Nach „Rust“-Tragödie: So geht George Clooney am Set mit Waffen um

Sebastian GrünbergerSebastian Grünberger | 16.11.2021, 22:06 Uhr

IMAGO / Prod.DB

George Clooney hat zur tödlichen Tragödie am Filmset von „Rust“ eine ganz klare Meinung — und erklärt aus eigener Erfahrung, was falsch gelaufen ist.

George Clooney (60) ist geübt im Umgang mit Waffen — zumindest am Filmset. Der Schauspieler ist nicht erst seit den Nachrichten über den tragischen Vorfall am Set des Westerns „Rust“ im Oktober 2021 extrem vorsichtig, wenn es um das Handling von Schussszenen geht.

Das „Waffenritual“ des Hollywood-Stars

Für Clooney gibt es vor Waffenszenen ein fixes Sicherheitsritual. „Jedes Mal, wenn mir am Set eine Waffe ausgehändigt wird, öffne ich sie, zeige sie der Person, auf die ich sie richte, und zeige sie der Crew“, erzählte der Schauspieler im WTF-Podcast dem Host Marc Maron (58).  „Bei jeder einzelnen Aufnahme gebe ich sie dem Waffenmeister zurück, wenn ich fertig bin, und mache es noch einmal“, so Clooney weiter.

George Clooney setzt bei Filmdrehs auf Sicherheitsmaßnahmen.

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Clooney über Brandon Lees Tod

Dass Clooney so vorsichtig ist, resultierte aus dem Tod von Brandon Lee († 28), der 1993 bei den Dreharbeiten zum Film „The Crow“ ums Leben kam — ebenfalls durch einen Unfall mit einer Requisitenwaffe  Er und Lee seien befreundet gewesen: „Brandon und ich spielten Ball und hingen drei Tage in der Woche im Hollywood Y ab. Wir waren Kumpel. Wissen Sie, das war sein großer Durchbruch“.

Darüber, wie es zum tödlichen Unfall bei „The Crow“ kommen konnte, hatte Clooney eine genaue Vorstellung: „Die erste Einheit, wahrscheinlich eine Low-Budget-Einheit… Ich weiß nicht einmal mehr, ob der Kerl überhaupt ein Gewerkschaftsrequisiteur war, er schickte den Film an eine zweite Einheit, eine andere Gruppe, und die wollte die gleiche Waffe verwenden, also schickten sie die Waffe dorthin. Es war die Freundin des Mannes, die als Requisiteurin fungierte. Sie hatten keine Patronenattrappen, also fertigten sie welche an, indem sie das Schießpulver herausnahmen und die Patrone wieder hineinsteckten… Sie nahm die Patronen aus dem Zylinder und eine der Patronen, eine der Kugeln, hatte sich im Lauf der Waffe festgesetzt.“

Clooney weiter: „Keiner überprüft den Lauf. Niemand bemerkt, dass bei einer der sechs Patronen das Geschoss fehlt, und übergibt sie der ersten Einheit. Sie legen eine volle Ladung hinein. Der Schauspieler, was man nie mit einer vollen Ladung macht, richtet sie direkt auf Brandon und drückt ab, und es ist, als würde er mit einer normalen Kugel erschossen. Und tötete ihn.“

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Kritik an Machern von „Rust“

Für die Produktion des Westerns „Rust“ hatte Clooney scharfe Kritik übrig — vor allem dafür, dass das verantwortliche Personal laut Berichten einfach nicht erfahren genug war. „Warum um alles in der Welt hätte dieser Low-Budget-Film mit Produzenten, die noch nie etwas produziert haben, für den Waffenmeister nicht jemanden mit Erfahrung einstellen sollen?“, „Wir müssen besser dafür sorgen, dass die Leiter unserer Abteilung erfahren sind und wissen, was sie tun“, erklärte er.

Man hätte seit dem Tod von Brandon Lee einfach schlauer sein müssen: „Nach dem Tod von Brandon wurde es ganz klar: Öffne die Waffe, schau in den Lauf, schau in den Zylinder, vergewissere dich“, sagte Clooney – und zog ein Fazit: „Es war eine Reihe von Tragödien. Aber auch eine Menge dummer Fehler.“

Der Fall „Rust“

Bei den Dreharbeiten zum Western „Rust“ hatten sich im Oktober 2021 Projektile aus der Requisitenwaffe von Alec Baldwin (63) gelöst. Dabei kam Kamerafrau Halyna Hutchins († 42) ums Leben, Regisseur Joel Souza (48) wurde verletzt. Dem für die Waffe verantwortlichen Team wird grobe Fahrlässigkeit vorgeworfen — allen voran Waffenmeisterin Hannah Gutierrez-Reed (24). Diese wehrt sich gegen die Vorwürfe. Laut Medienberichten soll es grobe Sicherheitsmängel gegeben haben, außerdem seien die Zuständigen nicht erfahren genug gewesen sein.