Jan Böhmermann

Foto: IMAGO / Future Image

Er ist der blasse, dünne Junge, der POL1Z1STENS0HN, der Systemclown, der schwindsüchtige Mini-Mann aus dem ZDF und das Enfant terrible der deutschen Medienlandschaft. Jan Böhmermann deckt auf, prangert an und provoziert. Das polarisiert: Man liebt oder man hasst ihn.

Steckbrief

Name
Böhmermann
Vorname
Jan
Größe
1,90 m
Wohnort
Köln
Geburtstag
23. Februar 1981 in Bremen
Sternzeichen
Fische
Partner
verheiratet, Name unbekannt
Kinder
mehrere, nichts Näheres bekannt
Eltern
Namen nicht bekannt
Geschwister
nicht bekannt

Alle Fakten über Jan Böhmermann

Jan Böhmermann wurde am 23. Februar 1981 in Bremen geboren und wuchs im Stadtteil Vegesack auf. Seine Mutter war als Mitglied der deutschen Minderheit in Polen in den 1970er-Jahren nach Deutschland ausgewandert. Böhmermanns Vater war Polizist und starb an Leukämie, als Jan Böhmermann 17 Jahre alt war.

Journalistische und satirische Anfänge

In den späten 1990ern arbeitete Jan Böhmermann bei einer Lokalausgabe der „Bremer Tageszeitung“ und bei Radio Bremen. Sein Studium der Geschichte, Soziologie und Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften in Köln brach Böhmermann ab.

Bei 1Live betätigte er sich in der Radioserie „Lukas‘ Tagebuch“ als Podolski-Imitator, sehr zum Ärger des echten Lukas Podolski, der vergeblich rechtlich gegen die Sendung vorging. 2010 schrieb Böhmermann eine Kolumne für die Jugendausgabe der „Süddeutschen Zeitung“.

Auch mit Bühnenprogrammen machte Böhmermann zwischen 2007 und 2009 von sich reden, insbesondere zur Lieblings-Zielscheibe Lukas Podolski.

Der blasse, dünne Junge geht zum Fernsehen

2009 war Jan Böhmermann sowohl bei RTL mit der mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichneten Sendung „TV-Helden“ im Fernsehen zu sehen. Und flimmerte auch als einer der wechselnden Sidekicks von Harald Schmidt in dessen Late-Night-Talkshow über die Bildschirme. Hier begann auch die Zusammenarbeit mit Klaas Heufer-Umlauf, aus der ein Podcast und Comedy-Hörspiele entstanden.

Talk mit der „süßen Bumsbuchtante“

2012 machte Böhmermann sowohl die „Lateline“ als auch eine kurzlebige Talkshow mit Charlotte Roche; „Roche & Böhmermann“ wollte mit den üblichen Konventionen des Genres brechen. Im dunklen, verrauchten Studio saßen die beiden Moderatoren und ihre Gäste an einem Tisch zusammen und diskutierten teils polarisierende Themen.

Hinzu kamen wechselnde Elemente, die zusätzlich mit der Atmosphäre brechen sollten, wie etwa ein Zensurknopf auf dem Tisch. Das Format bei ZDFkultur wurde nach zwei Staffeln wegen Uneinigkeiten zwischen Roche und Böhmermann eingestellt.

Sieh’s mal neo

Im Anschluss daran wechselte Böhmermann zum Schwestersender ZDFneo und begann seine eigene Late-Night-Show: das „Neo Magazin“. Mit seiner provokanten und spitzzüngigen Art baute er sich rasch eine treue Fanbase auf, was dem Format den Sprung ins ZDF-Hauptprogramm als „Neo Magazin Royale“ ermöglichte. Die Erstausstrahlung erfolgte weiter in der Mediathek und bei ZDFneo und die Zweitverwertung freitagnachts im ZDF Hauptprogramm.

Als dann 2020 endgültig der Sprung aus der Sparte ins ZDF gelang, wurde die Show noch einmal in „ZDF Magazin Royale“ umbenannt. Böhmermann tritt nun seriöser auf und ist weit weniger um Provokation als um Enthüllung bemüht.

Radio macht er auch: Podcast mit Olli Schulz

Aus der Zusammenarbeit mit Klaas Heufer-Umlauf entstand zunächst die Radiosendung „Zwei alte Hasen erzählen von früher“ bei Radio Eins, aus der Heufer-Umlauf sich bald verabschiedete. Für ihn übernahm Olli Schulz, die Sendung wurde zunächst in „Joko und Klaas mit Olli und Jan“, dann in „Sanft & Sorgfältig“ umbenannt und lief wöchentlich.

