Niemand ist allein!Sonya Kraus: Auch diese Stars bekamen die Schock-Diagnose Brustkrebs

Sonya Kraus: Wie andere Stars ihr gegen den Krebs beistehen können
Sonya Kraus: Wie andere Stars ihr gegen den Krebs beistehen können

Foto: IMAGO/ Hoffmann

Leni HübnerLeni Hübner | 16.02.2022, 19:34 Uhr

Die Diagnose Krebs löst bei den meisten Menschen Panik aus, nicht bei Sonya Kraus, die sich für die radikalste Art der Tumor-Bekämpfung entschied. Mit ihrem Schicksal ist sie nicht allein.

Als Sonya Kraus (48) die Diagnose Brustkrebs bekam, hatte sie gerade für die VOX-Sendung „Showtime of my Life – Stars gegen Krebs“ zugesagt. Ein Zufall, der nun ein Gewinn ist für das TV-Event, aber vor allem für die vielen Menschen, die Sonyas Schicksal dazu bewegen kann, rechtzeitig zur Vorsorge zu gehen.

TV kann Leben retten

„In 25 Jahren habe ich noch nie bei einer Produktion mitgemacht, die so wichtig ist“, sagt die Moderatorin und Autorin dem Magazin „Stern“: „Das ist Fernsehen, das wirklich etwas bewirkt!“ Insgesamt acht Promi-Frauen, darunter auch Lilly Becker (45), Susan Sideropoulos (41) und Sila Sahin-Radlinger (36). Eingeladen war Sonya Kraus, weil sie bereits viele Krebsschicksale begleiten musste. Eine Freundin, ihre Managerin und ihre Stylistin erkrankten an Brustkrebs.

So kam es also, dass Sonya Kraus dann doch nicht nur als Mitfühlende, sondern parallel zur eigenen Krebs-Therapie Teil dieser besonderen Sendung wurde, die auch Mickie Krause (51) das Leben gerettet hat. Bei dem Ballermann-Star, der mit Jan Sosniok (53), Oli Petzokat (43) und anderen Stars zu den acht Männern im Cast der Show gehört, wurde vor laufenden Kameras festgestellt, dass er Blasenkrebs hat. Der Check war Teil des Sende-Konzepts, um Menschen die Angst vor den Untersuchungen zu nehmen.

So geht es für Mickie Krause nach der Krebsdiagnose weiter.


Vor dem Krebs sind wie alle gleich

Krebs macht keinen Unterschied zwischen Promis und Menschen, die nichts mit der Öffentlichkeit zu tun haben. Aber je berühmter man ist, desto mehr kann man aufklären, denn viele Krebsarten können heutzutage bei Früherkennung problemlos geheilt werden. Und auch bei aggressiven Tumoren erhöht jeder Tag die Chance, dass der Patient die Krankheit besiegen kann.

Dass der Sieg auch manchmal nur vorübergehend ist, hat der Tod ihrer befreundeten Kollegin Miriam Pilhau Sonya Kraus sich  eindrücklich vor Augen geführt. Denn selbst eine erfolgreiche Operation und gründliche Therapie sind keine Garantie dafür, dass der Krebs nicht mit neuen Metastasen zurückkommt. Miriam Pilhau starb mit nur 41 Jahren an den Folgen ihrer Krebserkrankung, nachdem der Krebs von ihrer Brust in die Leber gestreut hatte.

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Miriam Pielhau war kurz vor ihrem Tod noch auf Promo-Tour für ihr Buch „Dr. Hoffnung. Die Geschichte eines echten Wunders.“

Foto: IMAGO/ Sven Simon

Angelina Jolie und der radikale Weg

Sonya Kraus entschied sich für eine Mastektomie, bei der ihr beide Brüste entfernt wurden. Bekannt geworden ist diese Art der radikalen Krebsvorsorge und Bekämpfung 2013 vor allem durch Angelina Jolie (46), die durch ihre Mutter, Tante und Großmutter erblich vorbelastet war. Der Hollywoodstar selbst war nicht an Krebs erkrankt, doch bei ihr wurde die manipulierte Genvariante nachgewiesen und eine Wahrscheinlichkeit von 87 Prozent errechnet, dass sie an Brustkrebs erkranken würde.

In diesen erblich bedingten Fällen, sitzt auf Chromosom 17 das sogenannte Breast-Cancer-Gen 1 – kurz BRCA1. Es gibt ähnliche Gene wie das BRCA 2 oder RAD51C, in denen eine Mastektomie ratsam erscheint. Angelina Jolie hatte das Pech, dass sie trotz ihres mutigen Schritts dem Krebs nicht entkommen konnte. Nur zwei Jahre später vermutete ihr Arzt nach einer Routine-Untersuchung, dass Krebs an ihren Eierstöcken wuchern könnte – hier liegt das Risiko bei nur 10 Prozent, dass das Gen die Krankheit auslösen kann.

