Der nächste Laber-Podcast: Markus Lanz und Richard David Precht genügen sich selbst – und das ist ok so

Jetzt auch noch Podcast: Markus Lanz und Richard David Precht überraschend gut
Jetzt auch noch Podcast: Markus Lanz und Richard David Precht überraschend gut

Foto: ZDF/Christian Bruch

09.10.2021 10:14 Uhr

Oft schon war Fernsehphilosoph Richard David Precht bei „Markus Lanz“ zu Gast und die beiden Ikonen des ZDF sind auch privat befreundet. Nun hatte Lanz, weil er das Radio so liebt und findet, dass Precht so kluge Dinge sagt, die Idee zu einem Podcast. Und: Die beiden genügen sich wie auch im TV natürlich selbst, reden aber trotzdem irgendwie über die wichtigen Themen…

Markus Lanz (52) und Richard David Precht (56) sind seit geraumer Zeit so etwas wie die Aushängeschilder des ZDF. Für all jene, die vom Talk-Show-Moderator Lanz und vom Populärphilosophen Precht nicht genug bekommen können, spendiert der Haussender der Plaudertaschen nun einen eigenen Podcast mit den beiden.

„Lanz & Precht“ – wie kommt es zu der Podcast-Liaison?

Markus Lanz und Richard David Precht sind feste Größen der deutschen Medienlandschaft und trafen schon des Öfteren im Fernsehen aufeinander – meist in Lanz‘ eigener Talkshow. Beide haben recht erfolgreiche, nach ihnen benannte Formate im ZDF. Bevor wir uns mit dem neuen gemeinsamen Projekt befassen, wollen wir einen kurzen Blick auf die Werdegänge der beiden TV-Ikonen werfen.

Markus Lanz‘ Karriere: Von den Privaten ins öffentlich-rechtliche Fernsehen

Markus Lanz wuchs in Südtirol auf und besuchte dort ein Internat. Prägendstes Ereignis seiner Jugend war der frühe Tod seines Vaters: Als Markus 14 Jahre alt war, verstarb sein Vater an Leukämie. Ein Trauma, das den Moderator bis heute verfolgt. Nach der Matura und der Absolvierung der Wehrpflicht in Italien jobbte er zunächst in seiner Heimatstadt Bruneck beim Radio. Doch es zog ihn weiter nach Norden: erst die Ausbildung zum Kommunikationswirt in München, dann ein Volontariat bei Radio Hamburg. Nachdem er dort ein politisches Protestlied aus eigener Feder gespielt hatte, musste er seinen Hut nehmen.

Doch er fand eine neue Heimat bei RTL, wo er sich bald bei „Explosiv – Das Magazin“ von der Urlaubsvertretung bis zum Redaktionsleiter hocharbeitete. Es folgte der Wechsel zum ZDF: Auch hier vertrat Lanz zunächst nur Johannes B. Kerner (56), ersetzte diesen aber bald ganz und wurde zum neuen ZDF-Talker Nummer eins. Im Grunde eine Bilderbuchkarriere, wenn da nicht der Misserfolg als Moderator von „Wetten, dass…?“ gewesen wäre. Doch ist diese Bauchlandung längst wieder in den Hintergrund gerückt, heute ist Lanz beim TV-Publikum beliebter denn je.

Markus Lanz' Karriere: Von RTL zum ZDF

IMAGO / Sven Simon

Richard David Precht: Ein akademischer Musterschüler

Richard David Precht wuchs in Solingen im Bergischen Land in einem politisch stark links geprägten Elternhaus auf. So waren zwei seiner vier Geschwister Adoptivkinder aus Vietnam, die Prechts Eltern aus Protest gegen den Vietnamkrieg aufgenommen hatten. Seine Mutter engagierte sich bei Terre des Hommes.

Nach Abitur und Zivildienst studierte Precht in Köln Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte. 1994 promovierte er in Germanistik zum Dr. phil.. Es folgten einige renommierte Journalistenstipendien. Der breiten Öffentlichkeit wurde Precht bekannt, weil Literaturkritikerin Elke Heidenreich (78) sein Buch „Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“ über alle Maßen lobte.

Philosoph Richard David Precht: Erfolgreich im TV und als Autor

IMAGO / Future Image

Precht 2021: Ein Vermögen mit Philosophie

Precht avancierte rasch zum Lieblingsphilosophen des deutschen Fernsehens, wurde in zahlreiche Talkshows – darunter wiederholt „Markus Lanz“ – geladen. Auch bei „Das Philosophische Quartett“ im ZDF war er ein häufiger Gast und verdrängte das Format schließlich mit seiner eigenen, gewiss massentauglicheren Sendung „Precht“ von dessen Sendeplatz.

In der Tat ist Precht so sehr Philosoph für die breite Masse wie Lanz der Talker für die breite Masse ist, was ja nicht zwingend etwas Schlechtes ist. Philosophische und politische Fragen so aufzubereiten, dass auch der Durchschnittsbürger mitkommt, ist schließlich auch eine Kunst für sich.

