Im Sinkflug ohne Dieter Bohlen! Darum stürzt „Das Supertalent“ immer mehr ab

Im Sinkflug ohne Dieter Bohlen! Darum stürzt „Das Supertalent“ immer mehr ab
Im Sinkflug ohne Dieter Bohlen! Darum stürzt „Das Supertalent“ immer mehr ab

Foto: RTL / Stefan Gregorowius

11.10.2021 22:15 Uhr

Nach dem schwachen Staffel-Auftakt gingen die Einschaltquoten beim „Supertalent“ in der zweiten Folge am letzten Samstag (9. Oktober) noch weiter in den Keller. Irgendwie scheint das Format seinen Zauber verloren zu haben. Der Verlust von Zugpferd Dieter Bohlen wurde unterschätzt und ist nicht aufzufangen.

Es gab Jahre, da war „Das Supertalent“ am Samstagabend ein Selbstläufer. Mitfiebern mit den Kandidaten, das Staunen über teils unglaubliche, skurrile oder saudämliche Talente und viele ungewollte und gewollte Lacher der stets prominent besetzten Jury. Die beliebte Unterhaltungsshow fesselte die Leute zur besten Sendezeit am Samstagabend vor dem Bildschirm.

Doch die Zeiten der Traum-Quoten scheinen endgültig vorbei. Das Format scheint kaum noch Zuschauer zu interessieren. Den Start der 15.  Staffel am 2. Oktober wollten nur 2,28 Millionen Zuschauer sehen – so schlecht startete eine „Supertalent“-Erstausstrahlung noch nie. Eine Woche später ging es noch weiter runter.

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Am 9. Oktober waren nur noch 1,77 Millionen dabei. Im Kampf mit der starken Konkurrenz (u.a. „Verstehen Sie Spaß?“, 3,87 Millionen Zuschauer) ging das einst so beliebte Konzept gnadenlos unter. Doch woran liegt das? Und welche Rolle spielt die Abwesenheit von Dieter Bohlen (67)?  Offensichtlich eine größere, als RTL gedacht hatte.

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„Das Supertalent“: Zu müde, zu fade

Denn der beliebte Entertainer fehlt in der neuen Runde an allen Ecken und Enden. Fakt ist: Um Bohlen herum wurden in der Vergangenheit gleich zwei Castingshows aufgebaut, die auf ihn zugeschnitten waren. „Deutschland sucht den Superstar“ und „Das Supertalent“ waren von Anfang an untrennbar mit seinem Namen verbunden.

Wenn der Kapitän beider Schiffe den Laden schlagartig verlässt, wird das zwangsläufig zum Problem. Das ist im Sport oder in der freien Wirtschaft nicht anders. Besonders wenn die Nachfolger vergleichsweise megablass sind. Denn den Unterhaltungsfaktor vermissen die meisten Fans enorm und das Urteil des Oberscharfrichters Bohlen. Schließlich hatte er immer das letzte Wort. Das hat nun niemand mehr.

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Eine Userin auf Twitter schrieb stellvertretend: „Irgendwas läuft falsch, wenn die Werbung unterhaltsamer als die Sendung ist.“ Damit ist das Problem auf den Punkt gebracht. Die neue „feste“ spaßbefreite Jury, bestehend aus Michael Michalsky (54), den Ehrlich-Brothers Andreas und Christian (43 bzw. 39) und der neuen Chef-Jurorin Chantal Janzen (42, Foto unten), müht sich zwar.

Aber: Insgesamt wirken die Urteile zu milde, das ganze Urteilskonzept zu freundlich. Vor der gesellschaftlichen Diskussion wie Diversität und Respekt beispielsweise will man ja keinem mehr wehtun.

Vielleicht kann hier Fußballer Lukas Podolski (36), der zu den Liveshows dazustoßen wird, mit flotten Sprüchen und Humor Abhilfe schaffen.

