Sarah Connor über „Vincent“ und die Entdeckung ihrer Muttersprache

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13.10.2021 20:28 Uhr

Mit ihrem Song „Vincent“ mischte Sarah Connor (41) die deutsche Musikszene im April 2019 richtig auf. Der Song erschien auf ihrem Nummer-1 Album „Herz Kraft Werke“ und wurde teilweise im Radio sogar verboten.

Was da so einen Wirbel verursacht hat, warum Sarah Connor diesen Titel als bislang wichtigsten Song in ihrer Karriere bezeichnet und warum sie plötzlich nur noch auf Deutsch singt, haben wir an dieser Stelle zusammengefasst.

Sarah Connor: Darum geht es in „Vincent“

Der Song „Vincent“ wurde am 5. April 2019 als Leadsingle von Sarah Connors neuem Album „Herz Kraft Werke“ veröffentlicht. Es handelt von einem Jungen gleichen Namens, der während der Pubertät seine Homosexualität entdeckt und dadurch eine große Verwirrung und Erschütterung in seinem Leben erfährt. Mit seiner Erkenntnis wendet sich der Junge an seine Mutter, die ihm Mut zuspricht und ihn unterstützt.

Darum tun sich Radiosender schwer mit dem Song

In dem Stück geht es um das Thema Liebe und um Homosexualität. Nach dem Erscheinen des Songs boykottierten zahlreiche Radiostationen in Deutschland den Titel oder spielten ihn nur gekürzt. Stein des Anstoßes ist dabei die erste Zeile: „Vincent kriegt kein’ hoch, wenn er an Mädchen denkt.“

Der Sender Hitradio Antenne 1 aus Baden-Württemberg spielte den Sarah Connor Song „Vincent“ nicht mit vollem Text oder nur in einer entschärften Version. Im Kinder- und Familienradio „Teddy“ aus Berlin wurde er ganz aus dem Programm genommen. Beim Bayrischen Rundfunk dagegen gab es Applaus für den Titel, der dort seit Veröffentlichung in voller Länge gespielt wird. Es hätte laut Senderchef auch deswegen keine Beschwerden gegeben.

„Vincent“ hielt sich 48 Wochen in den deutschen Charts und erreichte als Höchstplatzierung den neunten Platz. In Österreich schaffte es der mutige Sarah-Connor-Song sogar auf Platz zwei. Die Single hat sich bislang 400.000 Mal verkauft.

Mit „Vincent“ wollte Sarah Connor auf eine sensibles Thema aufmerksam machen, das eigentlich keines mehr sein sollte

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Wer steckt wirklich hinter „Vincent“?

Eine Zeitlang wurde vermutet, dass „Vincent“ in Wahrheit über eines der vier Kinder von Sarah Connor gehe. So wurde gemunkelt, dass Vincent eigentlich Sohn Tyler (17) sei, der aus ihrer Ehe mit Sänger Marc Terenzi stammt. Mit diesen Gerüchten räumte sie aber selbst auf. Sarah Connor schrieb das Werk für den Sohn einer Freundin, der sich kurz zuvor mit 15 Jahren geoutet hatte und seiner Mutter offen erzählte, dass er schwul sei. In einem Interview mit der „taz“ beschrieb Sarah, dass „Vincent“ der „wichtigste Song [war], den [sie] bisher gemacht“ hatte.

„Vincent“ von Sarah Connor: Ein Skandal, der keiner sein sollte

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Das sagt der Lesben- und Schwulenverband zum Song

In der Presse hat der Song „Vincent“ eine ganz schöne Lawine losgetreten. Der Lesben- und Schwulenverband LSVD sah den Boykott der Radiostationen als Zeichen dafür, dass es immer noch Probleme beim offenen Umgang mit Homosexualität gäbe. „Sobald es um schwule oder nichtheterosexuelle Sexualität geht, wird es schwierig“, sagte Sprecher Markus Ulrich der Deutschen Presse-Agentur. Als Beweis führte er an, dass ja auch Songs wie „Candy Shop“ von Rapper 50 Cent unzensiert gespielt würden.

Der LSVD jedenfalls freute sich darüber, dass ein neuer Song von Sarah Connor die Homo- und Trans-Szene bediente und damit auch ein breites Publikum erreichte. Dass sich die Radiostationen an dem Wort „hochkriegen“ aufhängen, sei laut dem Sprecher des Verbandes nur vorgeschoben.

Sarah Connor verstand den Wirbel um „Vincent“ nicht wirklich

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Sarah Connor hat kein Verständnis für den Trubel um „Vincent“

Sarah Connor ist zu sehr Profi, als dass sie nicht gewusst hätte, wie sehr die erste Zeile des Songs provoziert. Trotzdem verteidigte sie den Titel und erklärte gegenüber der „Bild“: „Ich weiss, dass die erste Zeile erst mal verblüfft, überrascht und vielleicht sogar empört. All das ist gut und wichtig für die Auseinandersetzung mit dem Thema.“ Ihr Song würde eine wichtige Botschaft transportieren: Egal wo die Liebe hinfällt, sie ist immer richtig.