Und diese Kunst ist gut bezahlt: Allein die Verkaufszahlen seiner Bücher belaufen sich auf 3,2 Millionen Stück, was auf einen Umsatz von 60 Millionen Euro hinausläuft. Selbst unbekannte Autoren erhalten schon 10 % dieses Umsatzes, aber Precht ist kein Unbekannter. Er dürfte also locker zehn Millionen aufwärts allein mit Buchverkäufen verdient haben. Hinzukommen gut bezahlte Vorträge, für die ein Hochkaräter wie Precht sicher fünfstellige Beträge aufrufen kann. Daneben sind die Einnahmen durch die sechsmal jährlich laufende Fernsehsendung wohl nahezu irrelevant. „Precht“ ist aber natürlich gute Werbung für die Marke Precht.

Jetzt auch noch Podcast: Markus Lanz und Richard David Precht überraschend gut
Richard David Precht bewegt sich im Podcast gerne am Rand des politisch korrekten Konsens

Foto: ZDF/Christian Bruch

Mit vereinten Kräften: Der neue Podcast „Lanz & Precht“

Nun stellt das ZDF Lanz und Precht einen eigenen Podcast bereit, der seit dem 3. September wöchentlich ganz neu auf gängigen Plattformen wie Spotify oder Apple Podcasts erscheint und abrufbar ist. „Im Podcast können wir die Dinge vertiefen, reflektieren und mit einigen Tagen Abstand noch mal ganz neu bewerten. Ein Podcast ist im positiven Sinn sehr reduziert, fokussiert und auf das Wesentliche begrenzt: die Stimme“, beschreibt Markus Lanz das neue Projekt mit Richard David Precht.

Jetzt auch noch Podcast: Markus Lanz und Richard David Precht überraschend gut
Die beiden ZDF-Schlachtschiffe sind auch privat befreundet, aber nicht immer einer Meinung

Foto: ZDF/Christian Bruch

So kam es zum gemeinsamen Podcast von Precht und Lanz

Die Idee zum Podcast hatte wohl Lanz, der selbst erklärt: „Ich bin lange mit dem Gedanken schwanger gegangen, dass mal zu machen, weil ich dieses Medium ,Radio‘ im weitesten Sinne … mir ist […] klar, dass das kein Radio ist … aber ich hab das nie so richtig aus den Augen verloren und dachte aber immer, Podcast, das kann nicht einfach nur die Fortsetzung von Fernsehen mit anderen Mitteln sein. Und ich habe einen großen Respekt davor, gehe da auch mit einer gewissen Demut dran und erst als ich irgendwann mal relativ regelmäßig mit dir [Precht] telefoniert habe, dachte ich mir irgendwann: Da kommen oft so interessante Dinge aus deinem Kopf. Das müsste man eigentlich mehr Leuten erzählen und mehr Leuten zugänglich machen. Das ist der Grund, warum wir jetzt hier sitzen.“

Das klingt in der Tat ein wenig so, als wolle Lanz Precht eine Bühne bereiten, als Anspielpartner für dessen Analysen zu Medien, Politik und Gesellschaft dienen. So fern der Wahrheit ist dieser Eindruck nicht.

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Markus Lanz stellt Fragen - und wartet auf Antworten

Foto: ZDF/Christian Bruch

Das Konzept vom Podcast „Lanz & Precht“

In ruhiger Gesprächsatmosphäre starten Markus Land und Richard David Precht im Podcast ihren gemeinsamen Austausch über aus ihrer Sicht relevante Themen. Der Wahlkampf und politisch korrekte Sprache standen in den bisherigen Ausgaben ebenso im Fokus wie Persönliches.

Es kommt zu selbstreflektierenden Betrachtungen der Medien. Es soll philosophisch, gesellschaftlich und politisch werden, wobei manch böser Kritiker das Wort „belanglos“ wohl als treffender empfinden mag. Daran scheiden sich die Geister ebenso wie an den beiden Protagonisten.

Reibungspunkte sind Mangelware, oft quittiert Lanz Prechts Ausführungen nur zustimmend mit einem „Mhm“ oder „interessant“. Zeitweilig entsteht dabei gar der Eindruck, Lanz wage es nicht, Precht zu widersprechen. Für jeden, der die Ansichten Prechts schätzt und mit Lanz oft einer Meinung ist, erzeugt das zweifelsohne eine gewisse Wohlfühlatmosphäre. Das könnte man auf die Zielgruppe zugeschnitten nennen, denn die potentiellen Hörer des Podcast sind nun einmal Fans von Markus Lanz und Richard David Precht.

Precht selbst sagt zu dem neuen Projekt: „Ein Podcast ist nicht die Fortsetzung von Fernsehen mit anderen Mitteln. Es ist wunderbar, während man einen Gedanken formuliert, über nichts anderes nachdenken zu müssen als über die eigenen Worte.“ (Redaktion KuT)