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Foto: Chantal Janzen und ihre Jury-Kollegen können Dieter Bohlen nicht ersetzen

Foto: RTL / Stefan Gregorowius

Dieter Bohlen: Der Kapitän ist von Bord

Aber auch der „Kölsche Jung“ wird Dieter Bohlen nicht ersetzen können und schon gar nicht vergessen machen. Auch wenn es der frühere „Modern Talking“-Star bisweilen mit seinen harten Urteilen und kernigen Sprüchen übertrieben hat und dafür zu Recht Kritik einstecken musste: Das sind genau die Momente, die uns im Gedächtnis bleiben und damit automatisch zum Erfolg der Show mit beigetragen haben. Thema Einschaltquoten und Unterhaltungswert… ohnehin hat sich auch ein Bohlen in den letzten Jahren mit seinen Wertungen doch eher zurückgehalten.

Egozentriker Dieter weiß sich zu verkaufen und entsprechend in Szene zu setzen. Er duldete offenbar niemand auf Augenhöhe neben ihm. Neben dem Entertainment-Faktor ist auch seine Kompetenz unbestritten. Bohlen hat jahrzehntelange Erfahrung von Musik und Talenten und weiß, was sich verkauft bzw. vermarkten lässt.

Doch was RTL seit Jahren nicht bemerkt hat: Bohlen hat das Format „Supertalent“ und „Deutschland sucht den Superstar“ geprägt und nicht umgekehrt. Die Markenbildung der Formate ist ihnen aus den Händen geglitten. Die Shows wurden um den Maestro herumgebaut, statt ihn in die Formate einzubauen – in denen ja eigentlich Talente im Mittelpunkt stehen – und nicht ein Juror Bohlen.

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Der Pop-Titan war jahrelang Chef-Juror beim „Supertalent“

Foto: IMAGO / Revierfoto

Deutschland ist durchgecastet

RTL geht also mit neuer Jury und einem neuen Moderatoren-Duo komplett neue Wege. Festgefahren ist dagegen das Konzept. Nach inzwischen 14 Jahren „Supertalent“ setzt bei dem ein oder anderen Zuschauer womöglich eine gewisse Müdigkeit ein. Klar, manche Künstler sind immer noch einmalig und wirklich faszinierend. Doch alles schon mal gesehen. Deutschland ist durchgecastet, deswegen werden immer mehr ausländische Acts herangekarrt.

Hier wären frische Ideen für die Zukunft sicher angebracht. Wie und in welcher Form das Ganze aussehen könnte, will gut überlegt werden. Doch es gibt Grenzen: das Formst ist ein Lizenzprodukt der britischen „Got Talent-Show, da kann man nicht ändern wie man will.

Nun kommt der nächste Hammer:  Mit „The Masked Singer“ startet ab 16. Oktober ein weiterer Konkurrent auf ProSieben seine Herbststaffel – ebenfalls am Samstagabend um 20.15 Uhr…

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Tanz-Performances sind besonders beliebt

Foto: TVNOW / Stefan Gregorowius

Dieter Bohlen: „Kann im Moment tun, was ich will“

Und Bohlen selbst? Um den ehemaligen TV-Juror war es in den vergangenen Monaten nach seinem umrühmlichen Abgang im Mai still. Aber keine Panik, Dieter scheint es blendend zu gehen. Via Instagram trompetete er hinaus: „Ihr denkt ja immer, ich sitze zuhause und denke die ganze Zeit über die nächste Fernsehsendung nach, die nächste Schallplatte.“

Aber weit gefehlt: „Ich bin so glücklich. Glaubt mir einfach, mein Ziel des Lebens ist nicht, im Fernsehen zu sein oder Platten zu machen. Ich bin jetzt wirklich überglücklich.“ Bla, bla, bla .  „Ich kann im Moment tun, was ich will. Ich habe Zeit für die Familie. Ich muss nicht immer gesund sein – bin ich aber. Ich habe den Druck einfach nicht.“ Und: „Leute, Freiheit!“ Die genießt er aktuell auf Sansibar.

Das Abrutschen seiner einstigen Sendung lässt den Pop-Titan sicher nicht kalt. Er wird hämisch den Misserfolg verfolgen. (TP)

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