Kunst statt Gericht: Das macht TV-Richterin Barbara Salesch heute

Tony PolandTony Poland | 25.01.2022, 21:25 Uhr
Kunst statt Gericht! Das macht TV-Richterin Barbara Salesch heute
Kunst statt Gericht! Das macht TV-Richterin Barbara Salesch heute

Foto: IMAGO / Eibner

Jahrelang verknackte Barbara Salesch zum Teil grauenhafte Laiendarsteller im Nachmittagsprogramm auf Sat. 1. Heute hat die Kult-Richterin mit ihrer Vergangenheit nichts mehr zu tun.

Barbara Salesch ist heute noch die bekannteste Fernseh-Juristin überhaupt. Insgesamt zwölf Jahre verhandelte die Anwältin gestellte Strafprozesse in der deutschen TV-Landschaft. Nach Ende ihrer Laufbahn hat sich der Rotschopf aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und die Gerichtsrobe an den Nagel gehangen.

Die heute 71-Jährige hat ihre Bestimmung in einer deutlich entspannteren Umgebung gefunden. Salesch schloss nochmal ein Studium ab. Jetzt schwingt sie Pinsel statt Gerichtshammer.

„Richterin Barbara Salesch“ war Kult

Rote Haare, Brille, knallhartes Urteilsvermögen und immer einen lockeren Spruch auf den Lippen. So haben wir Barbara Salesch noch heute in Erinnerung. Die Richterin urteilte zwischen 1999 und 2012 über insgesamt 2.356 Fälle in 2.147 Folgen auf Sat. 1 im täglichen Nachmittagsprogramm.

Nach ihrem Jurastudium in Freiburg arbeite sie zunächst bei Hamburger Staatsanwaltschaft, später wurde sich Richterin am Landgericht. Bis sie 1999 das Angebot erhielt, ihre Beschlüsse vor TV-Kameras zu sprechen.

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Barbara Salesch 2014 in einer Talkshow im „NDR“

Foto: IMAGO / STAR-MEDIA

„Als ich im Frühjahr 1999 als Vorsitzende Richterin am Landgericht Hamburg angesprochen wurde, ob ich die Sendung machen wolle, schienen mir 100 Folgen schon viel“, sagte die Juristin gegenüber der „dpa“. Zunächst wurden echte Fälle als Grundlage genommen, später dann fiktive Straftaten mit viel Dramatik aufbereitet.

Für ihre Verhandlung um den Maschendrahtzaun und Knallerbsenstrauch mit Regina Zindler, überreichte ihr Entertainer Stefan Raab (55) 1999 sogar den „Raab der Woche“.

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Barbara Salesch als Richterin

Foto: IMAGO / SKATA


Barbara Salesch: Zusammenbruch während TV-Karriere

Die ständige mediale Präsenz setzte Barbara Salesch allerdings stark zu. Vor Erschöpfung lag sie wochenlang im Krankenhaus. „Ich hatte in den drei Monaten Krankenhaus schon mal das Wichtigste gelernt: Auch mal „nein“ sagen können, und dass 80 Prozent Leistung meistens reichen.“

Der Kult-Rotschopf erholte sich wieder und schaltete ein paar Gänge zurück. „Und zu meiner großen Überraschung war meine Umwelt damit genauso zufrieden. Solange ich meine Bedürfnisse nicht ganz nach hinten stelle, passiert mir so eine Totalverausgabung nicht mehr“, versprach sie der „dpa“.

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Heute arbeitet Barbara Salesch als Künstlerin

Foto: IMAGO / SKATA

Sie lebt als Künstlerin alleine auf dem Land

Heute lässt es Barbara Salesch deutlich ruhiger angehen. Laut „Berliner Kurier“ legte sie nach ihrem TV-Aus ein Kunststudium in Bad Reichenhall ein. Auf ihrem 7.500 qm großen Grundstück in Petershagen (Ostwestfalen) hat sie heute ein Atelier und mehrere Werkstätten. In der Malerei und in der Arbeit mit Holzschnitten geht sie auf.

Meine künstlerischen Arbeiten zeichnen Farbe, Form, Kraft und Bewegung aus. Wenn ich meine, etwas ist fertig, kommt es für einen Monat zur Kontrolle in meine Wohnung. Wenn mich in der Zeit nichts daran stört, dann passt es. Sonst geht es zurück ins Atelier.“ Im Oktober des vergangenen Jahres waren ihre Ausstellungsstücke etwa in einer Herforder Kirche zu sehen.

Die freie Zeit genießt die bekannte TV-Koryphäe übrigens alleine. Mann und Kinder hat sie nicht. „Zuhause will ich keine Regelmäßigkeiten. Also keine Kinder oder Ehemänner in der Bude, die 365 Tage im Jahr versorgt werden müssen. Das könnte ich nicht und das würde mich auch zu sehr einschränken.“ Hund Piri hat sein Frauchen also ganz für sich alleine.