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Mit der Kamera in den Operationssaal

Wie zuvor zögerte Angelina Jolie nicht und ließ sich mit 39 Jahren Eierstöcke und einen Teil der Eileiter entfernen. Schwanger werden kann sie seither nicht mehr, im Gegenteil, der Eingriff löste frühzeitig die Wechseljahre aus. Für Angelina Jolie, die den frühen Tod ihrer Mutter nur schwer verkraften konnte, gab es keine Alternativen. Ihre Geschichte löste einen Run auf die Vorsorgetermine aus, die sonst oft vernachlässigt werden.

Als Anastacia (53) 2003 die Diagnose Brustkrebs bekam, nahm sie ihre Fans sogar mit ins Krankenhaus: Sie ließ die Operation, bei der ihr ein Teil der linken Brust und zwei Lymphknoten entfernt wurden, filmen. Zehn Jahre lang schien es, als sei damit alles durchgestanden, doch 2013 wurde erneut Brustkrebs festgestellt. Daraufhin entschied auch Anastacia, sich beide Brüste abnehmen zu lassen.

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Anastacia kehrte nach ihrer Krebstherapie sofort wieder auf die Bühne zurück.

Foto: IMAGO/ United Archives International

Kein Krebsfall gleicht dem anderen

Ähnlich war es, als Kylie Minogue (53), Sylvie Meis (43) oder auch Shannen Doherty (50) an Brustkrebs erkrankten. Die Frauen gingen ebenfalls sehr offen mit ihrer Diagnose um. Sie versteckten sich nicht, als ihnen wegen der Chemotherapie die Haare ausgingen und sie sprachen offen darüber, dass der Kampf nicht einfach sei und eher einem Leidensweg als einem Triumphmarsch gleiche.

Man kann den Promi-Damen nicht dankbar genug sein dafür, dass sie sich nicht zurückgezogen zu haben, sondern gegen die Tabus angegangen sind. Und das zu einer Zeit, in der sie sich bestimmt oft hundeelend gefühlt haben und ihre perfekte Schönheit, von der sie sonst ja auch lebten, nur noch eine Fassade war, die Stylisten aufrecht erhielten.

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Als Kylie MInogue nach ihrer Chemtherapie auf den roten Teppich zurückkehrte, setzte sie mit dem Kurzhaar-Look einen neuen Trend.

Foto: IMAGO/ ZUMA Press

Selbstbewusstsein ist hilfreich

Ja, auch das ist ein Thema, das unterschätzt wird. Schon ein Bad-Hair-Day macht einigen Frauen zu schaffen, was ist aber, wenn gar keine Haare mehr da sind – weder auf dem Kopf, noch an den Augenbrauen oder Wimpern? Die DKMS LIFE, die auch Sylvie Meis unterstützt, bietet ganz konkret Kosmetikkurse an, damit Frauen lernen, Hilfsmittel zu nutzen und das durch die Krankheit geschundene Selbstbewusstsein zu pushen und Lebensfreude zurückzugewinnen.

Für Melissa Etheridge (60) war es 2004 zum Beispiel unmöglich, nach der Diagnose öffentlich aufzutreten. Sie zog sich zurück und nahm sich die Zeit, die sie selbst brauchte, um den Schock zu verarbeiten. Weil ihr Tumor rechtzeitig erkannt wurde, konnte sie mit einer Kombi aus Chemotherapie und Bestrahlung geheilt werden. Sie schrieb die Songs „I Run For Life“ und „Message to Myself“, um ihre Erfahrung zu verarbeiten und nun anderen zu helfen.

Stärke ist manchmal nur relativ

Für Martina Navrátilová (65) war es ebenfalls ein totaler Schock, als sie erfuhr, dass sie Krebs hatte. Die Tennisspielerin war auf dem Platz als knallharte Kämpferin bekannt, plötzlich fühlte sie sich fast ohnmächtig. Vor allen Dingen die banalen Dinge machten ihr Angst – wie der Verlust der Haare. „Schließlich habe ich nicht so viele“, scherzte sie später gegenüber der USA Today. Trotzdem entschied sie damals, in die Öffentlichkeit zu gehen und wie geplant in ihrem Krebsjahr 2010 die French Open zu kommentieren.

Das Haar-Thema greift auch „Heute bin ich blond“ auf. Der Film beruht auf dem autobiografischen Buch von Sophie van der Stap (38). Die Holländerin wurde „das Mädchen mit den neun Perücken“, als bei ihr mit 21 Jahren ein Tumor in der Lunge diagnostiziert wurde. Sie war anfangs keine Vorzeigepatientin, sondern ihrem Alter entsprechend jung und wild. Nach und nach ist sie in den Kampf gegen den Krebs hineingewachsen, die Perücken halfen ihr, verschiedene Persönlichkeiten zu entwickeln, um mit ihren wechselhaften Gefühlen umzugehen.