2016 wechselten Böhmermann und Schulz zum Streamingdienst Spotify, wo das Format seither unter dem Titel „Fest und Flauschig“ läuft und sich zum weltweit erfolgreichsten Podcast des Anbieters entwickelte.

Galerie

Böhmermann und die bildundtonfabrik: Satire trifft Investigativjournalismus

Jan Böhmermann und sein Team machen nicht nur Satire und legen den Finger in die Wunde. Nein, sie decken auch ganz aktiv Missstände auf, analysieren diese und klären in ihrer Sendung darüber auf.

Das Team hinter Böhmermann

Hinter dem blassen, dünnen Jungen steht ein gewaltiges Team aus 70 Journalisten und Autoren. Einige davon fanden auch schon vor der Kamera statt, wie etwa Sidekick Ralf Kabelka, der früher im Autorenteam von „Die Harald Schmidt Show“ war.

Auch Larissa Rieß und Florentin Will spielten immer wieder in Sketchen mit. Wichtige Autor:innen, die in Böhmermanns Sendung aber auch abseits davon Bekanntheit erlangten, sind etwa: Sophie Passmann, Giulia Becker und Max Bierhals. Die Online-Redaktion leitet Patrick Stenzel.

Enthüllungen aus dem Studio König

Das erste Mal, dass der breiten Öffentlichkeit bewusst wurde, dass Jan Böhmermann der rostige Nagel im Fuß der etablierten deutschen Medienlandschaft werden sollte, war im März 2015. Damals machte er die halbe Nation Glauben, er und sein Team hätten dem griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis in einem Fernsehausschnitt, der bei „Günther Jauch“ gezeigt worden war, einen falschen Stinkefinger verpasst. Mit Varoufake wollte Böhmermann vor allem auf die mangelnde journalistische Gründlichkeit und die populistischen Methoden der Meinungsmache in Polittalks aufmerksam machen.

Sein vielleicht größter Coup gelang dem Team von Böhmermann, als es einen falschen Kandidaten bei „Schwiegertochter gesucht“ einschleuste und die zweifelhaften Methoden von RTL offenlegte. Böhmermann war schon zuvor bei „Roche & Böhmermann“ Britt Hagedorn wegen des ähnlichen Formats „Schwer verliebt“ hart angegangen.

Spätestens seit dieser Aktion mutmaßen viele bei jeder Enthüllungsaktion und jeder Farce in den deutschsprachigen Medien, Böhmermann und sein Team könnten dahinterstecken. So etwa 2019 bei der Ibiza-Affäre um den österreichischen Vizekanzler Heinz-Christian Strache, obwohl Böhmermann lediglich das Video frühzeitig bekannt gewesen war.

Der Große Provokateur

Böhmermann ist jemand, der die Nation spaltet. Für seine Fans ist er es, der den Finger in die Wunde legt und Missstände offenbart. Seine Feinde sehen in ihm entweder eine Krawallschachtel oder einen „Systemclown“. Sicher ist nur eines: Niemand versteht es so gekonnt in der Medienwelt die richtigen Knöpfe zu drücken, um aufsehenerregende Reaktionen zu provozieren, wie Jan Böhmermann.

„Schmähkritik“ – ein Gedicht mit Folgen

Der 31. März 2016, eine ganz normale Ausgabe „Neo Magazin Royale“, in der Jan Böhmermann und Ralf Kabelka dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan etwas Nachhilfe in Sachen Satirefreiheit geben wollen. Teil der Inszenierung ist ein Negativbeispiel dafür, was nicht von der Satirefreiheit gedeckt wäre: ein Gedicht mit dem Titel „Schmähkritik“.

Die Folge ist eine diplomatische Krise, die offenlegen soll, in welche (aus der Sicht des „Neo Magazins Royal“) tückische Abhängigkeit vom Despoten Erdogan sich die Bundesregierung mit ihrem „Flüchtlingsdeal“ begeben hat. Und tatsächlich: Die Bundeskanzlerin knickt ein und gibt dem Ersuchen Erdogans um Strafverfolgung Böhmermanns statt.

Böhmermann selbst hält sich zunächst bedeckt, erhält Morddrohungen gegen sich und seine Familie, steht unter Polizeischutz. Als er sich nach Wochen wieder zu Wort meldet, verleiht er seinem Bedauern Ausdruck. Kein Bedauern, das Gedicht vorgetragen zu haben, jedoch Bedauern, dass sein Scherz vom weit dringenderen Problem der Flüchtlingskrise abgelenkt hätte.

