Oliver Pocher: So war seine Kindheit bei den Zeugen Jehovas

Oliver Pocher: So war seine Kindheit bei den Zeugen Jehovas
Oliver Pocher: So war seine Kindheit bei den Zeugen Jehovas

IMAGO / Future Image

17.06.2021 11:52 Uhr

Oliver Pocher wurde 1978 in Hannover geboren und wuchs im nahe gelegenen Isernhagen auf. Er soll einen Bruder haben über allerdings nichts bekannt ist. Seine Eltern verdienten ihr Geld als Finanzbuchhalter und Versicherungskauffrau.

Dennoch unterschied ihn ein wesentliches Detail vom Großteil der anderen Kinder in seiner Schule: Seine Familie war Mitglied der strengen Religionsgemeinschaft Zeugen Jehovas. Dieser Umstand hatte auch für den späteren Viva-Moderator in der Kindheit einen enormen Einfluss, wie Oliver Pocher immer wieder in Interviews durchblicken lässt.

So war seine Kindheit bei den Zeugen Jehovas

In der RTL-Dokumentation „Absolut Oliver Pocher“ gab der fünffache Familienvater ein paar Beispiele aus seiner Kindheit bei den Zeugen Jehovas: „Du feierst keine Geburtstage, kein Weihnachten, kein Ostern. Muttertag machen wir auch nicht. Wir lassen uns nicht zum Klassensprecher wählen, wir gehen nicht auf Klassenfahrten mit. Wir machen keinen Religionsunterricht, wir machen keinen Biologie-Unterricht.“

Damals habe er auch so manch traumatisches Erlebnis gehabt, erinnert sich Oliver Pocher zurück. Geburtstage seien so „der Klassiker“ gewesen, wie er selbst sagt. In der TV-Show „Global Gladiators“ gab der Comedian einen recht tiefen Einblick in diese Situationen. Wenn in der Schule Einladungen von anderen Kindern kamen, dann durfte er nicht hin und musste sagen:

„Ich kann leider nicht zu deinem Geburtstag kommen.“ Und auch wenn die Geburtstagskinder Süßigkeiten mitbrachten, dann konnte Oli nur daneben stehen und sagen: „Nein, ich nehme nichts.“ Ein Zustand, der sicher nicht einfach war …

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von Oliver Pocher (@oliverpocher)

Pietro Lombardi über Oli Pochers Kindheit

Während Pocher von seinen Erfahrungen berichtet, ist ihm anzumerken, dass einige dieser Momente mit ihm als Kind etwas gemacht haben. Diesen Eindruck hatte auch Pietro Lombardi, der während dem Gespräch dabei war.

„Man hat gesehen, dass das nicht alles einfach für ihn war so mit keinem Geburtstag und keinem Weihnachten. Ich glaube, das sind so Sachen, die für Kinder etwas ganz Besonderes sind und das hat ihm halt gefehlt. Ich glaube, so glücklich war er nicht.“

Oliver Pocher verrät sein schlimmstes Kindheits-Trauma

Dieser Eindruck wird weiter unterstrichen, als Oli von einem Vorfall berichtet, der für ihn als Kind besonders schlimm war. „Bei mir gab es noch so ein anderes traumatisches Erlebnis so mit zehn-elf. Mein bester Freund, dessen Eltern sind damals ausgeschlossen worden“, erklärt er mit etwas gebrochener Stimme. „Den durfte ich von einem auf den anderen Tag nicht mehr sehen. Das war für mich wie gestorben. Der war dann einfach weg.“

Damals hieß es auf die Frage, was mit Markus sei: „Die Eltern von Markus glauben nicht mehr an Jehova!“ Für Oliver sei damals eine Welt zusammengebrochen. „Ich habe geheult wie sonst was. Das war für mich so, als wie wenn er tot wäre. Mein vorher bester Freund war plötzlich weg.“

Das waren Olis Aufgaben bei den Zeugen Jehovas

Seine Eltern – Jutta und Gerhard Pocher – kamen erstmals mit den Zeugen Jehovas in Berührung, als Oli vier Jahre alt war. In seiner Kindheit musste er an zahlreichen Treffen und Kongressen der Gemeinschaft teilnehmen und sogar von Haus zu Haus gehen.