Der öffentliche Wirbel hat dem Erfolg des Songs und des gesamten Albums keinen Abbruch getan, ganz im Gegenteil: Mit „Muttersprache“ war Sarah Connor nach zehn Jahren zum ersten Mal wieder auf Platz eins der Albumcharts und wurde insgesamt 11-fach mit Gold ausgezeichnet.

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Sarah Connor und „Muttersprache“: Darum singt sie Deutsch

Sarah Connor hat englischsprachige Wurzeln und so schien es in den ersten Jahren ihrer Musikkarriere selbstverständlich, dass sie auch ihre Songs in englischer Sprache schrieb und sang. Als ist erster Song „Wie schön Du bist“ 2015 auf Deutsch erschien, war dieser Wechsel entsprechend gewöhnungsbedürftig für die Fans.

Was hatte es mit dem Wechsel der Sprache auf sich? Die Inspiration für deutsche Songs bekam Sarah Connor in der Vox-Sendung „Sing meinen Song – das Tauschkonzert“. Dort performte sie erstmals mit „Ich atme ein“ einen Song auf Deutsch. Das war die absolute Überraschung in dem Format. Auch Sarah Connor sprach im Nachhinein von einem einschneidenden Erlebnis, das sie schließlich zu ihrem ersten deutschsprachigen Album „Muttersprache“ veranlasste.

Zwischen ihrem Album „Real Love“, das 2010 erschien, und „Muttersprache“ hat sich Sarah Connor fünf Jahre Zeit gelassen. In dieser Zeit sind insgesamt dreizehn Songs entstanden. Die erste Singleauskopplung „Wie schön Du bist“ war sehr erfolgreich. Sie war 45 Wochen in den deutschen Charts und kletterte dort bis auf den zweiten Platz.

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Das sind die besten Songs von Sarah Connor in deutscher Sprache

Im RTL-Jahresrückblick wurde der Song „Vincent“ zum besten deutschen Song 2019 gewählt. Darüber hinaus gibt es auch noch weitere bemerkenswerte deutschsprachige Songs von Sarah Connor.

„Wie schön du bist“: Die Geschichte hinter dem Song

Kein deutscher Sarah Connor-Song war so lange in den deutschen Charts wie dieser. Er hielt sich ganze 45 Wochen lang und verkaufte sich als Single mehr als 600.000 Mal. In diesem Titel geht es um die Liebe – aber nicht um die zwischen Mann und Frau, sondern um die tiefe Verbundenheit zwischen einer Mutter und ihrem Sohn. Sarah Connor hat den Song in einer Zeit geschrieben, in der ihr Sohn Tyler gerade mitten in der Pubertät war. Sie hat das sicher zuweilen auch mal schwierige Verhältnis zwischen ihr und ihrem Sohn, der sie inzwischen um Längen überragt, in diesem Titel thematisiert.

„Das Leben ist schön“: Sarah Connor singt über ihren eigenen Tod

Auf dem Album „Muttersprache“ setzt sich Sarah Connor intensiv mit Fragen des Lebens und auch ihres Mutterdaseins auseinander. Auch sehr ernste Themen wie ihre eigenen psychischen Abgründe und der Tod haben darin Platz. In dem Titel „Das Leben ist schön“ nimmt sie ihre Hörer mit zu dem Moment, an dem sie ihre Augen für immer schließen wird. Von ihren Lieben wünscht sie sich für diesen Moment vor allem eines: „Ich will keine Trauerreden / Ich will keine Tränen sehen / keinen Chor, der Hallelujah singt / Ich will, dass ihr feiert / Ich will, dass ihr tanzt / mit ‘nem lächelnden Blick und ‘nem Drink in der Hand / ‘nen Heißluftballon, / auf dem riesengroß steht: Das Leben ist schön, / auch wenn es vergeht.“

„Flugzeuge aus Papier“: Ein Song für ein verunglücktes Mädchen

Neben „Vincent“ sticht aus dem Album „Herz Kraft Werke“ von 2019 noch ein weiterer Song hervor. „Flugzeuge aus Papier (für Emmy)“ hat Sarah Connor einem ganz besonderen Mädchen gewidmet, der verstorbenen Tochter Emmy des US-Skistars Bode Miller. Das Mädchen war 2018 in einem unbemerkten Moment im Pool ertrunken. Emily wurde nur 19 Monate alt. Das einen Tag später veröffentlichte Foto, das die Mutter mit dem sterbenden Mädchen im Arm zeigt, ging um die Welt und inspirierte Sarah Connor zu diesem Titel. (Redaktion KuT)