Das Gedicht selbst darf in Deutschland übrigens nicht mehr rezitiert werden.

Und dann hat Böhmi noch fünf Schimpansen bei der GEMA angemeldet

Am 6. April 2017 hatte Böhmermann es auf die deutsche Musikindustrie oder – wie er meint – die deutsche Industriemusik abgesehen.

Um die Beliebigkeit der Texte in deutschsprachigen Popsongs unter Beweis zu stellen, macht er selbst ein Lied. Der Text besteht aus Werbeslogans, Kalendersprüchen bzw. Sprichwörtern, Tweets der Influencer Bianca Heinicke  und Sami Slimani sowie Textzeilen aus Songs von Max Giesinger. Angeordnet wurden die Textfragmente von fünf Schimpansen im Gelsenkirchener Zoo.

Der fertige Song wurde dann als „Menschen Leben Tanzen Welt“ von Jim Pandzko feat. Jan Böhmermann, Musik von Bono Beau und Olaf Utan veröffentlicht. Bitter für Giesinger und Co.: Der Song landete tatsächlich auf Platz 10 der deutschen Charts.

Nicht mal auf Twitter ist man sicher vor ihm

Einerseits kritisiert Böhmermann die sozialen Medien gerne und häufig, andererseits ist er auf ihnen sehr präsent – besonders auf Twitter. Nicht selten sorgt er auch da für Aufreger.

Im September 2021 kam die Empörung aber aus dem eigenen linken Lager, weil man Böhmermann Antisemitismus unterstellte. Der Vorwurf war, auch wenn Böhmermann den Tweet löschte und sich entschuldigte, allerdings sehr weit hergeholt. Was hatte Böhmermann getweetet? „Mark Zuckerberg ist mit dem Verkauf von Daten zum fünfreichsten ,Mensch‘ der Welt geworden.“

Die Anführungsstriche, die wohl eher ein Verweis auf Verschwörungstheorien oder Zuckerbergs roboterhaftes Verhalten waren, wurden von einigen so ausgelegt, dass Böhmermann Zuckerberg die Menschlichkeit abspräche, weil er Jude ist.

Jan Böhmermann in der öffentlichen Wahrnehmung

Wer so viel provoziert wie Böhmermann, macht sich auch viele Feinde: Campino, Til Schweiger, Dieter Nuhr und ein gewisser türkischer Staatspräsident sind die wohl prominentesten Beispiele. Und im rechten Milieu wird er schlicht als nerviger Teil des Establishments gesehen, als sogenannter „Systemclown“.

Aber Böhmermann hat auch viele Fans und Bewunderer, die in ihm jemanden sehen, der Missstände aufdeckt und auf sie hinweist. Dafür stehen zahlreiche Auszeichnungen zu Buche, zuletzt etwa 2019 der Grimme-Preis in der Kategorie „Unterhaltung“ für „Lass dich überwachen! Die Prism is a Dancer Show“ und der Deutscher Comedypreis in der Kategorie „Beste Innovation“.

Kritik an Böhmermann

Harald Schmidt sagte 2019 über seinen Kollegen: „Ich wusste schon früh, dass es Böhmermann als Moderator nie schaffen würde – aber dass er es als Krawallschachtel sehr weit bringen würde, wusste ich auch.“ Ob man dem nun zustimmt oder nicht, unkollegial ist es allemal, nach Jahren so gegen einen ehemaligen Mitarbeiter zu stänkern.

Campino, den Böhmermann in seiner Sendung für „Band Aid 30“ kritisiert hatte, attestierte Böhmermann seinerseits das „Niveau eines Furzkissens“ und dass es ihm doch selbst nur um Aufmerksamkeit ginge.

Der Mensch hinter dem Clown: Jan Böhmermann privat

Jan Böhmermann gibt wenig über sein Privatleben preis. Er lebt mit Frau und Kindern in Köln, hält seine Familie aber aus der Öffentlichkeit heraus, was, wie die Schmähkritik-Affäre zeigt, durchaus zu deren Schutz ist.

Auch politisch lässt Böhmermann sich nicht in die Karten schauen, sagt, er habe alles schon gewählt und sei „zwischen NPD und KPD“ zu verorten. Wer den Überzeugungstäter Böhmermann aber aufmerksam verfolgt, kann schlussfolgern, dass er kurzzeitiger SPD-Mitgliedschaft zum Trotz wohl eher Grünen und Linken nahestehen dürfte.