Außerdem musste er die religiöse Zeitschrift „Wachtturm“ in der Fußgängerzone verteilen. Mit der Volljährigkeit habe der den Zeugen Jehovas dann aber den Rücken gekehrt, erklärt er freimütig. „Mit 18 aufgehört, weil dann andere Dinge wie Geschlechtsverkehr und andere Sachen spannender für mich waren, als von Haus zu Haus zu gehen.“

Oliver Pocher: So war seine Kindheit bei den Zeugen Jehovas

IMAGO / Horst Galuschka

Oli Pocher: So ist das Verhältnis zu seinen Eltern heute

Dennoch findet Oliver Pocher für die Religion seiner Eltern nur versöhnliche Worte: „Jeder kann glauben, was er möchte. Ist nicht meins und meinen Lifestyle trifft das nicht. Leute, die in irgendeiner Art und Weise Halt brauchen oder im Leben Angst haben, glauben dadurch in irgendeiner Form eine Erlösung zu finden. Für mich ist das nichts.“

Die Beziehung zu seinen Eltern, die der Glaubensform treu geblieben sind, beschreibt Pocher als etwas zurückhaltend. „Geschenke von meinen Eltern hielten sich in Grenzen. Man kommt sich, in negativem Sinne, speziell vor.“ Genau deshalb mache er seinen fünf Kindern auch ganz besonders gerne Überraschungen. Noch heute sei das Verhältnis zu Papa Gerd in den Augen des RTL-Stars etwas unterkühlt.

„Mein Vater gibt mir normalerweise die Hand, wenn wir uns wiedersehen. Und die Umarmung ist eher so ,zweimal auf die Schulter geklopft und weiter gehts‘. Es ist also eher ein Kumpelverhältnis ist das“, beschreibt er die Beziehung. Nicht nur Oli Pocher hatte es nicht leicht als Heranwachsender, auch seine Frau Amira Pocher äußert sich öfter über ihre schwierige Kindheit ohne Vater. 

Religions-Clash mit Papa Pocher

Vielleicht auch gerade deshalb trat Oliver Pocher im Januar 2020 mit seinem Vater Gerd eine Weltreise an, die in der RTL-Dokureihe „Pocher und Papa auf Reisen“ festgehalten wurde. Das Besondere an der Reise war, dass Vater und Sohn lange nicht mehr so viel Zeit miteinander verbracht haben und der letzte gemeinsame Urlaub über 20 Jahre zurücklag. Kein Wunder, dass es da gelegentlich zu kleineren Reibereien kam.

Sein Papa ist noch immer bei den Zeugen Jehovas und im Urlaub kam es deshalb auch zu so manch Religion-Clash: „Das ist immer ein gewisses Streitthema. Und deshalb gab es auch ein, zwei Sachen, die er nicht so gut fand oder nicht sofort machen wollte“, so Pocher zu RTL.

So reagiert Papa Pocher auf andere Religionen

Während der Reise zeigten sich beide grundsätzlich offen für alles – zumindest so lange keine Religion im Spiel war. So wollten sie für ihre Thailand-Folge in einem Mönchstempel in Thailand drehen, allerdings fühlte sich Gerd, der seit 38 Jahren bei den Zeugen Jehovas ist, dabei eher unwohl. So begann eine Diskussion über den Buddhismus.

Zwar habe der Schwiegervater von Amira Pocher nichts gegen andere Religionen, dennoch würde er sich in Thailand nicht an Riten oder Zeremonien des Buddhismus beteiligen wollen. „Da hat er dann gesagt: ‚Das ist für mich nicht die richtige Religion, damit möchte ich nichts zu tun haben.‘ Da gibt’s dann schon mal eine gewisse Diskussion.“

Verletzung nach Schießerei – sein Vater hatte ihn noch gewarnt!

Auf seiner Reise mit Papa Gerd erlebte der RTL-Star noch weitere interessante Situationen, welche die religionsbedingten Unterschiede in der Weltanschauung der beiden unterstrichen. So weigerte sich Pocher-Senior beim USA-Trip mit einer Waffe zu hantieren. „Mein Vater hatte zuvor schon angekündigt: ‚Eine Waffe? Fasse ich nicht an! Das ist nicht mein Ding!’“

Vielleicht hätte Oli in dieser Situation tatsächlich besser auf seinen Vater hören sollen, denn der Dreh bei einer Jagd endete für den Comedian mit einer blutenden Platzwunde. „Dort hatte ich ja meinen Unfall mit dem Gewehr und musste mit sieben Stichen genäht werden, nachdem mich das Fernrohr durch den Rückstoß irgendwie im Gesicht getroffen hat.“ Trotz ihrer teils verschiedenen Weltanschauungen haben die Pochers einen guten Kontakt zueinander.

Diese Promis sind bei den Zeugen Jehovas

Die Religionsgemeinschaft, die viele eher fragwürdig finden, ist oder war auch für zahlreiche Promis ein wichtiger Teil ihres Lebens. So sollen zu Lebzeiten auch Stars wie Michael Jackson und Prince Zeugen Jehovas gewesen sein.

Ebenfalls dabei sollen die Tennis-Schwestern Venus und Serena Williams, so wie Geri Horner von den Spice Girls und Topmodel Naomi Campbell sein.