr hart für alles gearbeitet habe und es immer noch tue.

Quelle: instagram.com

Wie ist das heute, wenn Sie Ihr Gesicht auf einer mehrere Meter hohen Plakatwand sehen?
Ziemlich großartig! Ein cooles Gefühl. Aber auch komisch, wenn man sich vorstellt, dass so viele Leute jeden Tag in Los Angeles daran vorbeifahren und es sehen.

Ihr neues Album klingt ziemlich groovig, erinnert mitunter an Justin Timberlake. Sind Sie nun so was wie sein Konkurrent?
Es wäre gut, wenn er mich als das sehen würde. Ich habe ihm den Song „Lost In Japan“ geschickt, und er fand ihn toll. Das freut mich natürlich.

Können Sie denn auch so gut tanzen wie Timberlake?
Noch nicht! Aber diese Platte verlangt ja geradezu danach, dass ich etwas einübe. Ich habe allerdings auch noch eine Gitarre bei meinen Konzerten zu halten.

Steckt in Ihnen denn auch ein Party-Typ?
Eher nicht. Der Party-Typ war ich eigentlich nie.

Auf der Bühne wirken Sie auch oftmals schüchtern.
Es ist ja auch extrem einschüchternd, wenn eine ganze Arena dich anschreit. (lacht) Ich bin immer nervös bei Auftritten. Ich will’s einfach nicht versauen. Ich habe so viele Erwartungen an mich in meinem Kopf. Manchmal gehe ich auf die Bühne, kann ausatmen und völlig loslassen – dann ist es magisch. Aber das jedes Mal hinzukriegen, ist schwierig.

Was tun Sie gegen die Nervosität?
Ich suche mir den nächsten Fan, der für mich den Text singt. Das beruhigt mich. Es ist immer einfacher für mich, vor Fans zu singen als vor Leuten, denen das alles egal ist. Wie auf Preisverleihungen zum Beispiel.

Haben Sie schon mal Applaus gehört oder ist es immer nur das Kreischen?
(lacht) Ich höre beides. Aber das Kreischen ist lauter. Daran gewöhnt man sich nie. Aber ich habe es ja nun schon einige Male gehört, insofern ist es okay.

Sie sind als Model für „Armani“ über den Laufsteg gelaufen. War das Lampenfieber da besser?
Oh nein, ich war unglaublich aufgeregt. Denn sie wollten, dass ich tanze. Aber ich tanze ja nicht. Mode, das Modeln und die ganze Fashion-Industrie mag ich aber sehr. Ich würde das gerne mal wiederholen – aber ohne die Nervosität.

Haben Sie Ihren modischen Stil schon gefunden?
Ich mag es eher schlicht. Stil hat für mich eher damit zu tun, wie alles zusammen spielt und nicht damit, die teuersten oder verrücktesten Klamotten zu tragen.

Sie werden also nicht so ein bunter Vogel wie Jared Leto?
Nein, definitiv nicht. Und ich werde auch nie so eine Jesus-Frisur tragen. Ich glaube, ich bin auch weniger eitel.

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Gibt es keine Luxus-Artikel, die Sie sich gönnen?
Doch, die „Audemars“-Uhr, die ich trage. Ich habe einige Uhren angesammelt, aber diese kostete ein Vermögen. Aber ich finde sie einfach wunderschön.

Reicht es bei Ihnen schon für einen Privatjet?
Noch nicht mal annährend. Dazu muss man wirklich sehr reich sein. Mich trifft man im normalen Flugzeug.

Shawn Mendes über Lampenfieber, kreischende Fans und ein Luxus-Leben

Album-Fanbox. Foto: Universal Music

11.3.2019 Berlin, Mercedes-Benz-Arena
18.3.2019 Köln, Lanxess Arena
21.3.2019 München, Olympiahalle
31.03.2019 Zürich, Hallenstadion
03.04.2019 Wien, Stadthalle

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