Kein klares Erfolgsrezpet

Es gibt eben nicht die eine Art gegen den Krebs vorzugehen. So waren Kylie Minogue und Sylvie Meis erfolgreich, aber Shannen Doherty musste akzeptieren, dass trotz harter Therapien und strengen Diäten keine Heilung mehr möglich ist. Die Schauspielerin muss mit der Gewissheit leben, dass sie Krebs im Endstadium hat. Nun betrachtet sie jeden Tag, den sie mit ihren Liebsten genießen kann, als Geschenk. Sie will nicht für immer die Krebspatientin sein, sondern wieder eine 50-jährige Frau, die erfolgreich im Leben steht.

„Du wirst so schnell abgeschrieben, obwohl du vital und glücklich bist und arbeiten willst“, sagt sie dem People-Magazin und spricht damit vermutlich auch zahlreichen Schicksalsgenossinnen aus der Seele: „Wir alle sind endlich. Vielleicht lebe ich sogar länger als jemand, der kerngesund ist. Man hat keine Ahnung.“ Ja, nichts ist sicher im Leben außer der Tod.

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Gerecht ist keine Krankheit

Mit dem Stempel „krank“ muss auch Christina Applegate immer wieder leben. 2008 wurde aus der „Dumpfbacke“, wie sie als Kelly Bundy in „Eine schreckliche nette Familie“ tituliert wurde, die Frau mit Brustkrebs. Wie Angelina Jolie hat sie das mutierte Gen und wie ihre Kollegin später ließ sie sich beide Brüste abnehmen. 2017 folgten die Eierstöcke und Eileiter. Es schien, als habe sie alles überwunden. Nun erhielt sie im vergangen Jahr die Diagnose MS.

Im Gegensatz zu Krebs ist die Nervenkrankheit MS in keinem Fall heilbar, doch man kann lernen, mit den Symptomen zu leben und sie zu lindern. Man könnte nun denken, wie unfair, dass die Schauspielerin so viel Leid erfahren muss, doch das ist nicht Christina Applegates Ansatz: „Es war ein harter Weg“, twitterte sie, „aber wie wir alle wissen, geht der Weg weiter. Es sei denn, irgendein Arschloch blockiert es.“

Nicht jeder gewinnt den Kampf gegen den Krebs

Für einige Stars ging der Weg durch den Krebs zu Ende: Kelly Preston wurde nur 57 Jahre alt
Audrey Hepburn erhielt die Diagnose zu spät und starb mit 63 Jahren, Charlies Engel Farrah Fawcett wurde 62, Harry-Potter-Star Helen McCrory nur 52, Moderatorin Jana Thiel starb mit 44 Jahren, Barbara Rudnik und Constanze Engelbrecht wurden 50 Jahre, Maja Maranow erlag ihrem Krebs mit 54 Jahren, Mareike Carrière mit 69 Jahren, Susanne Lothar wurde 51 Jahre, Hannelore Elsner starb mit 76 Jahren und die traurige Liste hat noch lange kein Ende.

Natürlich ist Krebs keine Frauenkrankheit, Jens Büchner († 49), David Bowie († 69), Patrick Swayze († 57), Diether Krebs († 52), Guido Westerwelle († 54), Robin Gibb († 62), Ulrich Mühe († 54), George Harrison († 58), Alan Rickman († 69), Bob Marley († 36), Chadwick Boseman († 43) und leider noch viele mehr, denen wir hier nicht allen gedenken können, erlagen ihren Krebsleiden.

Niemand ist allein

Wie Melissa Etheridge hatten viele nicht die Kraft, ihren Weg öffentlich zu gehen, einige hielten ihre Diagnose bis zu ihrem Tod geheim. Die Entscheidung muss jeder selbst treffen. Vielen Krebspatienten ist es wichtig, sich mit anderen auszutauschen und sich von anderen Krankheitsgeschichten inspirieren zu lassen. Gerade denen helfen Stars wie Sonya Kraus, die ihren Weg nun immer und immer wieder erzählen wird, um die Krankheit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Anfangs hat sie ihre Diagnose nur mit Freundinnen besprochen, die ebenfalls Erfahrungen mit Krebs machen mussten. Ihren Söhnen und ihrer Mutter hat Sonya den Krebs sogar bis nach ihrer OP verheimlicht, damit die sich keine Sorgen um sie machen mussten. Das war sicher schwer, aber eine persönliche Entscheidung. Nun, da sie das Schlimmste hinter sich hat, stellt sie sich mit ihrer ganz privaten Story ihrer Verantwortung als Person des öffentlichen Lebens. Vielleicht hat sie dafür die eine oder andere Promi-Krankheitsgeschichte geholfen die Entscheidung zu treffen. Wir sagen: Chapeau!